13. Mai 2016

„Brauchtumspflicht“ im Bildungssystem

2016-05-13T16:44:37+02:0013.05.16, 16:33 |Kategorien: Bildung, Gesellschaft|Tags: |

NS_Umzug_Imst_Ausstellung 2014Nun – einige wenige Befürworter von Schwarz-Blau trauen sich inzwischen ja, sich öffentlich dafür einzusetzen. In Oberösterreich kann man sehr gut studieren, wie sich eine FPÖVP-geführte Regierung in der Praxis auf das Bildungs- und Schulwesen auswirkt.

Es gibt schon die erste Gesetzesnovelle. Na, und das nenne ich doch mal eine Maßnahme von ÖVP-FPÖ, die den „kleinen Leuten“ in Oberösterreich wirklich hilft. Oder haben Sie Zweifel? Wollen Sie gar etwas anderes? Schauen wir uns an, was da passiert im Land ob der Enns:

  • Mehr Betreuung in Kindergärten? Fehlanzeige!
  • Bessere Betreuung in Kindergärten? Fehlanzeige!
  • Längere Öffnungszeiten in Kindergärten? Fehlanzeige!
  • Mehr Unterstützungspersonal in den Schulen? Fehlanzeige!
  • Mehr Investitionen in Freizeiteinrichtungen? Fehlanzeige!

Und wo gibt es jetzt einen Erfolg? Was ist der Inhalt der erwähnten Novelle? Der „Erfolg“ schaut so aus: eine Novelle zur Brauchtumspflicht in den Kindergärten! Zur Brauchtumspflicht!

Wie hatte die freiheitliche Bildungssprecherin im oberösterreichischen Landtag noch vor zwei Monaten gemeint? „Wir fordern eine totale Bildungsreform. Wir brauchen ein föderales Bildungssystem, also eine Verländerung. Ich bin überzeugt, dass sich das Niveau im Bildungsbereich durch eine Verländerung deutlich verbessern würde“, so Lackner.“

Liebe oberösterreichische Eltern, diese Verbesserung freut Euch doch ganz sicher, oder? Ja, die schwarz-blaue Verländerung wirkt wirklich. Oder müssen wir doch von einer totalen Provinzialisierung sprechen? Patriotismus gegen die Bildungsmisere?

Und ich sehe schon. Im Zuge der Verhandlungen um die Bildungsreform – speziell um die Umgestaltung der Schulverwaltung – gibt es viel zu tun und abzuwehren. Ob die Art von „Brauchtumspflicht“ (nicht etwa Brauchtumspflege) gemeint ist, die das Bild oben (gezeigt im Rahmen der Sonderausstellung „Tiroler Musikleben in der NS-Zeit“ in Imst 2014) suggeriert, weiß ich nicht. Hoffe ich nicht.

Oder sagen wir es in den Worten, die im Mai 2014 bei der Eröffnung der erwähnten Ausstellung der damalige Bischof Manfred Scheuer gefunden hat: „Es wäre fatal, wenn im Schweigen und in der Ratlosigkeit die Sieger von gestern heute noch einmal triumphieren würden.“

Quelle: Stadt Imst

28. April 2016

„Infrastrukturausbau“ – Straßen oder Kindergärten?

2016-04-28T16:51:57+02:0028.04.16, 16:49 |Kategorien: Bildung, Nationalrat|Tags: |

Der norwegische Mathematiker und Soziologe Johan Galtung hat in den 1970er-Jahren den Begriff der „strukturellen Gewalt“ geprägt. Gemeint ist alles, was die Befriedigung grundlegende und berechtigte menschliche Bedürfnisse verunmöglicht. Ausgebaute Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen, in denen Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten eine gerechte Chance bekommen, gehören dazu.

Und da sind wir dann beim österreichischen Bildungssystem. Es ist strukturelle Gewalt, wenn Eltern keine hochwertigen Betreuungsplätze für Kleinkinder zu annehmbaren Bedingungen bekommen. Es ist strukturelle Gewalt, wenn der Staat Budgetgelder einseitig zuungunsten Benachteiligter ausgibt. Deshalb habe ich in der Debatte um den Ausbau der Infrastruktur darauf hingewiesen, dass Infrastruktur nicht auf Straßen, den Breitbandausbau oder Tunnels sind, sondern dass unser Bildungssystem ein ganz wesentlicher Bereich von Infrastruktur darstellt.

5. April 2016

Ist die Volksschule noch zu retten?

2016-04-05T16:40:49+02:0005.04.16, 16:39 |Kategorien: Bildung, Nationalrat|Tags: , |

Walser_Volksschule_Wiener Zeitung_5.4.2016Ist die Volksschule noch zu retten?“ – zu diesem Thema habe ich mit der „Wiener Zeitung“ ausführlich gesprochen. Derzeit versuchen ja vor allem konservative Kreise, der Volksschule – speziell den dort arbeitenden Lehrerinnen und Lehrern – die Schuld an der Bildungsmisere und den schlechten Ergebnissen bei sämtlichen Überprüfungen zuzuschieben. Zu Unrecht, wie ich meine.

Denn nicht zuletzt durch die Gehrer´schen Stundenkürzungen gibt es gerade in den Volksschulen viel zu wenig Zeit, um mit den Kindern das Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben. Diese Grundfertigkeiten bleiben vielfach auf der Strecke, zumal die Herausforderungen bei weniger Unterrichtszeit durch viele Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache noch gestiegen sind. Was zu tun ist, habe ich versucht zu kizzieren. Um es kurz auf den Nenner zu bringen: Wie brauchen die Gemeinsame Schule, wir brauchen Ganztagsschulen und wir müssen den Lehrstoff von Ballast entrümpeln.

Natürlich ist es kein Zufall, dass jene zwei Bundesländer, in denen es überdurchschnittlich viele Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache gibt, die größten Aufgaben haben, ist naheliegend: „Probleme bei Volksschülern in Wien und Vorarlberg“. Eine indexbasierte Mittelzuteilung wäre hier beispielsweise ein erster Schritt – nach dem Motto „größere Herausforderungen, mehr Geld“!

Auch auf andere Aspekte („Risikogruppe schwache Leser: Zwei Drittel sind Burschen“) muss speziell eingegangen werden.

Derzeit aber gibt es nur wenig Licht im pädagogischen Tunnel: Die Verhandlungen zur Reform haben  – de facto – noch gar nicht richtig begonnen.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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