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13. September 2015

Minister Kurz am Abstellgleis

13.09.15, 14:12 |Categories: Gesellschaft, Integration|Tags: , , |

westbahnhofSo sieht österreichische Politik aus: Letzten Freitag einigte sich die Regierung auf zusätzliche Gelder für „die Integration von Flüchtlingen“. Insgesamt werden es 145 Millionen Euro sein, davon 75 Millionen u.a. für zusätzliche Deutschkursplätze. Und: Für schulpflichtige Flüchtlingskinder soll es „Sprachstartkurse“ geben. Klingt einmal nicht so schlecht.

Sebastian Kurz feierte in einer Presseaussendung die Einführung von „rechtlich verbindlichen Sprachstartklassen“ ab. Ein kleiner aber feiner Unterschied: Offiziell heißt’s rechtlich verbindliche Kurse als ergänzende Maßnahme zum Regelunterricht in den Stammklassen. Das dürfte dem Integrationsminister nicht so gut gefallen haben. Aber wer ein richtiger Siegertyp wie Kurz ist, ändert schwuppdiwupp das Wording, um wenigstens verbal zu dem zu kommen, was er seiner rechten Klientel versprochen hatte: die Einrichtung von eigenen Klassen.

Was jedoch wirklich notwendig wäre, dazu ist es auch am Freitag nicht gekommen: Wir benötigen standortbezogene Rahmenkonzepte, die eine auf die jeweiligen Bedürfnisse der neuen SchülerInnen zugeschnittene Betreuung und Förderung ermöglichen. Sprachkurse für jene, die traumatisiert durch Krieg und Flucht zu uns kommen, sind nicht die primäre Antwort, denn vorher benötigt es psychologische Hilfe. Zudem muss Sprachförderung nach einem Konzept erfolgen, das langfristig ausgelegt ist.

Und auch hier gibt’s keine Antwort der Regierung: Wer soll die Sprachförderung in den Schulen erteilen und wer für Erwachsene? Die beiden Expertinnen an der Universität Wien, İnci Dirim und Karen Schramm, haben die Anforderungen in einer aktuellen Stellungnahme klar formuliert, nämlich, „dass schnelle Einführungen von Ehrenamtlichen nur Notfalllösungen darstellen; sie können eine fundierte Ausbildung nicht ersetzen, die wir als Grundlage für eine Lehrtätigkeit für unabdingbar halten: Unterrichten ist eine komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe, die ein vertieftes theoretisches und praktisches Einarbeiten in (sozial- und migrations-)pädagogische, allgemeindidaktische und fachdidaktische Professionalisierungsbereiche erfordert“.

Über einen zweiten Punkt jubelt Kurz: „Für mich ist es auch ganz zentral, dass der Integrationsfonds Wertekurse anbieten wird. Wir müssen unsere Grundwerte von Anfang vermitteln vom Rechtsstaat bis hin zur Gleichstellung von Mann und Frau.“ Nun soll also ausgerechnet der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) jetzt auch noch „Wertekurse“ anbieten. Es ist aus pädagogischer Sicht schon alleine der Gedanke zu hinterfragen, jemandem irgendwelche Werte über Kurse eintrichtern zu wollen. Aber wenn es schon um Werte geht, empfehle ich Kurz, zuerst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren und den Korruptionssumpf im ÖIF, den der Rechnungshof scharf kritisiert hatte, aufzuklären und daraus die rechtlichen Konsequenzen zu ziehen.

Ein Land, das sich Zustände wie in Traiskirchen leistet, wird sich zudem sehr schwer tun, wenn just dann jene Menschen, die unter miesesten Umständen ihre erste Zeit in Österreich verbracht haben, per Kurs Werte pauken müssen, gegen die Österreich in Traiskirchen tagtäglich verstößt. Lehren durch Vorbildwirkung, heißt eine pädagogische Grundregel. Wer das nicht begreift, sollte sich ein bisschen zurückziehen, um zuerst einmal die Grundprinzipien von Lehren und Lernen zu studieren. Und als Einführungstext zum Studium von gesellschaftlichen Werten empfehle ich Minister Kurz die gleichermaßen berührende wie erhellende Schilderung einer Helferin vom Westbahnhof: „Am Westbahnhof Gleis 1b – eine unbeschreibliche Erfahrung“ Vielleicht kommt er drauf, dass er sich mit seiner Rhetorik und Politik am Abstellgleis befindet und die Zivilgesellschaft in der Wertevermittlung viel weiter ist als er?

