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27. Oktober 2016

„Super(wo)man“ als SchuldirektorIn?

27.10.16, 15:38 |Categories: Bildung|Tags: , , , |

supermanIm österreichischen Schulwesen tut sich was: „Superman“ ist im Anflug! Wahlweise auch eine „Superwoman“!

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid hat angekündigt, dass DirektorInnen künftig nicht mehr nur eine einzelne Schule leiten können, sondern auch „Bildungscluster“, in denen zwei bis acht Schulen mit einem ähnlichen pädagogischen Ziel zusammengeschlossen sind. Dafür bekommen sie sogar Personalhoheit, können also die Lehrkräfte selbst anstellen. Die KlassenschülerInnenhöchstzahl wird abgeschafft, stattdessen bestimmt die Schulleitung die Größe der Gruppen. Schuldemokratie? Fehlanzeige! Abgesehen davon, dass das alles – wie so vieles in der Vergangenheit – bislang nur angekündigt und noch nicht einmal durch eine Regierungsvorlage konkretisiert wurde: Wie schaut es mit der Unterstützung für den künftigen „Superman“ und die „Superwoman“ aus? Gibt es Konzepte für deren Ausbildung? Gibt es ein mittleres Management für die Schulen? Gibt es dafür höhere Gehälter?

Ich will das alles nicht von Vorneherein verdammen, aber es ist zu befürchten, die Super-DirektorInnen werden die Probleme unseres Bildungssystems nicht lösen können. Es ist erfreulich, dass Schulen künftig mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben sollen, ich setze da aber auf mehr auf Schuldemokratie. Ich verweise auch auf die strukturellen Probleme wie die zu frühe Trennung der Kinder mit neuneinhalb Jahren, die mangelnde Unterstützung für Integration oder die verkrusteten Verwaltungsstrukturen: Das alles löst ein Mehr an Schulautonomie ganz sicher nicht. Dasselbe gilt für das Thema Bildungsvererbung, also die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Schichten oder die Ausgrenzung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

Gerade nach unserem gemeinsamen Besuch in Südtirol in der letzten Woche erwarte ich mir von der Ministerin, dass die Themenbereiche Inklusion und Integration künftig prominenter angesprochen werden: Darüber haben wir in Südtirol, wo es keine Sonderschulen mehr gibt, intensiv diskutiert. Die betroffenen Kinder und ihre Eltern sind von der schulischen Inklusion ebenso begeistert wie die Lehrkräfte. Wir müssen auch in Österreich mutigere Schritte in diese Richtung machen.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
11. Oktober 2016

Aus dem Westen was Neues: die Gemeinsame Schule

11.10.16, 16:53 |Categories: Bildung|Tags: , , , |

Gemeinsame Schule VorarlbergDem der SPÖ zugerechnete Erziehungswissenschafter Karl Heinz Gruber scheint in puncto Bildungspolitik seiner Partei und der Regierung insgesamt inzwischen auch der Kragen geplatzt zu sein. In einem „Kommentar der Anderen“ im Standard macht er seinem Ärger Luft und erteilt Bildungsministerin Sonja Hammerschmid einen , wie ich meine, sehr guten Ratschlag. Das Bildungsreformpaket, das Ex-Bildungsministerin Heinisch-Hosek zusammen mit Staatssekretär Mahrer im November 2015 präsentiert hat und das von letzterem sogar als „geil“ bezeichnet wurde, ist für den Bildungsexperten Gruber wohl gar nicht geil, sondern „ein beängstigender Beleg für die Konzeptlosigkeit und Leichtfertigkeit der österreichischen Bildungspolitik. Das Papier der Bildungsreformkommission ist voller Widersprüche und Unklarheiten.“

Gruber gibt Ministerin Hammerschmid den Rat, das Papier zu den Modellregionen, die laut Regierung auf 15% beschränkt werden sollen, im „ministeriellen Papierkorb“ zu versenken und sich stattdessen „auf das wohlüberlegte, ausgereifte Reformkonzept zu konzentrieren, das eine von der Vorarlberger Landesregierung eingesetzte Forschungsgruppe erarbeitet hat“. Gemeint ist ein über mehrere Jahre erarbeiteter Forschungsbericht, der die Weichen zu einer Gemeinsamen Schule in ganz Vorarlberg stellen soll und bei dem laut Gruber „auf vorbildliche Weise mit ’skandinavischer‘ (oder alemannischer?) Rationalität und Gründlichkeit vorgegangen“ worden sei.

Zusammen mit einer Modellregion in Tirol könne der Westen einen bildungspolitischen „Big Bang“ auslösen, der auch andere sozialdemokratische Landeshauptleute „aus ihrem bildungspolitischen Dornröschenschlaf wecken würde“. Darauf hoffen  BildungsexpertInnen wie Karl Heinz Gruber und ganz besonders auch ich als Grüner Bildungspolitiker.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
8. Juni 2016

Gymnasium für wenige oder doch „allen alles lehren“?

08.06.16, 12:29 |Categories: Bildung, Gesellschaft|Tags: , |

Gymnasium_He Alter!Dem Gymnasium gehört durchaus die Zukunft, doch nicht in seiner achtjährigen Form, die von den Konservativen so zäh verteidigt wird.

In einem Gastkommentar für „Die Presse“ bin ich heute auf einige Argumente der Reformgegner und bildungspolitischen Besitzstandswahrer eingegangen: „Alle alles lehren!

Bezug genommen habe ich dabei auf die schulische Realität heute – nämlich schwache Leistungen gerade im Spitzenbereich, Benachteiligung des ländlichen Raums, ineffizientes, teures und ungerechtes System. Genauso aber habe ich Hinweise darauf gegeben, was denn die Humanisten wirklich wollten: keine Selektion, sondern umfassende Bildung für alle Menschen!

Übrigens: AMS-Chef Johannes Kopf, wahrlich kein gestandener Linker, hat das Problem unseres Bildungssystems in einem Interview mit dem „Standard“ präzise und anschaulich auf den Punkt gebracht:

„Wir haben in Österreich das Problem dieser unglaublich hohen sozialen Selektion nach Herkunft. Dafür muss man sich ja wirklich schämen. Ich habe drei Söhne, der Jüngste ist ein Jahr alt, und ich habe es schon oft erzählt, aber diese Zahlen schockieren mich noch immer: Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass Oscar, mein Jüngster, nur Pflichtschule haben wird, liegt bei knapp sieben Prozent, weil ich ein Studium habe. Hätte ich nur Pflichtschule, wäre die Wahrscheinlichkeit 30 Prozent, und hätte ich Pflichtschule und Migrationshintergrund, wäre sie 56 Prozent. Ich weiß nicht, ob es noch irgendjemanden gibt, der glaubt, es liegt vor allem an meinen Genen. Wenn doch, dann traut er es sich hoffentlich nicht mehr zu sagen. Wären die beiden Babys im Spital vertauscht worden, dann hätte der andere die guten Chancen und mein Oscar die schlechten – und das ist ein Wahnsinn. Das ist ein verlorenes Potenzial, das ist unvorstellbar.“