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25. August 2017

Kostenfalle Schulstart – das muss geändert werden!

25.08.17, 14:12 |Categories: Bildung|Tags: |

Kürzlich erzählte mir eine alleinerziehende Mutter, dass sie zum Schulstart ihres Kindes etwa 3.000 € zu berappen hat, denn diesmal stünden aufgrund des Übertritts in eine grafische Schule neben den üblichen Ausgaben die Anschaffung eines Laptops und eines Fotoapparats an. Das ist für diese Mutter eine enorme finanzielle Belastung. Aber welche Eltern wollen schon der Bildungslaufbahn des eigenen Kindes im Weg stehen? Also wird gespart und bezahlt – wenn es sich Eltern überhaupt leisten können.

In Österreich sind 231.000 Kinder und Jugendliche von Armut betroffen bzw. gefährdet. Besonders für deren Eltern ist der Schulbeginn eine finanzielle Herausforderung, denn das neue Schuljahr beginnt mit Ausgaben für Taschen und Hefte, Stifte und Zirkel, Sportbekleidung und Hausschuhen in Höhe von bis zu 300 Euro. Nicht eingerechnet sind Sonderanschaffungen und die Kosten für Schulveranstaltungen wie Sprach-, Sport- und Wienwochen. Das Schulstartgeld von 100€, das für 6- bis 15-jährige Kinder ausbezahlt wird, reicht in der Regel nicht einmal ansatzweise.

Umfrage Standard.at 31.8.2016

In einigen europäischen Ländern ist es üblich, dass schulpflichtige Kinder und Jugendliche sämtliche benötigten Unterrichtsmaterialen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Auch die Stadt Wien geht schon lange mit gutem Beispiel voran und stellt allen Pflichtschulen einen Warenkorb zur Verfügung, aus dem die Schulen die für den Unterricht nötigen Materialien für ihre SchülerInnen bestellen können.

Ich will, dass alle schulpflichtigen Kinder in Österreich kostenlose Unterrichtsmaterialen bekommen. Die Kosten dafür wären etwa 28 Millionen Euro. Verglichen mit dem Schaden, der der Republik Österreich durch den Ankauf der Eurofighter entstanden ist, ist das nichts, denn der belaufe sich laut Einschätzung von Experten auf bis zu 1,1 Milliarden Euro.

Hier haben wir dringenden Handlungsbedarf, damit nicht schon zu Schulbeginn ausgerechnet die sozial Schwächsten zusätzliche Nachteile erleiden. Denn ein Mehr an Bildungsgerechtigkeit bedeutet auch, dass alle Kinder die benötigten Materialen bekommen.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
23. August 2017

Österreich, Land der bezahlten Nachhilfe – muss nicht sein!

23.08.17, 13:52 |Categories: Bildung|Tags: , , , , |

In Österreich benötigt etwa ein Viertel aller SchülerInnen Nachhilfe. Die Kosten dafür belasten die Budgets von Familien ordentlich – die durchschnittlichen Jahresausgaben pro SchülerIn mit Nachhilfebedarf liegen bei 710 €. Die Hälfte aller betroffenen Haushalte gibt an, dadurch sehr stark bzw. spürbar belastet zu sein. Für fast 50.000 SchülerInnen wäre eine Nachhilfe wünschenswert gewesen, konnte aber aus geografischen oder finanziellen Gründen nicht organisiert werden. Das ergibt die aktuelle Studie der Arbeiterkammer „Nachhilfe in Österreich 2017“. Bedrückend dabei ist, dass auch schon viele Volksschulkinder Nachhilfe beanspruchen müssen.

Die Verbesserungswünsche, die Eltern haben, sind vielfältig: Sie wünschen sich einen besseren Einsatz moderner und effizienter Unterrichtsmethoden, plädieren für kleinere Unterrichtsgruppen, für kostenlose Nachhilfeangebote und den Ausbau des Förderunterrichts an den Schulen sowie für mehr Zeit zum Üben des Stoffes.

Was nun auch immer die individuell durchaus verschiedenen Ursachen für den signifikant hohen Förderbedarf in Österreich sind, so lässt sich daraus ein struktureller Änderungsbedarf ableiten:

  • Eine Gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen beseitigt den Druck bei Volksschulkindern, unbedingt Gymnasiumsreife erlangen müssen.
  • Ganztägige Schulformen bringen mehr Zeit zum Lernen, machen Hausübungen überflüssig und verringern externe Nachhilfe markant. Freizeit ist dann wirklich Freizeit, die Familienmitglieder werden psychisch und finanziell entlastet.
  • Die flächendeckende Einführung eines „Chancenindex“, der mehr Ressourcen in Brennpunktschulen bringt, sichert mehr LehrerInnen und mehr Unterstützungspersonal dort, wo es dringend benötigt wird.