Anstatt meines Nachworts eines von Höhlen-Höbart (13.9.2015):

hoebart

7. September 2015

Flüchtlingskinder: Was muss jetzt passieren?

07.09.15, 12:49 |Categories: Bildung, Integration, Menschenrechte|Tags: , |

PK-inci_dirimGemeinsam mit İnci Dirim, Professorin für „Deutsch als Zweitsprache“ an der Universität Wien, habe ich heute in einer Pressekonferenz unsere Vorschläge zur schulischen Integration von Flüchtlingskindern vorgestellt. Derzeit geht man im Ministerium davon aus, dass etwa 5.000 Flüchtlingskinder integriert werden müssen. Die Zahl ist jedoch ausgehend von den Schätzungen in Deutschland sehr niedrig gegriffen.

Meine Forderungen kurz zusammengefasst:

  • Flexiblere ganzjährige Mittelzuteilung: Derzeit wird ein Stichtag herangezogen (der 15. September), dann darf ein ganzes Jahr lang nichts mehr passieren.
  • Wir benötigen kurzfristig mehr Geld und müssen auf neue Herausforderungen auch während des Schuljahres reagieren können. Konkret bedeutet das: 14 Mio € mehr für Sprachförderung und sozial-psychologische Betreuung, um Traumata zu erkennen, um Sicherheit zu geben und Stabilität zu vermitteln. Das sind 0,17% des Unterrichtsbudgets.
  • Einbeziehung von ExpertInnen aus ganz Österreich für ein Konzept: Das wäre eigentlich selbstverständlich, fehlt aber derzeit.
  • Einheitliche Sprachstandsfeststellung in allen Bundesländern und Weitergabe der Daten vom Kindergarten zur Volksschule.
  • Sonderverträge für im Fach „Deutsch als Zweitsprache“ akademisch ausgebildete Personen, die kein Lehramt haben (allein in Wien sind es etwa 200).
  • Als Übergangslösung kurzfristige „Willkommenskurse“, um eine gute psychologische und sozialpädagogische Betreuung gewährleisten zu können. Dann gleitender Übergang in die Regelklassen, denn die Wissenschaft hat belegt: Schnellstmögliche Integration bringt die besten Ergebnisse!

Professorin Dirim hat auf zwei „best practice“-Modelle hingewiesen und davor gewarnt, pauschale Antworten auf die komplexen Herausforderungen zu geben:

  • In Schleswig-Holstein gibt es Zentren für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Sie werden von den Kinder besucht, bevor es dann zur Eingliederung in die Schulen kommt. Von dort können sie jederzeit wieder ins DaZ-Zentrum, sodass eine langjährige Begleitung garantiert ist. Es ist ein Modell für Schulen, die nur von wenigen betroffenen Kindern besucht werden.
  • In Hamburg gibt es etwa 500 SprachlernkoordinatorInnen, die von den Schulen nominiert werden. Sie erhalten eine spezielle Ausbildung und einmal pro Jahr eine Fortbildung und sind Teil eines eigenen Netzwerkes. Sie machen am Anfang des Jahres Sprachstandserhebungen mit allen Kindern. Wo es notwendig ist, werden individuelle Förderpläne erstellt. Die Evaluierung erfolgt am Ende des Jahres wieder mit einer Sprachstandserhebung.

Die Zeit drängt. Wir müssen umgehend handeln, denn es gilt auch hier: Wer rasch hilft, hilft doppelt!

17. August 2015

Mein ultimativer Tipp an Sebastian Kurz

17.08.15, 17:57 |Categories: Bildung, Integration|Tags: , |

mikl_kurz

Zur Forderung von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek nach mehr Geld sagt Sebastian Kurz in einer Presseaussendung: „Ja, nur wenn wir das System ändern. Ich bin aber nicht dafür, mehr Geld in ein System zu pumpen, das nicht funktioniert.“

Sebastian Kurz droht nun also der Unterrichtsministerin und will eine schnelle Änderung des Schulpflichtgesetzes zur Einrichtung von Flüchtlingsklassen. Nur wenn die Unterrichtsministerin gehorcht, kriegt sie mehr Geld für Sprachförderung in den Schulen.

