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30. Januar 2017

Regierungsübereinkommen: thumbs down!

30.01.17, 17:30 |Categories: Bildung, Nationalrat, Parteien|Tags: , , , |


Insgesamt liest sich das Regierungsübereinkommen wie ein ÖVP-Parteiprogramm, das zuvor mit der FPÖ abgestimmt wurde. Die SPÖ scheint jeglichen Anspruch auf sozialdemokratische Politik versenkt zu haben. Das Thema Modellregion Gemeinsame Schule ist nicht einmal angesprochen worden.

Das zentrale Problem im Bildungsbereich, nämlich die hohe Abhängigkeit zwischen Herkunft und Bildungserfolg, wird bestenfalls gestreift. Im Schulautonomiepaket findet sich nichts, was nicht ohnehin schon vorher bekannt gewesen wäre. In wesentlichen Bereichen wie dem seit Monaten groß angekündigten „Chancenindex“ gibt es nur schwammige Formulierungen. Und die „Digitalisierungsstrategie“? Anstatt Geld in die Hand zu nehmen, soll die Wirtschaft massiv in die Schulen geholt werden, um die digitale Ausstattung zu bezahlen. Diverse Firmen wie der von Regierungsmitgliedern hofierte Bertelsmann-Konzern werden in die Hände klatschen. Wie SchülerInnen hierbei auch noch ein kritisches Bewusstsein als KonsumentInnen entwickeln sollen, ist mir schleierhaft. Die Neoliberalisierung findet auch auf den Unis statt, die Zugangsbeschränkungen sind als vehemente Attacke auf die Studierenden zu werten.

Der Rest des Arbeitsabkommens ist dominiert vom Weg zum Überwachungsstaat, der die Rechte von Bürgern und Bürgerinnenrechte massiv einschränkt, aber keineswegs mehr an Sicherheit bringen wird. Dazu passt auch die „Law and Order“-Politik gegenüber Geflüchteten und MigrantInnen.

Eine umweltpolitische Katastrophe ist die Halbierung der Flugabgabe: Dass Bundeskanzler Kern als ehemaliger Chef der ÖBB nun die Fluggesellschaften fördert, anstatt in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu investieren, ist fast schon als Treppenwitz der Geschichte zu bezeichnen. Insgesamt ist das Regierungepaket bis auf ganz wenige Ausnahmen mit Nicht genügend zu beurteilen.

15. November 2016

Wiedereinführung der Ziffernnote an Volksschulen

15.11.16, 7:57 |Categories: Bildung|Tags: , , , |

DenkerEs ist verrückt und ein pädagogischer Schildbürgerstreich, dass man im Frühjahr 2016 das Aus für die Ziffernnote in den ersten drei Klassen der Volksschule verkündet und diese jetzt im Herbst durch die Hintertür verpflichtend wieder einführt.

Man kann nur den Kopf schütteln über eine Verordnung des Bildungsministeriums zur Leistungsbeurteilung: Sie sieht vor, dass die bisherigen fünf Ziffernnoten durch vorgefertigte Formulierungen ersetzt werden, was nun selbst jene Schulen an die Kandare nimmt, die bislang an einem der 2.000 Schulversuche für alternative Leistungsbeurteilungen beteiligt waren. An vielen Volksschul-Standorten herrscht Empörung, andere sind sich angesichts der Bürokraten-Sprache noch gar nicht bewusst, was da auf sie zukommt.

Viele Lehrkräfte an den Volksschulen haben ausreichend Erfahrung mit alternativen Leistungsbeurteilungen. Ich verweise auf die vielen Varianten von verbalen Beurteilungen und Eltern-Kind-Gesprächen über Pensenbüchern bis hin zu anderen Formen der Lernfortschrittsdokumentation. Das ist erprobt und hat an den Standorten zur Zufriedenheit von Lehrkräften und Eltern funktioniert. Die verpflichtende Einführung von Beurteilungsstufen, wie in der Verordnung vorgesehen, steht dieser sinnvollen Entwicklung entgegen.

