6. Juni 2015

Vienna International School: Geld findet Geld!

2015-06-06T09:29:53+02:0006.06.15, 9:22 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

KorruptionGeldschwemme in Zeiten der Budgetnot? Das gibt es. In Österreich. Und das auch noch im Bildungsbereich. Die Vienna International School (VIS) ist diesbezüglich ja schon mehrfach in die Schlagzeilen geraten (Vienna International School: alles Geld den Privilegierten?).
Jetzt ist die Regierung schon wieder bereit zu sachlich nicht begründbaren Förderungen und verstößt damit sehenden Auges

  1. einerseits gegen das EU-Vergaberecht, indem einseitig eine Privatschule ohne jede Ausschreibung Millionen zugeschanzt bekommt. Um ein drohendes Verfahren wegen Verletzung des EU-Beihilferechts (insbes. Artikel 107 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union) zu vermeiden, wurde der Umweg über die Auszahlung direkt an die UNO gewählt. Das ist ein trickreiches, aber eventuell legales Umgehen der Verordnung, wie der Innsbrucker Europarechtler Walter Obwexer (Geld vom Bund: UN-Schule profitiert von „Trick“) bestätigt. Allerdings: Die Republik übernimmt weiter die Miet-, Pacht- und Erhaltungskosten in der Höhe von mindestens 2,5 Mio €. Das ist – das bestätigt auch Obwexer – sicher nicht konform mit dem EU-Vergaberecht.
  2. Für ihre Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt die VIS seit 2014 mit „Ketchum-Publico“ eine renommierte sündteure PR-Agentur. Die vermutlich satten Honorare an die PR-Firma – immerhin wird der Vertrag mit der VIS im Jahresrückblick 2014 als einer der beiden größten Unternehmens-Erfolge gefeiert – werden somit indirekt aus Steuergeld bezahlt und bewirken damit eine weitere Bevorzugung der VIS. Vergleichbare internationale Schulen und vor allem auch alternative Privatschulen können nämlich kein (aus Steuermitteln bezahltes) PR-Unternehmen beschäftigen.

Das Morgenjournal hat heute ausführlich über die fortegesetze Geldschwemme für die VIS berichtet (Weiter Privilegien für International School).

Der Überlebenskampf der alternativen Privatschulen geht also weiter – die VIS erhält auch zukünftig mehr Geld vom Bund als alle (!) Montessori-, Waldorf- und anderen alternativen Privatschulen zusammen. Und auch die anderen internationalen Schulen sind ebenso wichtig wie für Wien und Österreich wie die VIS. Sie finden aber keine faire Bedingungen vor. Meine weiteren Kritikpunkte:

  • Förderung für viele, die keiner Förderung bedürfen: Nur 45 Prozent der SchülerInnen gehören zur intendierten Zielgruppe von Kindern der UN-Beschäftigten. Die anderen werden von der Republik „unfreiwillig“ mitgefördert, hätten aber keinen Anspruch auf staatliche Förderung. Der von der VIS geplante Ausbau der Klassen bringt eine weitere Wettbewerbsverzerrung zu Lasten anderer internationaler Schulen.
  • Auf Elternproteste wird nicht reagiert. Viele Eltern aus der Zielgruppe der UN-Beschäftigten sind nämlich trotz der staatlichen Zuschüsse an die VIS nicht in der Lage, die exorbitant hohen Schulgelder (schon bei der Anmeldung werden bis zu 29.000,- € fällig) zu bezahlen. Aus einem Protestschreiben von empörten Eltern aus UN-Organisationen habe ich bereits zitiert.
  • Die Republik fördert hier eine Schule, die extrem hohe Lehrergehälter bezahlt. Das Anfangsgehalt für Lehrende liegt bei gleicher Ausbildung mit 60.000.-€ bei mehr als dem Doppelten vom Gehalt  einer Lehrkraft an einer vergleichbaren öffentlichen Schule verdient, hinzu kommen schul- und standortbezogene Zulagen.
  • Die VIS bekommt Millionen, obwohl sie im Geld „schwimmt“ und versteckte Rücklagen hat. Laut Jahresbilanz gibt es „bescheidene“ ca. fünf Millionen € an Rücklagen. Auffallend dabei: Das Anlagevermögen wird abgeschrieben, gleichzeitig aber der gleiche Betrag zurückgelegt. Eine „doppelte Rücklage“ ist völlig unüblich! Das würde keine Firma tun.

Mit dieser einseitigen Förderung einer an sich schon privilegierten Schule muss Schluss sein. Dieses Geld wird an öffentlichen Schulen ebenso dringend gebraucht wie an den alternativen Privatschulen. Ich werde im Parlament diesbezüglich aktiv werden.

26. Mai 2015

Die Modellregion Gemeinsame Schule und die Folgen!

2015-05-26T13:27:59+02:0026.05.15, 11:44 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Gemeinsame Schule VorarlbergVorarlberg wird also mittelfristig die Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen einführen. Zur Klarstellung: Das Land wird nicht prüfen oder ausprobieren, sondern einführen!

Mein Dank geht an die ideologisch Beweglichen in der ÖVP, das sind vor allem Markus Wallner, Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner und dem Lehrergewerkschafter Paul Kimberger. Sie lehnen das bisherige verbissene Festhalten an der AHS-Langform ab.

