17. Februar 2016

Ergebnisse Zentralmatura: Standort- oder Schultypenproblem?

2016-02-17T12:51:12+01:0017.02.16, 11:54 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Zentralmatura3Die Zentralmatura hat uns in der Vergangenheit massiv beschäftigt („Zentralmatura: „dezentral“ korrigiert?“) und wird uns künftig noch beschäftigen.

In einer parlamentarischen Anfrage verlange ich von der Unterrichtsministerin Auskunft über die genauen Ergebnisse der Zentralmatura im Vorjahr. Die Ursachen für die teils gravierenden und unerwarteten Leistungsunterschiede zwischen Geschlechtern, Bundesländern und Schulformen müssen genau untersucht werden („Matura: Grüne wollen Auskunft über Ergebnisse“).

Die wichtigste Frage lautet, ob schlechte Leistungen ein Problem einzelner Schulstandorte sind, oder ob ganze Schulformen systematisch schlechtere Ergebnisse liefern. So sollen etwa vierjährigen Oberstufenrealgymnasien schlechter abgeschnitten haben als achtjährige AHS-Langformen. Die AHS ist eine bundesweit nach gleichen Lehrplänen arbeitende und mit vergleichbaren Ressourcen ausgestattete Schulform.

Sollten die Gründe standortbedingt sein, wie es zuletzt der Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Jürgen Horschinegg, dargelegt hat, müssen schulautonom Maßnahmen getroffen werden. Das könnten Weiterbildungen für Lehrkräfte, aber auch die Einrichtung von Übergangsstufen für neu eintretende Schüler sein. Allerdings können die Aussagen des Bifie-Direktors nicht überprüft werden, weil die entsprechenden Daten zwar vorhanden, aber nicht zugänglich sind.

In der Anfrage verlange ich daher unter anderem Auskunft über die genaue Verteilung der Ergebnisse auf den einzelnen Notenstufen in allen Fächern sowie die Resultate der Kompensationsprüfungen bei der Zentralmatura. Außerdem will ich die Ergebnisse der Vorwissenschaftlichen Arbeiten und der mündlichen Matura wissen sowie Erklärungen für das unterschiedliche Abschneiden von Burschen und Mädchen in Mathematik und Englisch.

16. Februar 2016

Flüchtlingskinder: Wie ein Problem groß geredet wird.

2016-02-16T10:49:30+01:0016.02.16, 10:44 |Kategorien: Bildung, Integration|Tags: , , |

neumann1

In Wien sind es laut Berichten 2.000 Flüchtlingskinder, die die Verantwortlichen zum Stöhnen bringen. Wien hat laut Schulstatistik Wien eine GesamtschülerInnenzahl von 220.000, davon mehr als 100.000 Pflicht-schülerInnen. Das heißt: Auf 50 PflichtschülerInnen kommt derzeit maximal ein Flüchtlingskind (wenn es denn im Pflichtschulalter ist). Unlösbar?
In Österreich haben wir insgesamt mehr als 1,1 Millionen SchülerInnen, davon sind fast 700.000 in Pflichtschulen. Derzeit wird von etwa 10.000 Flüchtlingskindern gesprochen, die in Schulen zu integrieren seien. Ich denke, es werden etwas mehr sein, aber egal, die Relation zwischen „regulären“ SchülerInnen und Flüchtlingskindern ist deutlich „günstiger“ als in Wien. Ein unlösbares Problem?
Gleichzeitig spricht die Statistik Austria von einem Rückgang von Volksschulkindern in den letzten Jahren: seit 2004/5 seien es 10% weniger. Der Rückgang setzt sich auch in der Sekundarstufe I fort.

In Wien wurden nun zehn Klassen mit Flüchtlingskindern eingerichtet. Das Argument: Die Kinder während des Schuljahrs in Regelklassen zu integrieren, mache eine Teilung von bestehenden Klassen notwendig.

hamburg_foermigAm 28. Jänner fand an der Uni Wien eine sehr gut besuchte Veranstaltung unter dem Titel „Isoliert. Integriert. Inkludiert. Oder: Wie gelingt der Quereinstieg ins Schulsystem?“ statt. Die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ursula Neumann präsentierte ein wissenschaftlich entwickeltes und begleitetes Konzept (FörMig), nach dem in Hamburg Kinder, die ohne Deutschkenntnisse ins Schulsystem einsteigen, seit Jahren erfolgreich gefördert und integriert werden. Neumann zeigte einmal mehr, dass keine Pauschallösungen möglich sind, sondern dass es differenzierte Wege braucht. Basis des Hamburger Konzepts ist übrigens eine sozialindexbasierte Mittelzuteilung an Schulen – eine Forderung, die ich schon seit Jahren stelle und die nun im Bildungsreformpapier der Regierung wieder nicht auftaucht.

