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11. Mai 2020

Nationalfeiertag am 8. Mai?

11.05.20, 11:09 |Categories: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

„Tag der Befreiung“ und ein „Tag der Freude“? Auf alle Fälle!

Die Rede ist vom 8. Mai 1945 – dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland.

Soll der 8. Mai in Österreich zum Nationalfeiertag erklärt werden? Ich bin seit langem dafür. Übrigens erinnern ja auch die gesprengten Ketten an den Greifarmen des Adlers in unserem Wappen an dieses Ergeignis. Mein Kommentar zu diesem Thema in den „Vorarlberger Nachrichten“:

Tag der Befreiung!

Am letzten Freitag waren es genau 75 Jahre, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist. Viele in Österreich haben das NS-Verbrecherregime unterstützt, einige haben Widerstand geleistet. In deren Tradition sollten wir uns stellen. Denn nicht „wir“ haben den Krieg verloren, sondern die Deutsche Wehrmacht und der Nationalsozialismus.

Das offizielle Österreich hat sich schon 1945 dieser Lesart der Geschichte angeschlossen, faktenwidrig wollte man sich allerdings selbst nur als „Opfer“ sehen. Äußeres Zeichen dafür war das veränderte offizielle Symbol unseres Staates. Man übernahm zwar das Wappen aus der Ersten Republik, fügte aber gesprengten Ketten an den Greifarmen des Adlers hinzu, um die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus zu symbolisieren.

Es hat lange gedauert, bis dieser nach außen getragene antifaschistische Grundkonsens nicht nur politische Opportunität war, sondern auch zur Überzeugung der Mehrheit wurde. Es ist daher nicht verwunderlich, dass man bei uns den 8. Mai lange Zeit nicht als „Tag der Befreiung“ gefeiert hat, sondern lieber an das Kriegsende erinnerte.

Problematisches Gedenken

Der Heldenplatz hingegen, symbolträchtig beladener zentraler Ort der Republik, wurde sogar jahrelang von Ewiggestrigen missbraucht, um dort ein „Heldengedenken“ für Mitglieder der Waffen-SS und der Wehrmacht zu veranstalten. In gespenstischem Ambiente wurde mit Fackelzug die Niederlage Hitler-Deutschlands betrauert. Erinnerungen wurden wach an den 15. März 1938, als hier Hunderttausende den von Adolf Hitler verkündeten „Anschluss“ an das Deutsche Reich bejubelten.

Sogar ausländische Staatsgäste wurden meist zur „Heldengedenkstätte“ im Äußeren Burgtor des Heldenplatzes geführt und nicht etwa zum dürftig gestalteten Weiheraum für die österreichischen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer.

Würdige Gedenkstätte

Das alles ist zum Glück seit ein paar Jahren Geschichte. Noch immer aber ist die Republik nicht in der Lage, insbesondere die Krypta am Heldenplatz so zu gestalten, wie es einer demokratischen Republik würdig wäre. Eine zu errichtende Gedenkstätte sollte jene ehren, die einen Beitrag zur Wiedererrichtung Österreichs geleistet haben – die Menschen des Widerstands und die Soldaten der Alliierten.

Der berühmte Satz „Österreich ist frei!“ von Außenminister Leopold Figl war in den letzten Tagen in vielen historischen Dokumentationen zu hören. Er stammt bezeichnenderweise vom 15. Mai 1955 und nimmt Bezug auf die Unterzeichnung des Staatsvertrages. Damit wird die Besatzungszeit von 1945 bis 1955 in fataler Weise mit der siebenjährigen NS-Diktatur gleichgesetzt. Es wäre an der Zeit, das kritisch zu hinterfragen.

Als „Tag der Befreiung“ eignet sich nur der 8. Mai, als Österreich mithilfe der Alliierten wieder selbstständig wurde und eine Demokratie aufbauen konnte. Es wäre angebracht, diesen Tag statt des 26. Oktober zum Nationalfeiertag zu erklären.

8. Mai 2016

8. Mai: Merci! Cпасибо! Thank you! Danke!

08.05.16, 9:33 |Categories: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

Mauthausen-Schwur – Projektion am Bundeskanzleramt, Ballhausplatz Wien

Mauthausen-Schwur – Projektion am Bundeskanzleramt, Ballhausplatz Wien

Heute am Abend findet zum vierten Mal das „Fest der Freude“ am Heldenplatz statt. 2013 wurde erstmals dem zuvor unerträglichen Zustand, als jährlich hunderte Rechtsextreme und (Neo)Nazis die Niederlage des Zweiten Weltkriegs und des nationalsozialistischen Verbrecherregimes betrauerten, ein Ende gesetzt. Das andere Österreich, das anständige und verantwortungsvolle, jenes, das nicht vergisst, hat den Platz der Ewiggestrigen eingenommen.

Im letzten Jahr, zum 70. Jahrestag der Befreiung, waren einige der Überlebenden von Mauthausen, Gusen und anderen Konzentrationslagern am Heldenplatz anwesend. Wir haben ihnen gezeigt, dass wir ihr Vermächtnis aus dem Mauthausen-Schwur verstanden haben:

„Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die Millionen, durch den Nazifaschismus ermordeten Brüder geloben wir, daß wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten: DIE WELT DES FREIEN MENSCHEN.“

Wenn heute wieder die Unmenschlichkeit, die Hetze und der Rassismus hervorkriechen, immer stärker, immer unverhohlener, wenn sich heute wieder einige erheben und meinen, das Leben der einen stünde über dem Leben der anderen und Hass zur moralischen Richtschnur wird, dann haben wir dem entgegenzustehen. Sonst haben wir nichts begriffen.

Das „Fest der Freude“ ist wohl das sichtbarste und gelungenste Beispiel dafür, wie Geschichtsinterpretation positiv verändert werden kann, indem wir an das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte mahnend erinnern und indem wir uns dankbar freuen, dass mit dem 8. Mai 1945, mit der Befreiung durch die alliierten Truppen, die beste Zeit in der Geschichte unseres Landes begonnen hat.

Also lasst uns heute feiern!

Foto (Mauthausen-Schwur – Projektion am Bundeskanzleramt, Ballhausplatz Wien) mit freundlicher Genehmigung von Stefan Machovik.