Die Gemeinsame Schule, ganztägige Schulformen und der „Chancenindex“ sind daher ein wesentlicher Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit: Alle Kinder und Jugendlichen bekommen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern jene Förderung, die sie benötigen. Auch wenn es schon langweilig wird: Finnland macht es vor, dass Schule ohne Hausübungen und Nachhilfe geht. Wir sind – nicht zuletzt dank der von uns Grünen eingebrachten Punkte der Bildungsreform – wenigstens einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. In der nächsten Legislaturperiode wird es unter anderem um eine deutliche Budgeterhöhung für die Bildung gehen, denn nur durch sie können die dringend notwendigen Maßnahmen abgesichert werden.

 

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
9. August 2017

Rudolf Taschner – was kommt denn da auf uns zu?

09.08.17, 16:44 |Categories: Bildung, Parteien|Tags: , |

Ist jemand glaubwürdig, der als Journalist etwas schreibt, was er als Politiker dann ablehnt? Rudolf Taschner macht genau das. Doch der Reihe nach.

Seit gestern ist Rudolf Taschner designierter ÖVP-Bildungs- und Wissenschaftssprecher. Ich nehme mal an, sein publizistisches Eintreten für die „g’sunde Watschn“ in der „Presse“ ÖVP-Chef Sebastian Kurz nicht bekannt war. Dort hat Taschner gemeint, dass so eine Ohrfeige als „Gewitter“ etwas sein könne wie ein „kurzer, reinigender Schmerz“. Er ist mit dieser Meinung in prominenter Gesellschaft. Felix Baumgartner oder Uwe Scheuch bekennen sich öffentlich ebenfalls dazu.

Ich habe das scharf kritisiert. Im heutigen „Standard“ meint Taschner auf die Frage, ob er noch dazu stehe: „Das ist selbstverständlich unmöglich. Das schreibe ich heute nicht mehr. Ich bin kein Journalist, ich bin jetzt auf der anderen Seite.“

Ah so? Keine prinzipielle Ablehnung, sondern nur „unmöglich“, weil er jetzt Politiker ist? Taschner hat massiven bildungspolitischen Erklärungsbedarf.

Denn die Verharmlosung von Gewalt gegen Kinder ist nicht zu dulden. Der verstorbene Wiener Kinderarzt Hans Czermak hat das so formuliert: „Die g’sunde Watschen macht krank.“ Die knapp 30 Österreichischen Kinderschutzzentren mit ihren etwa 200 MitarbeiterInnen können ein (Klage-)Lied davon singen. Sie betreuen jährlich in ca. 65.000 Beratungs- und Therapiestunden über 12.000 minderjährige Gewalt- und Missbrauchsopfer und deren Bezugspersonen.

Ein Bildungspolitiker, der Gewalt als probates pädagogisches Mittel bezeichnet, ist inakzeptabel. Wer ein Kind schlägt, beweist, dass er sich nicht im Griff hat. Taschner ist gefordert.

Ob sich Taschner im Griff hat? Inhaltlich wohl kaum. Der Klimawandel ist für ihn ein „Scheinproblem“, er spricht vom „Klimawandelwahn“. Das Pensionsantrittsalter zu früh: „Die stabile Finanzierung der Pensionen wird nur dann gelingen, wenn das Antrittsalter deutlich angehoben wird. Deutlich bedeutet: auf 70 Jahre.“

Sein pädagogisches Verständnis kennen wir ja schon zum Teil. Sie wollen mehr wissen? Bitte: „Ein Lehrer soll den Kindern Karrierechancen geben und die Gschrappen wollen das vielleicht gar nicht, weil sie noch nicht den Weitblick besitzen. Wenn ich eine Minute in der Stunde loslasse, habe ich in der Klasse eine Katastrophe. Der Lehrer muss die Zügeln (sic!) 50 Minuten lang fest halten.“

Beim Integrationsthema könnte es Übereinstimmung mit seinem Mentor Sebastian Kurz geben: „Wenn Kanzlerin Merkel sagt, der Islam gehört zu Deutschland, ist das verrückt.“

Ich bin gespannt, was da in Zukunft noch für Thesen vertreten werden.