Pressekonferenz mit Karl Heinz Gruber

Mit Ex- Bildungsministerin Gehrer hat es begonnen, Kern, Hammerschmid, Kurz, Mahrer und andere haben es in die Gegenwart getragen. Sie alle haben eines gemeinsam, sie wollen für den österreichischen Nachwuchs „die beste Bildung“. Die „beste“, sagen sie zumindest. Kaum ein Begriffspaar wurde im Zusammenhang mit der Bildung mehr missbraucht, als „beste Bildung“. Wir Grüne haben uns diesen Superlativ abgewöhnt, weil es völliger Humbug ist, die beste Bildung zu versprechen, wenn wir vorher zu einer besseren Bildung, die uns einmal vom internationalen Mittelfeld nach vorne führen würde, kommen müssen.

Noch etwas versprechen diverse Parteien bei jeder sich bietenden Gelegenheit: Sie wollen weg von ideologischen Diskussionen in der Bildungspolitik und „faktenbasiert“ steuern. Wir sagen: Schluss mit dem bildungspolitischen Märchen einer ideologiefreien politischen Diskussion, zumal unter diesem Deckmantel erst recht ideologisch motiviert gehandelt wird.

Machen wir es wirklich faktenbasiert

An sich haben wir schon viele Studien, den Nationalen Bildungsbericht, die standardisierten Messungen wie PISA, PIRLS, TIMSS, BIST und die jährlich erscheinende OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“. Die ernüchternden PISA-Ergebnisse aus dem Jahr 2004 irritierten die damalige Bildungsministerin Gehrer so sehr, dass sie sogar eine Überprüfung der Richtigkeit der statistischen Daten veranlasste. Es wurde aber nichts besser, denn falsch waren nur die vorher publizierten Daten, die Österreich zu Unrecht einen besseren Rang im internationalen Bildungsranking bescherten.

Seither tümpeln wir in diversen Rankings herum, da ein bisschen besser, dort wieder schlechter. Die großen Maßnahmen, die das Grundproblem des österreichischen Systems beseitigen könnten, nämlich dass Bildung in überproportionalem Ausmaß vererbt wird, wurden nicht angegangen. Dahingehende zaghafte Versuche seitens der SPÖ prallten an der strukturkonservativen ÖVP fulminant ab.

„Bildungspolitische Watschn für die Regierung“

In der letzten Woche legte der renommierte Bildungsforscher Karl Heinz Gruber den beiden Regierungsparteien prompt die verdiente verbale Watschn auf. Er hält trocken fest: „Dass das ‚Erfolgsmodell Gymnasium‘ als ‚unerwünschte Nebenwirkung‘ eine alarmierende Zahl von Schulabgängern mit unzureichenden Lese- und Rechenfertigkeiten produziert, ist weithin bekannt und wird alle drei Jahre durch OECD-Pisa-Resultate bestätigt. Dass das Schulsystem trotz Fokussierung auf Selektion am oberen (‚gymnasialen‘) Ende der schulischen Leistungsskala international relativ wenige Spitzenleistungen hervorbringt, ist weniger bekannt, aber nicht weniger beunruhigend.“

„OECD als Nachhilfeinstitut für UnterrichtsministerInnen“ (Karl Heinz Gruber)

Gruber verweist in seinem Kommentar auf die Länderprüfungen der OECD, die von den Mitgliedsstaaten angefordert werden können. Schweden hatte sich dieser nach den neoliberalen Bildungsmaßnahmen und dem darauf folgenden verheerenden Absturz in diversen Rankings gestellt. Schweden zieht nun die Konsequenzen und repariert wieder, was vorher kaputt gemacht wurde.

Was liegt also näher, wenn auch Österreich das internationale Nachhilfeinstitut für UnterrichstministerInnen, die OECD, bemüht und eine Prüfung anfordert, die weg vom nationalen, kleingeistigen Politikgeplänkel hin zu einer tatsächlich faktenbasierte Analyse unseres Schulsystems führen könnte, aus der die entsprechenden verpflichtenden Maßnahmen abzuleiten wären?

Länderprüfung 2009: Viele Empfehlungen, fast nicht umgesetzt

Österreich hatte bereits 2009 eine OECD-Länderprüfung zum Teilbereich „Migration und Bildung“ durchführen lassen: Auf 85 Seiten listeten die internationalen Fachleute die Leer- und Schwachstellen in Österreichs Bildungseinrichtungen auf. Acht Jahre später müssen wir in einer Bilanz feststellen, dass die meisten Empfehlungen im hintersten Winkel eines Aktenschranks gelandet sind. Jetzt hören wir aus allen Richtungen das Geschrei, dass die Integration – insbesondere der Spracherwerb – in den Kindergärten bzw. Schulen nicht klappen würde. Wer bezahlt aber für die Versäumnisse die Rechnung? Ganz sicher viele, nur nicht jene aus SPÖ/ÖVP, die in der Vergangenheit für das kolossale Versagen zuständig waren.

Grüner Antrag im Nationalrat

Ich werde in der nächsten Nationalratssitzung einen Antrag einbringen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, ehestmöglich bei der OECD eine Länderprüfung des österreichischen Bildungswesens zu beantragen mit dem Ziel, faktenbasierte Empfehlungen für die Verbesserung der Chancengerechtigkeit und Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus in Österreich zu erhalten und diese in der Folge politisch umzusetzen. Besonderer Fokus ist dabei auf die Sekundarstufe 1 und die Polytechnischen Schule zu legen sowie auf die Schnittstellen davor und danach.

Schauen wir, ob sich die anderen Parteien auf diesen bildungspolitischen Elchtest einlassen. Wenn nicht, sollten sie gleich alle wortreichen Ankündigungen von der „besten Bildung“ öffentlich entsorgen. Das wäre wenigstens ehrlich.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“