ZentralmaturaMein Prinzip in meiner Zeit als Lehrer und Direktor einer Schule war immer, dass in Zweifelsfällen Lösungen zu Gunsten von Schülern und Schülerinnen gefunden werden mussten. In Zweifelsfällen! Wenn es aber stimmt, dass es im Zuge der Zentralmatura 2015 Manipulationen bei den Benotungen der Prüfungsleistungen gegeben hat, um die Endergebnisse zu schönen, dann halte ich das für völlig inakzeptabel. Im heutigen Standard äußert der Klagenfurter Mathematiker Werner Peschek sehr harte und schwerwiegende Vorwürfe: Peschek ortet „ein hohes Maß an Manipulation“, denn es sei zu „versteckten, nicht kontrollierbaren und konsequenzenlosen Absenkungen der Anforderungen durch unkorrekte Vorgehensweisen bei der Durchführung oder der Korrektur der schriftlichen Prüfungen und vor allem auch bei der mündlichen Kompensation gekommen, die zu keinen Verbesserungen führen“.

Die Zentralmatura bringt nun einiges zu Tage, was vorher stillschweigend unter den Teppich gekehrt wurde, dass wir nämlich ein Problem mit großen Qualitäts- und Leistungsunterschieden in den Schulen haben. Das wegzumanipulieren, indem Noten hinunterkorrigiert werden, widerspricht nicht nur dem Sinn und Zweck einer standardisierten Prüfung, sondern prolongiert das offensichtliche Problem.

Die Bildungsministerin wird nun einerseits aufklären müssen, ob Pescheks Vorwürfe gerechtfertigt sind, und falls ja, die Frage zu beantworten haben, ob es hierbei sogar Weisungen seitens des Ministeriums gegeben hat. Und ich fordere das Ministerium und die Bildungspolitik insgesamt dazu auf, sich endlich der Realität zu stellen und die Leistungsunterschiede vor allem in den Oberstufenrealgymnasien genauer anzusehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört kurzfristig, den Schulen mehr Zeit geben, um den Unterricht den neuen Anforderungen der Zentralmatura anpassen zu können, was ich bereits vor einem Jahr gefordert habe.

Wirkliche Lösungen sind allerdings nur langfristig und mit einschneidenden Maßnahmen zu erzielen. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Letztlich sind die zu frühe Trennung der 10-bis 14-Jährigen und unser mehrgliedriges Schulwesen anachronistisch und leistungsfeindlich. Das Resultat sehen wir nicht zuletzt bei den Ergebnissen der Zentralmatura. Eventuelle „dezentrale“, nämlich individualisierte Korrekturen ändern an diesem Befund sicher nichts!

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“