Ich habe nun beileibe nichts gegen sinnvolle Vorschläge, egal aus welcher Richtung sie kommen. Wie Kurz jedoch agiert, ist – ums freundlich auszudrücken – überaus mutig. Beginnen wir einmal mit den Kindergärten, die in der Zuständigkeit von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) liegen: Da wird ein Übereinkommen (eine sogenannte 15a-Vereinbarung) zwischen dem Integrations-, Familien- und Bildungsministerium sowie den Bundesländern ausgehandelt, die einen Finanzierungsrahmen für die vorschulische Sprachförderung festlegt. Das ist zeitlich auf drei Jahre begrenzt. Was danach kommt, wissen wir nicht. Vorgaben, wie die Sprachförderung auszusehen hat – wird auch als „Qualitätsstandards“ bezeichnet –, gibt es nicht. Ist ja klar, denn das Personal, das den Sprachstand der Kinder erhebt, um dann Fördermaßnahmen festzulegen und durchzuführen, gibt es auch kaum. Warum? Unter anderem deshalb, weil vor allem die ÖVP befindet, dass es für KindergärtnerInnen keine akademische Ausbildung benötigt. Und da diese ja keine akademische Ausbildung haben, kann die Entlohnung auch unter aller Kritik sein. Halten wir fest: Unterrichtet jemand Englisch an einer Sekundarschule, ist eine akademische Ausbildung in diesem Fach Voraussetzung. Begleitet jemand aber Kinder beim hochkomplexen Spracherwerbsprozess, von dem schließlich die weitere Bildungskarriere abhängig ist, reicht eine allgemeine Ausbildung in einer Schule für Kindergartenpädagogik, die in der Regel im Alter von 19 Jahren abgeschlossen werden kann. Aber ich weiß, 1 + 1 zusammenzuzählen, ist manchmal sehr schwierig, vor allem dann, wenn das Ergebnis gar nicht passen will.

Dann gibt es noch das von der ÖVP so hochgehaltene föderale Prinzip, das bedeutet, dass wir je nach Gusto der Landeshauptleute bzw. der Landesregierungen völlig unterschiedliche Regelungen in den Kindergärten haben. Gleiches gilt übrigens auch für die Pflichtschulen. Um sicherzustellen, dass das Geld aus der 15a-Vereinbarung nicht versenkt wird, soll es eine Beurteilung der Konzepte und Schlussberichte der Kindergärten geben.

Diese Beurteilung macht der Österreichische Integrationsfonds und somit jener Verein, der dem Integrationsminister untersteht und somit Maßnahmen seiner vorgesetzten Behörde beurteilen soll – Marke: Angestellte/r evaluiert eigenen Chef. Die Frage, woher der Integrationsfonds die Kompetenz nimmt, sprachliche Frühfördermaßnahmen zu beurteilen, stelle ich lieber nicht!

Und das Resultat? Die KindergartenpädagogInnen fühlen sich zu Recht überfordert und klagen über die schlechten Rahmenbedingungen. Die (ohnehin geringen) Gelder für Sprachförderungen fließen weiterhin in ein System, das nur mehr schlecht als recht funktioniert.

Also würde ich Sebastian Kurz den ultimativen Tipp – heutzutage „Protipp“ genannt, vielleicht versteht er das ja eher? – geben, den Mist im eigenen Stall auszukehren, bevor er den Besen an die Bildungsministerin weiterreicht.

P.S.: Falls Minister Kurz der Republik einen Gefallen tun will, sollte er sich mit seiner Parteikollegin Johanna Mikl-Leitner zusammensetzen und mit ihr erörtern, dass der Bruch von Menschenrechten, wie er täglich in Traiskirchen stattfindet, den österreichischen Werten denn doch sehr widerspricht. Wäre sonst unglaubwürdig, ständig hinauszuposaunen, dass Zugewanderte unsere Werte inhalieren müssen, um hier bleiben zu können.

(Foto: http://www.bmi.gv.at/cms/cs03picturesbmi/BMI_NEWS_WWW%20-%20OEFFENTLICHKEITSARBEIT/TAGDEROFFENENTUER13/L_12560.jpg)