Heute habe ich unten stehendes Mail bekommen – eine „Wortmeldung aus der Praxis“ von einer inzwischen pensionierten AHS-Lehrerin. Es motiviert hoffentlich nicht nur mich, weiter für ein besseres Schulsystem zum Wohl unserer Kinder zu kämpfen:

„Ihren Vorstellungen von grüner Bildungspolitik kann ich als (leider) ehemalige AHS-Lehrerin nur voll zustimmen. Sie sind schöne Fantasien. Leider sieht die schulische Realität jedoch anders aus, obwohl dies nicht so sein müsste.

Wie stellen Sie sich die Umsetzung Ihrer Ideen vor? Das Gesamtschulmodell, das derzeit läuft, kann diese ja kaum – bzw. nur dort, wo mit sehr viel Geld Rahmenbedingungen hergestellt werden, die schon aus Mangel an qualifiziertem Personal nicht auf alle Schulen umlegbar sind, verwirklichen.

Aus meinen eigenen 40-jährigen Unterrichtserfahrungen müsste man bereits bei der baulichen Gestaltung von Schulen beginnen: Flexibel nutzbare Unterrichtsräume, weg vom Klassenzimmer zu Lern-, Übungs-, Entspannungs-, Kommunikations- und Bewegungsräumen. Dies wäre in vielen Schulen mit relativ geringen baulichen bzw. innenarchitektonischen Veränderungen durchführbar. Schüler müssen sich in ihrer Schule wohlfühlen können.

Der nächste bzw. gleichzeitige Schritt müsste sein, die starren 50Minuten Einheiten aufzugeben und Schülern wie Lehrern die Möglichkeit zu geben, sich in längeren Phasen einem Stoffbereich gründlich in allen möglichen Aneignungsformen zuzuwenden und auch individuelle Arbeitseinteilung zulassen. (Ich selbst hatte mir Doppelstunden zumindest für die 1. u. 2. Klassen erkämpft, was sich stes sehr positiv auf den Lernerfolg auswirkte.)

Ganztägige Schulformen, die es jedoch zulassen – ja fordern, dass junge Menschen, ihren persönliche Neigungen und Interessen (Sport, Musik etc.) nachgehen, sollten die Regel sein. Hier sind geblockte bis zu 6 Stunden Unterricht nicht mehr nötig, da zwischendurch Zeit für Entspannung und vor allem Bewegung ist. Übungs- und Lernaufgaben können in speziell dafür freigehaltenen Räumen erledigt werden. Essen in einer guten und vernünftigen Schulkantine könnte den häufig ungesunden Essgewohnheiten der SchülerInnen (5x die Woche Fertigpizza) entgegenwirken.

Ich hätte ja noch eine Fülle von Ideen, glaube jedoch, dass man auch ein gesellschaftliches Umdenken fördern muss. Kreise, die in einer guten Schule die Garantie für den Erfolg ihrer Kinder im Leben sehen (was ja an sich sehr positiv und richtig ist), dürfen genauso wenig verschreckt und verunsichert werden wie jene, die ihre Kinder in der Schule vor allem mal untertags versorgt sehen und keine Probleme mit deren Leistungen haben wollen. Das heißt, dass auch wenn in der Schule natürlich der Focus auf die Lernenden gelegt werden soll, auch die Wünsche und Vorstellungen der Eltern im Auge behalten werden müssen. Und nicht zuletzt auch jene der Lehrenden, die sich oft nicht vorstellen können, wie sie ihre Lehr- und Erziehungsaufgaben in solchen neuen Schulen verwirklichen sollen, zumal sie ja derzeit keinerlei Unterstützung vonseiten der vorgesetzten Landesschulbehörden erhalten, sondern im Gegenteil von diesen häufig gepiesackt werden. Der Widerstand von weiten Kreisen der Lehrer entspringt ja vor allem der Sorge, dass das Niveau unserer Bildungseinrichtungen noch weiter absinkt, und natürlich auch der Angst vor Veränderungen.

Danke, dass Sie sich so engagiert für Schule einsetzen!“

Bleibt mir nur noch, mein Motto für die „Grüne Schule“ anzufügen: „Kein Kind zurücklassen!“