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14. Dezember 2010

Josef Pröll: Die Lehrkräfte sind schuld an Pisa!

14.12.10, 0:31 |Categories: Bildung|Tags: |

Wir können es machen wie Josef Pröll und die Schuld am Pisa-Debakel den Lehrkräften zuschieben. Einerseits meint der ÖVP-Parteiobmann, die „Gesamtschule Volksschule“ sei schuld am miserablen Abschneiden der 15-Jährigen. Die „schwarze Logik“ treibt aber noch seltsamere Blüten. Pröll lässt über seinen Sprecher der Öffentlichkeit ausrichten: „Es sind Zweifel angebracht, die Gesamtschule als Allheilmittel anzupreisen, in der gute und schlechte Lehrer, gute und schlechte Schüler durcheinandergemischt werden. Das verschärft das Problem mehr, als es zu lösen.“

Das ist eine unfassbare Entgleisung. „Gute“ und „schlechte“ SchülerInnen dürfen ja nicht vermischt werden, diese krude ÖVP-Logik kennen wir schon. Jetzt sagen die Schwarzen aber auch ganz offen, was sie von den PflichtschullehrerInnen halten. Wo sind denn jetzt die „guten“ und die „schlechten“, die laut Pröll nicht „durcheinandergemischt“ werden dürfen? Mit den „guten“ LehrerInnen können ja wohl nur die AHS-LehrerInnen gemeint sein, die „schlechten“ sind demnach die HauptschullehrerInnen. Oder kann jemand etwas anderes aus dieser Ausage herauslesen?

Statt LehrerInnen-Bashing zu betreiben, bringe ich nächste Woche eine bildungspolitischen „Notstands-Antrag“ zur Hebung der Lesekompetenz ein (< file name="Entschliessungsantrag_Lesekompetenz" >).

Mein Schlusswort wie immer: „Kein Kind darf zurückbleiben!“

Und diesmal ein kleiner Anhang: „Keine Lehrkraft darf beleidigt werden!“

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
3. März 2009

Expertenbericht zu PISA 2006

03.03.09, 1:27 |Categories: Bildung|Tags: |

Am Montag ist der Expertenbericht zu PISA 2006 erschienen. Überraschung ist – leider – keine dabei: Österreichs SchülerInnen bleiben Mittelmaß, Tendenz sogar leicht sinkend. Ich möchte nur einen Aspekt herausgreifen: das Lesen.

Lesen stallt ja eine Art Grundkompetenz dar. Ohne ausreichende Lesekompetenz ist man im täglichen Leben von Informationen abgeschnitten. In Österreich zählen 22 der 15-/16-Jährigen zur Lese-Risikogruppe (OECD-Länder 20, Deutschland 20, Schweiz 16). In Finnland sind es nur 5, in Korea 6 der 15-/16-Jährigen.

Und wie schaut es mit den Spitzenleistungen aus? Österreich weist mit 9 einen ähnlich großen Anteil an Lese-SpitzenschülerInnen auf wie im Bereich Naturwissenschaft und erreicht gerade mal den OECD-Schnitt (Deutschland 10, Tschechien 9 und die Schweiz 8). Länder mit einer modernen Ganztags- und Gesamtschule sind auch hier deutlich voran: Kanada (15), Neuseeland (16) oder Finnland (17). Den höchsten Anteil erreicht Korea mit 22.

Ein großes Problem vor allem bei den AHS sind die großen Unterschiede zwischen den Schulen: 143 Punkte trennen die AHS mit dem höchsten Lesemittelwert von jener mit dem niedrigsten. Das entspricht etwa zwei Kompetenzstufen.

Und was ziehen die Experten für Schlüsse aus diesen und anderen dargestellten Fakten?

„Die gegliederte Schulstruktur der Sekundarstufe I erlaubt es, Schüler/innen, statt sie entsprechend zu unterstützen und zu fördern, in Differenzierungsgruppen abzuschieben, die vermeintlich ihrem Leistungsstand besser entsprechen. Dies betrifft zum Beispiel die ´Rückfluter` aus der AHS oder die Abstufung in niedrigere Leistungsgruppen in der Hauptschule. Die Möglichkeit der Aussonderung der jeweils leistungsschwächeren Schüler/innen verhindert die Entstehung einer konsequenten Förderkultur.

Begleiterscheinung dieses Systemmerkmals ist das Auftreten von Gruppierungen, die in einem hohen Ausmaß aus lernschwachen oder auch lernunwilligen Schülerinnen und Schülern bestehen, die sich aus Mangel an Kompetenzen wechselseitig beim Lernen nicht unterstützen können, und denen das Leistungsvorbild der motivierteren und leistungsstärkeren Schüler/innen fehlt.“

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“