Ich verweise auch darauf, dass zahlreiche Studien einen nur sehr geringen Zusammenhang zwischen den objektiv erfassten Lernleistungen der Kinder und ihren Noten belegen („Schulnoten sind ungerecht!“): Das ist aus großflächigen Untersuchungen in Österreich belegt. Was in der einen Klasse noch zu einem „Sehr gut“ reicht, kann in einer anderen zu einem „Genügend“ führen. Viele Lehrkräfte haben daher mit Erfolg Gegenvorschläge zur Ziffernnote umgesetzt.

Ich habe die Ministerin daher aufgefordert, diese unsinnige und kontraproduktive Verordnung zurückzunehmen. Sie entspricht nicht den im Frühjahr gemachten Versprechungen und macht viele Fortschritte an Schulen in den letzten Jahrzehnten zunichte. Von Schulautonomie zu sprechen und solche Verordnungen zu erlassen, demotiviert alle am Schulgeschehen beteiligten. Und betroffene Volksschulen haben eine Petition an Ministerin Hammerschmid gestartet, zu deren Unterstützung ich Sie einlade: Petition: Eine alternative Leistungsbeschreibung braucht keine Ziffernnoten!

Update 15.11.: Das Bildungsministerium hat die Verordnung heute zurückgezogen. Bleibt die Frage, wie es zu diesem Schildbürgerstreich überhaupt kommen konnte. Eine Ursachenforschung wäre angebracht.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
27. Oktober 2016

„Super(wo)man“ als SchuldirektorIn?

27.10.16, 15:38 |Categories: Bildung|Tags: , , , |

supermanIm österreichischen Schulwesen tut sich was: „Superman“ ist im Anflug! Wahlweise auch eine „Superwoman“!

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid hat angekündigt, dass DirektorInnen künftig nicht mehr nur eine einzelne Schule leiten können, sondern auch „Bildungscluster“, in denen zwei bis acht Schulen mit einem ähnlichen pädagogischen Ziel zusammengeschlossen sind. Dafür bekommen sie sogar Personalhoheit, können also die Lehrkräfte selbst anstellen. Die KlassenschülerInnenhöchstzahl wird abgeschafft, stattdessen bestimmt die Schulleitung die Größe der Gruppen. Schuldemokratie? Fehlanzeige! Abgesehen davon, dass das alles – wie so vieles in der Vergangenheit – bislang nur angekündigt und noch nicht einmal durch eine Regierungsvorlage konkretisiert wurde: Wie schaut es mit der Unterstützung für den künftigen „Superman“ und die „Superwoman“ aus? Gibt es Konzepte für deren Ausbildung? Gibt es ein mittleres Management für die Schulen? Gibt es dafür höhere Gehälter?

Ich will das alles nicht von Vorneherein verdammen, aber es ist zu befürchten, die Super-DirektorInnen werden die Probleme unseres Bildungssystems nicht lösen können. Es ist erfreulich, dass Schulen künftig mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben sollen, ich setze da aber auf mehr auf Schuldemokratie. Ich verweise auch auf die strukturellen Probleme wie die zu frühe Trennung der Kinder mit neuneinhalb Jahren, die mangelnde Unterstützung für Integration oder die verkrusteten Verwaltungsstrukturen: Das alles löst ein Mehr an Schulautonomie ganz sicher nicht. Dasselbe gilt für das Thema Bildungsvererbung, also die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Schichten oder die Ausgrenzung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

Gerade nach unserem gemeinsamen Besuch in Südtirol in der letzten Woche erwarte ich mir von der Ministerin, dass die Themenbereiche Inklusion und Integration künftig prominenter angesprochen werden: Darüber haben wir in Südtirol, wo es keine Sonderschulen mehr gibt, intensiv diskutiert. Die betroffenen Kinder und ihre Eltern sind von der schulischen Inklusion ebenso begeistert wie die Lehrkräfte. Wir müssen auch in Österreich mutigere Schritte in diese Richtung machen.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“