In der anschließenden Diskussion ging es dann hoch her: Es wurde stark kritisiert, dass die Schulen mit ihren Integrationsaufgaben fast völlig allein gelassen werden und die Herausforderungen nur durch Privatengagement zu bewältigen seien. Und: Es weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Management by Chaos also.

Ich habe zum Thema „Sprachförderung für Flüchtlingskinder“ bereits Anfang September letzten Jahres, als absehbar war, dass wir handeln müssen, mit der Wiener DaZ-Professorin İnci Dirim eine Pressekonferenz gegeben. İnci Dirim hat dafür zwei Modelle vorgeschlagen, eines davon ist das Hamburger Modell für Sprachförderung, das auf Wien umlegbar wäre. Ursula Neumann hat dies in ihrem Vortrag präzisiert.

Was wir nämlich nicht haben – weder in Wien noch in den anderen Bundesländern –, ist ein Konzept dafür, wie Kinder (vom Kindergarten an) eine durchgängige Sprachbildung erhalten und wie Sprachförderung zu planen und zu gestalten ist. Die ÖVP will die Kinder verräumen, aber was dann konkret in den von ihr propagierten separierten Klassen passieren kann und soll, das scheint ihr egal zu sein. Die SPÖ wüsste theoretisch, wie es ginge, ihr fehlen jedoch Entschlossenheit, Umsetzungswille und die Finanzen, die von Schelling (und dem Rest der ÖVP) blockiert werden.

Integration kostet Geld. Das ist aber sehr gut investiert, wenn wir nicht hinterher teuer reparieren wollen, was vorher verpfuscht wurde. Wenn wir imstande sind, Milliarden ins Hypo-Grab zu schaufeln, um gleichzeitig nicht einmal einen Bruchteil dieses Geldes für kluge bildungspolitische Maßnahmen aufzutreiben, so ist das nicht nur lächerlich, sondern auch zynisch. Hier wird ein Problem großgeredet, das in seinen Dimensionen mit gutem Willen leicht zu bewältigen sein müsste. Aber mit markigen populistischen Ansagen lässt sich halt leichter Politik machen als mit konstruktiven ruhigen Maßnahmen. Es ist zum Verzweifeln!

3. Februar 2016

Zentralmatura: „dezentral“ korrigiert?

2016-02-03T16:44:26+01:0003.02.16, 14:15 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

ZentralmaturaMein Prinzip in meiner Zeit als Lehrer und Direktor einer Schule war immer, dass in Zweifelsfällen Lösungen zu Gunsten von Schülern und Schülerinnen gefunden werden mussten. In Zweifelsfällen! Wenn es aber stimmt, dass es im Zuge der Zentralmatura 2015 Manipulationen bei den Benotungen der Prüfungsleistungen gegeben hat, um die Endergebnisse zu schönen, dann halte ich das für völlig inakzeptabel. Im heutigen Standard äußert der Klagenfurter Mathematiker Werner Peschek sehr harte und schwerwiegende Vorwürfe: Peschek ortet „ein hohes Maß an Manipulation“, denn es sei zu „versteckten, nicht kontrollierbaren und konsequenzenlosen Absenkungen der Anforderungen durch unkorrekte Vorgehensweisen bei der Durchführung oder der Korrektur der schriftlichen Prüfungen und vor allem auch bei der mündlichen Kompensation gekommen, die zu keinen Verbesserungen führen“.

Die Zentralmatura bringt nun einiges zu Tage, was vorher stillschweigend unter den Teppich gekehrt wurde, dass wir nämlich ein Problem mit großen Qualitäts- und Leistungsunterschieden in den Schulen haben. Das wegzumanipulieren, indem Noten hinunterkorrigiert werden, widerspricht nicht nur dem Sinn und Zweck einer standardisierten Prüfung, sondern prolongiert das offensichtliche Problem.

Die Bildungsministerin wird nun einerseits aufklären müssen, ob Pescheks Vorwürfe gerechtfertigt sind, und falls ja, die Frage zu beantworten haben, ob es hierbei sogar Weisungen seitens des Ministeriums gegeben hat. Und ich fordere das Ministerium und die Bildungspolitik insgesamt dazu auf, sich endlich der Realität zu stellen und die Leistungsunterschiede vor allem in den Oberstufenrealgymnasien genauer anzusehen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört kurzfristig, den Schulen mehr Zeit geben, um den Unterricht den neuen Anforderungen der Zentralmatura anpassen zu können, was ich bereits vor einem Jahr gefordert habe.

Wirkliche Lösungen sind allerdings nur langfristig und mit einschneidenden Maßnahmen zu erzielen. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Letztlich sind die zu frühe Trennung der 10-bis 14-Jährigen und unser mehrgliedriges Schulwesen anachronistisch und leistungsfeindlich. Das Resultat sehen wir nicht zuletzt bei den Ergebnissen der Zentralmatura. Eventuelle „dezentrale“, nämlich individualisierte Korrekturen ändern an diesem Befund sicher nichts!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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