19. Mai 2015

Vienna International School: alles Geld den Privilegierten?

2015-05-19T16:59:40+02:0019.05.15, 16:59 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

Bildung_Kind_ChancengerechtigkeitInzwischen habe ich sogar Beschwerdebriefe von MitarbeiterInnen internationaler Organisationen: Sie sind mit der einseitigen Förderung der Vienna International School (VIS) nicht mehr einverstanden.

Mein langjĂ€hriger Kampf um eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Geldmittel (Alternativschulen: schon wieder alles Geld den Reichen?) wird von der Regierung immer wieder umgegangen, zuletzt durch den heutigen Ministerratsbeschluss: „UNO-Schule: Bund beschließt Zuschuss“
Dieser Beschluss sieht ein völkerrechtliches Abkommen mit den internationalen Organisationen in Wien vor. De facto bedeutet das: Die vier UN-Organisationen erhalten kĂŒnftig jenes Geld, das bislang an VIS ging, und geben es dann an die VIS weiter. So weit so schlecht.
Dieses Vorgehen ist nicht nur ungerecht, sondern – das sehen auch Völkerrechtsexperten so – zudem eine Umgehung des EU-Rechts.

SelbstverstĂ€ndlich soll Österreich seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen. Dies kann aber auch durch die Vergabe eines Bildungsschecks fĂŒr die Kinder der in den internationalen Organisationen tĂ€tigen Eltern passieren, die damit die freie Schulwahl hĂ€tten. So wird jedoch das Monopol einer einzigen Schule fortgefĂŒhrt, was eindeutig gegen das EU-Beihilfenrecht verstĂ¶ĂŸt und auch schon zu erheblichem Missmut bei den betroffenen Eltern gefĂŒhrt hat.

Die Regierung vergibt nach GutdĂŒnken direkt und indirekt an eine einzige Privatschule Millionen, von denen auch jene Superreichen in Österreich profitieren, die in keinem Zusammenhang mit der UNO stehen. Gleichzeitig werden die Alternativschulen, die unser Schulsystem entscheidend mittragen und stĂŒtzen, ausgehungert.

Ich möchte hier aus dem Schreiben eines empörten Elterteils einer internationalen Organisation zitieren, aus dem die exorbitanten SchulgebĂŒhren an der VIS ab dem Schuljahr 2015/16 hervorgehen: „For example the costs of a child joining 6th Grade could go as high as € 29,000 of which the International Organizations would cover only € 13,680 (75% of the maximum admissible level of € 18,240 for Vienna). Even the continuing students would be well above the maximum admissible level (further detail in table below).“ 29.000 € bei der Einschreibung! Die jĂ€hrlichen Kosten liegen dann ĂŒbrigens bei exakt 21.274 €. Und diese Schule braucht dann auch noch Millionen Steuergeld? Nicht mit uns. Wir werden an dieser Sache hartnĂ€ckig dranbleiben!