Die Arbeit steht aber erst bevor, und es gibt viel zu tun! Die Politik ist jetzt gefordert und nicht nächstes oder übernächstes Jahr. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die ExpertInnen und Projektbeteiligten „leere Meter“ machen. Es darf kein Arbeiten im luftleeren, weil gesetzlich nicht definierten Raum geben.

Daher sollten wir Folgendes bedenken: Bevor der Weg beschritten wird, muss das Ziel klar und gesetzlich auch abgesichert sein. Ohne Klarheit darüber, was möglich ist und was nicht, kann kein Reformprozess beginnen. Dafür braucht es im Nationalrat eine 2/3-Mehrheit. Zu ändern sind vor allem folgende gesetzlichen Bestimmungen:

  1. Verfassungsrechtlich festgelegt ist nämlich ein differenziertes Schulsystem der 10- bis 14-Jährigen (Art. 14, Abs 6a B-VG)
  2. Aufnahmebedingungen in AHS-USt (§40 Abs 1 SchOG sowie § 5 SchUG)
  3. Die Frage der Schulerhalter (Bund, Gemeinden)
  4. Das LehrerInnen-Dienstrecht (Bund, Land)

Was wird zudem brauchen ist eine moderne Pädagogik für heterogene Gruppen als Schwerpunktsetzung bei Aus- und Fortbildung:

  • Differenzierung (offene Lehr- und Lernformen, entdeckendes Lernen, kooperative Lernformen, Freiarbeit, Wochenpläne, Stationenlernen …)
  • Kein Kind zurücklassen – weder Kinder mit Lernschwierigkeiten noch Hochbegabte: Individualisierung und Personalisierung
  • Neuordnung der LehrerInnen-Ausbildung unterschiedlich für „Sekundarstufe I“ und „II“

Eines muss gelten: Keine Husch-Pfusch-Aktion, keine Schnellschüsse, aber zügige Vorgangsweise (Gesamtschule: Grüne warnen vor „Husch-Pfusch“)!

Reinhold Mitterlehner hat im ORF Vorarlberg gemeint, die ÖVP sei in Bildungsfragen „offener, als wir das früher waren. Wir haben zwar im Parteiprogramm das Gymnasium noch erwähnt, sind aber auf der anderen Seite offen für neue Entwicklungen“. Der Lehrergewerkschafter Paul Kimberger wird heute im Kurier so zitiert: „Abseits jeder Sozialromantik – die Fakten sprechen gegen die derzeitige Form und für die gemeinsame Schule.“ Und der Wiener SPÖ-Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch: „Gehen wir’s jetzt gemeinsam an!“ Die Beispiele Anton-Krieger-Gasse oder die Lernwerkstatt Brigittenau sind ja durchaus Vorzeigeprojekte für ganz Österreich.

Noch nie standen die Chancen so gut, in Österreich eine echte, zukunftsweisende Bildungsreform anzustoßen. Guter Grund also, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

22. Mai 2015

Bildungsrevolution in Vorarlberg!

2015-05-22T12:08:31+02:0022.05.15, 10:44 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

Gruene-Schule1Heute ist eine bildungspolitische Bombe geplatzt. Eine unabhängige ExpertInnengruppe hat ihre Schlussfolgerungen aus der bislang umfassendsten Befragung von LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen zur Gemeinsamen Schule präsentiert (Schule 10 bis 14 Kurzfassung mit Empfehlungen).
Für das Bundesland Vorarlberg wird mittelfristig landesweit die Einrichtung einer gemeinsamen Schule von der 5. bis zur 8. Schulstufe auf Basis von Individualisierung bzw. Personalisierung und innerer Differenzierung empfohlen. Unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen sind Lehrpersonen, die bereit sind, pädagogische Konzepte umzusetzen, die alle Schüler/innen entsprechend ihren Fähigkeiten und Interessen gleichermaßen fördern und auch fordern. Noch vor der Einrichtung einer gemeinsamen Schule sind folgende Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu schaffen:
• Eine Pädagogik der Individualisierung und inneren Differenzierung
• Gemeinsame Ausbildung der Lehrpersonen
• Mehr Schulautonomie
• Zusätzliche Mittel und Personal für Schulen mit besonderen Herausforderungen
• Intensivierung der Elternzusammenarbeit
• Neudefinition der Schulsprengel
• Bedarfsgerechte Finanzierung der Schulen

Das zweijährige, umfassende und breit angelegte Forschungsprojekt „Schule der 10- bis 14-Jährigen“ hat ein deutliches Ergebnis erbracht: Das zweigliedrige System passt nicht mehr zur Schulrealität und soll daher Schritt für Schritt in eine gemeinsame Schule überführt werden. Damit kann im Endausbau die viel zu frühe Trennung der Kinder überwunden und mehr Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit erreicht werden. Das bedeutet eine Bildungsrevolution. Österreich muss Vorarlberg werden! Wir Grüne stehen im Nationalrat jedenfalls zur Verfügung, zumal es sich um eine Verfassungsänderung handelt und die Regierung zur Ermöglichung der Modellregion eine 2/3-Mehrheit braucht.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr…

Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


Zur Seite des Parlaments…

Downloads