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22. Mai 2017

Bildungsreform: Kurz bricht alle ÖVP-Versprechungen!

22.05.17, 15:43 |Categories: Bildung|Tags: , , |

Zwei Jahre haben die Bemühungen um die Bildungsreform gedauert. Kaum tritt der ÖVP-Nachwuchs Sebastian Kurz auf die Bühne, wird aus der „neuen Volkspartei“ schon in der ersten Woche ihrer Existenz die bekannte Uralt-ÖVP.

Kurz zur Geschichte: Im März 2015 präsentierte die Regierung unter dem Titel „Freiraum für Österreichs Schulen“ ihr Reformpapier. Ich habe das damals prinzipiell begrüßt, weil es in vielen Punkten in die richtige Richtung gewiesen hat:

  • wesentliche Ausweitung der Schulautonomie
  • weniger bürokratischerAufwand
  • bessere Ressourcensteuerung
  • besseres Controlling

Gefreut habe ich mich aber vor allem, weil sich die ExpertInnen – vorsichtig aber doch – für eine Gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr ausgesprochen hatten. So wurde ich damals etwa in der Kleinen Zeitung und der Neuen Vorarlberger Tageszeitung zitiert: „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich es gelesen habe“, meinte der stets kritische, grüne Bildungssprecher Harald Walser. „Das Papier atmet einen neuen Geist.“
Davon blieb kaum etwas. Im Ministerratsvortrag vom 15. November 2015 waren bereits zentrale Punkte der Reform massiv aufgeweicht und somit für uns nicht mehr zustimmungsfähig: Bildungsreform: viel Lyrik, wenig Substanz, kein Mut!

Es sollte jedoch noch schlimmer kommen. Der Begutachtungsentwurf der Regierung war voll von faulen Kompromissen, worauf ich unsere Grünen Bedingungen für eine Zustimmung zu dieser Verfassungsmaterie noch einmal unmissverständlich deutlich gemacht habe.

Nach mehr als zweijährigem zähen Ringen hat es die ÖVP geschafft, auch die letzten vorwärtsweisenden Reformen aus dem Gesetz zu tilgen. Und seither haben uns die Verhandlungen bislang nur Trippelschrittchen nach vorne gebracht. Besonders ärgerlich: Nachdem Sebastian Kurz in der ÖVP das Ruder übernommen hat, wurden in Sachen Modellregion die vom damaligen Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Klubobmann Reinhold Lopatka und dem jetzigen Wissenschaftsminister Harald Mahrer gemachten Versprechungen (siehe Zitate) umgehend gebrochen.

Die Schwarzen spekulieren wohl mit einer Zustimmung der FPÖ, die dafür den „bildungspolitischen billigen Jakob“ geben müsste. Die „neue ÖVP“ sieht jedenfalls schon jetzt uralt aus. Und das wird nicht nur in der Bildungspolitik sein …

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
3. Mai 2017

Bildungsreform: die Grünen Bedingungen!

03.05.17, 10:35 |Categories: Bildung, Nationalrat, Parteien|Tags: , , |

Um Klartext zu sprechen: Mir reicht’s! Die Betonierer aus der Lehrergewerkschaft können nicht ein ganzes Land in bildungspolitische Geiselhaft nehmen. Das ist ein fahrlässiger Umgang mit der Zukunft unseres Landes und speziell der Zukunft unserer Kinder. Was daher auf keinen Fall passieren darf, ist ein Scheitern dieser Bildungsreform.