12. Mai 2015

ÖVP-Klassenkampf ums Klassenzimmer

2015-05-12T11:49:13+02:0012.05.15, 11:48 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Neugebauer_raketaDie jungen Wilden in der ÖVP trauen sich was: Eher unbemerkt von der ParteifĂŒhrung schmuggeln sie in das neue Parteiprogramm eine Formulierung, die auf „die EinfĂŒhrung der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-JĂ€hrigen“ hinauslĂ€uft. Das war im Jahr 1975! Erst nach der Beschlussfassung gingen die Wogen parteiintern hoch, man einigte sich schließlich auf das Totschweigen des Themas. Das schilderte vor einiger Zeit jemand, der es wissen muss, weil er dabei war: Bernd Schilcher.
Heute und somit 40 Jahre spĂ€ter wird auf dem ÖVP-Parteitag der jahrzehntelange bildungspolitische Retrokurs der Schwarzen parteiprogrammatisch in Beton gegossen: Die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Schulform des achtjĂ€hrigen Gymnasiums wird zum Partei-Dogma erhoben.
Einerseits will sich die ÖVP als Partei der Reform darstellen – man denke etwa an den Auftritt Reinhold Mitterlehners auf dem Vorarlberger Landesparteitag in Sachen Schulreform: „Wir haben zwar im Parteiprogramm das Gymnasium noch erwĂ€hnt, sind aber auf der anderen Seite offen fĂŒr neue Entwicklungen.“ Andererseits blockiert sie jede kritische Auseinandersetzung mit dem Schulsystem. Verantwortlich dafĂŒr zeichnet vor allem StaatssekretĂ€r Harald Mahrer. Er hat mehrfach bekundet, er finde es „geradezu obszön“, wenn in Zeiten wie diesen ĂŒber Strukturen im Bildungssystem geredet werde. Es lohne sich nicht, â€žĂŒber Schulstrukturen, föderale ZustĂ€ndigkeiten oder KlassengrĂ¶ĂŸen zu streiten“.
Schade, dass Mahrer und seine Mitstreiter nicht ein wenig im Nationalen Bildungsbericht geblĂ€ttert haben, denn dort hĂ€tten sie Bemerkenswertes entdeckt: Kommt ein Kind mit schlechten Startbedingungen in eine Klasse mit einem hohen Anteil an benachteiligten Kindern, entstehen genau jene desaströsen Ergebnisse, die wir immer wieder beklagen. Umgekehrt gilt: In sozial gut durchmischten Schulen erzielen Kinder aus bildungsschwachen Familien viel bessere Ergebnisse als sozial vergleichbare Kinder an so genannten „Brennpunktschulen“. Wenn also das Gymnasium die Besten „absaugt“, verschĂ€rft man das Problem an den Haupt- und Neuen Mittelschulen. Wie – außer mit einer Strukturreform – kann man das beseitigen? Die LehrkrĂ€fte können es jedenfalls mit noch so viel Einsatz nicht lösen.
In puncto Chancengerechtigkeit sind, dem Nationalen Bildungsbericht zufolge, die Ergebnisse des heimischen Bildungssystems beschĂ€mend. Bildungsverlierer sind vor allem – aber nicht nur – Kinder mit migrantischem Hintergrund.
Das hĂ€ngt auch mit der Art der Auswahl der „Guten“ und „weniger Guten“ zusammen: Sie ist weder gerecht noch vom „Leistungsgedanken“ geprĂ€gt. Das Kriterium, das ĂŒber die Aufnahme von Kindern in die AHS-Unterstufe entscheidet, sind die Schulnoten. Und die sind nur sehr beschrĂ€nkt leistungsbezogen. Der österreichische Expertenbericht zur PIRLS-Studie gibt Auskunft: Die 20 Prozent der schlechtesten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit der Deutschnote „Sehr gut“ haben dieselbe (!) Testleistung erzielt wie die besten aus der Gruppe mit einem Nicht genĂŒgend. Noten sind also offensichtlich ungerecht, zudem haben sie nichts mit einer Bewertung von Lernfortschritten und erreichtem Wissen zu tun.
In den Volksschulen brauchen wir sie aber vor allem, um die Kinder schon mit zehn Jahren zu trennen. Kinder von Eltern aus bildungsnahen Schichten haben da massive Vorteile – Lehrerinnen und Lehrer der Volksschule geben gerne Auskunft ĂŒber den Druck, dem sie in der Notengebung ausgesetzt sind.
Darum geht es in Wirklichkeit: Der Kampf der ÖVP gegen eine grundlegende Schulreform ist lĂ€ngst ein Klassenkampf ums Klassenzimmer geworden. Die Ober- und Mittelschicht möchte unter sich bleiben, im Wohnviertel genauso wie in der Schule. Wenn das garantiert ist, stört auch die vielfach nachgewiesene mangelnde LeistungsfĂ€higkeit des gegenwĂ€rtigen Systems nicht.
Wer den Fortbestand des traditionellen achtjĂ€hrigen Gymnasiums als bĂŒrgerliche Errungenschaft des 19. Jahrhunderts und als Hort der humanistischen Allgemeinbildung verteidigt, hat nicht begriffen, dass sich unsere Gesellschaft radikal verĂ€ndert hat. Etwa ein Viertel von Österreichs SchĂŒlern und SchĂŒlerinnen hat Migrationshintergrund. Es war schon immer ein Problem, dass Kinder aus unteren sozialen Schichten ungeachtet ihrer tatsĂ€chlichen Potentiale vornehmlich in den Haupt- und Sonderschulen landeten. Das wird durch die Zuwanderung von Familien mit nichtdeutscher Umgangssprache sehr viel deutlicher, als es bislang der Fall war.
Übrigens: Wer waren denn die anderen „jungen Wilden“, die in der ÖVP 1975 die Gemeinsame Schule sogar programmatisch durchgesetzt haben? Bernd Schilcher nennt seine damaligen Mitstreiter: Neben dem bis heute ausgewiesenen Schulexperten Rupert Vierlinger waren es Wolfgang SchĂŒssel und Fritz Neugebauer.