Aber dort, wo „Reform“ draufsteht, muss auch wirklich Reform drin sein. Für uns Grüne ist eine Zustimmung daher an Verbesserungen des jetzigen Entwurfs gebunden. Das habe ich heute mehreren Medien gegenüber klargemacht („Grüne Bedingungen für Reform“). Um nur drei zentrale Punkte zu nennen:

  • Die größte Hürde ist eine Weichenstellung in Richtung einer Gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr. Zumindest eine Modellregion muss möglich sein, um die 100-jährige bildungspolitische Blockade zwischen Rot und Schwarz endlich zu beenden.
  • Die vorgesehene Bestellung künftiger SchulleiterInnen wäre ein Mehr und nicht ein Weniger an parteipolitischer Macht. Wir fordern daher eine wirkliche Ent-Parteipolitisierung durch eine Beteiligung aller Schulpartner und ein Mehr an Transparenz.
  • Auch die Finanzierung muss auf neue Beine gestellt werden. Wir brauchen mehr Geld für die so genannten Brennpunktschulen. Jedes Kind ist uns gleich viel wert, aber nicht jedes Kind hat den gleichen Förderbedarf. Dafür braucht es mehr Geld für das Bildungssystem.

Wenn SPÖ und ÖVP wirklich an konstruktiven Verhandlungen interessiert sind, ist eine Einigung möglich. Das zeigen mir Gespräche mit Repräsentanten der Regierungsparteien. Das Problem sind einerseits die Heckenschützen im Hintergrund, andererseits die Angst insbesondere in der ÖVP vor der Macht des Betonflügels in der GÖD. Ich bin trotzdem optimistisch, dass wir ein respektables Paket schnüren können.

Wir Grüne wollen eine Reform, aber eine mit substantiellen Veränderungen und Verbesserungen, die auch im Klassenzimmer ankommen und unser Bildungssystem gerechter machen. Und die gibt’s nur mit uns Grünen. Dafür werden wir uns jetzt mit aller Kraft einsetzen, versprochen!

2. April 2017

„Kindergartenoffensive“ – Trauerspiel in mehreren Akten!

02.04.17, 7:41 |Categories: Bildung|Tags: , , |

„Wir werden den Österreicherinnen und Österreichern in den kommenden 18 Monaten beweisen, dass wir diese Projekte geschlossen und gemeinsam abarbeiten. Messen Sie uns an dieser Arbeit! Messen Sie uns an dieser Arbeit!“

So lautet die vollmundige Ankündigung für das am 30. Jänner 2017 (!) präsentierte Arbeitsprogramm der Bundesregierung 2017/2018. Also – dann messen wir: In einer parlamentarischen Anfrage habe ich die Familienministerin Sophie Karmasin um Auskunft gebeten, wie es im Bereich der groß angekündigten „Kindergartenoffensive“ denn um die Umsetzung jener Versprechungen steht, die erstmals im Regierungsprogramm 2013 vereinbart wurden, dann im Ministerratsvortrag 2015 ebenso erneuert wurden wie zuletzt im Februar 2017. Das Ergebnis (Anfragebeantwortung_Karmasin) ist ernüchternd:

  • Das versprochene zweite verpflichtende Kindergartenjahr ist nach wie vor nur ein frommer Wunsch.
  • Über die Kosten des „Bildungskompasses“ kann die Ministerin keine Auskunft geben.
  • Der seit 2013 (siehe Bild unten) – zuletzt im Jänner 2017 – versprochene „bundeseinheitliche Qualitätsrahmen“ wird hochoffiziell zu Grabe getragen (siehe Bild oben).

Während im Regierungsprogramm 2013, dann im Ministerratsvortrag vom 17. November 2017 und zuletzt im „Arbeitsprogramm der Bundesregierung“ vom Februar 2017 noch vollmundig der „bundeseinheitliche Qualitätsrahmen“ versprochen wurde, stellt man nun nach vielen Jahren fest, dass das „aufgrund fehlender Bundeskompetenz“ leider nicht gehe, werde aber weiter „beraten“. Man hat also dreieinhalb Jahre gebraucht, um festzustellen, dass „aufgrund fehlender Bundeskompetenz“ ein Versprechen nicht eingehalten werden kann? Ein Trauerspiel!

Und nun, Herr Bundeskanzler? Herr Vizekanzler? Frau Ministerin? Versprechen gebrochen – und das schon nach wenigen Wochen. Gibt’s Konsequenzen?

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“