Bild: raketa.at

7. Mai 2015

„Deutsch als Pausensprache“ und österreichischer Parlamentarismus

2015-05-08T08:45:51+02:0007.05.15, 13:25 |Kategorien: Bildung, Nationalrat|Tags: , , |

moedling_pausenspracheDie letzte Debatte mit den Freiheitlichen zum Thema Sprache ist noch nicht so lange her („Deutschstunde fĂŒr die FPÖ!“), schon beschĂ€ftigt uns ein neues, aber durchaus Ă€hnliches Thema.

Sie erinnern sich: Im MĂ€rz wurde bekannt, dass die Direktorin einer Schule in Mödling eine Ă€ußerst seltsame Order an ihre SchĂŒlerInnen ausgegeben hatte: „Auf Grund eines interkulturellen Konfliktes mit dem Reinigungspersonal wird darauf hingewiesen, dass im gesamten Schulhaus (auch in den Pausen) nur die Amtssprache Deutsch eingesetzt werden darf.“

Beim Wort „Deutsch“ reagiert die FPÖ – wir wissen es inzwischen! – wie der berĂŒhmte Pawlow’sche Hund: Sie beginnt zu hecheln. Diesmal in Form eines Antrages an den Nationalrat: „Die Bundesministerin fĂŒr Bildung und Frauen wird aufgefordert, die Verordnung betreffend Schulordnung fĂŒr Schulen, in denen die Unterrichtssprache Deutsch ist, dahingehend zu Ă€ndern, dass, unter BerĂŒcksichtigung der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingerĂ€umten Rechte, jeder SchĂŒler verpflichtet wird sich im Geltungsbereich der Verordnung, sofern es nicht zur Unterrichtsmethode gehört, sich ausschließlich in Deutsch zu verstĂ€ndigen.“

Einmal ganz abgesehen davon, dass der Antrag im typischen FPÖ-Deutsch abgefasst ist und grammatikalische Fehler aufweist, ist er aus rein fachlichen GrĂŒnden ganz einfach als Unsinn zu klassifizieren.

Der ĂŒbliche parlamentarische Weg, den fast alle AntrĂ€ge der Opposition nehmen, wĂ€re nun seitens eines Mitglieds der Regierungsfraktionen ein Antrag auf Vertagung. So ist es im zustĂ€ndigen Unterrichtsausschuss auch geschehen. WĂ€re dem zugestimmt worden, wĂ€re dieser FPÖ-Antrag auch nie wieder diskutiert worden, denn Vertagung bedeutet eine Verschiebung bis ans Ende der Legislaturperiode, womit alle vertagten GegenstĂ€nde im MistkĂŒbel der parlamentarischen Geschichte landen. Wird ein Antrag jedoch angenommen oder abgelehnt, kommt er in den Nationalrat und ist dort zu diskutieren.

Nun ist es mir als gelerntem HerzblutpĂ€dagogen ein großes Anliegen, mich mit der FPÖ weiter ĂŒber den Gebrauch der deutschen Sprache zu unterhalten. Daher habe ich im Unterrichtsausschuss angeregt, den Antrag abzulehnen und ihn somit zur Diskussion in den Nationalrat zu bringen. Die Überraschung: Beide Regierungsparteien teilten meine Meinung und zogen den Antrag auf Vertagung zurĂŒck. Der Antrag wurde dann abgelehnt und kommt somit Ende Mai ins Plenum. Und nun freue mich auf die nĂ€chste Nationalratssitzung, wo wir das Thema „Deutsch und die FPÖ“ weiter diskutieren können – stay tuned!

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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