13. Februar 2026

Der nÀchste blau-braune Einzelfall!

2026-02-12T15:30:24+01:0013.02.26, 8:11 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Der FPÖ-VizeprĂ€sident des Vorarlberger Landtags relativiert in einer vorbereiteten und vom Blatt gelesenen Rede den Holocaust durch seinen Vergleich mit den „Appenzeller Kriegen“ oder Vergewaltigungen durch „marokkanische Soldaten“. Solche Skandale kennen wir leider seit langem. Nachzulesen bei sogenannten „EinzelfallzĂ€hler“ auf der Plattform „Stoppt die Rechten“. Kinz ist kein Nazi, der Vorfall dennoch typisch fĂŒr die FPÖ.

Warum das eigentliche Problem aber die ÖVP ist, die zu allem schlicht und einfach schweigt, habe ich in einem Kommentar unter dem Titel „Hubert Kinz und die ÖVP“ thematisiert:

Auf die FPÖ kann man sich verlassen. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden relativieren ihre Spitzenleute die NS-Verbrechen und sorgen fĂŒr einen Skandal. Meist wird dann zurĂŒckgerudert, von „Einzelfall“, „MissverstĂ€ndnis“ oder einer „böswilligen Unterstellung“ gesprochen. In Wirklichkeit sei alles „ganz anders gemeint gewesen“. So auch letzte Woche, als mit FPÖ-LandtagsvizeprĂ€sident Hubert Kinz wieder einer aus der blauen Riege Unsagbares gesagt hat.

Was war passiert? Der GrĂŒne Abgeordnete Bernie Weber hatte einen Antrag zu einem Landesleitbild „Erinnerungskultur Vorarlberg“ im Zusammenhang mit dem NS-Gedenken eingebracht. Hubert Kinz war darauf vorbereitet, schrieb zuhause eine Rede und las sie vor. Die Empörung der gesamten Opposition war ihm gewiss. Zurecht!

Kinz hatte den in der Geschichte einzigartigen industriellen Massenmord der Nationalsozialisten relativiert. Man dĂŒrfe nicht „einzelne Ereignisse herauspicken“. Es habe auch die „Appenzeller Kriege“ gegeben und andere GrĂ€ueltaten wie Vergewaltigungen durch marokkanische Besatzungssoldaten.

Wer bei Vergewaltigungen im Krieg an Marokkaner denkt, sollte sich informieren: Vergewaltiger wurden von der französischen Besatzungsmacht meist umgehend standrechtlich erschossen – auch in Vorarlberg. Und die „saubere Wehrmacht“? Die dokumentierte 5349 FĂ€lle – meist an der Westfront. An der Ostfront war sexuelle Gewalt Teil des rassistisch motivierten Vernichtungskrieges. Laut Erlass vom 13. Mai 1941 wurden Straftaten deutscher Soldaten offiziell dem „Verfolgungszwang“ entzogen, was – so die neuere Forschung – „sexuelle Gewaltexzesse“ zur Folge hatte.

Über diese Fakten sowie das Morden in den NS-Vernichtungslagern schwieg man nach 1945 lieber. Wer das nicht getan hat, wurde nicht selten als „Nestbeschmutzer“ diffamiert. In der von hochrangigen ehemaligen Nationalsozialisten und SS-MĂ€nnern gegrĂŒndeten FPÖ gilt diese Haltung offenkundig bis heute. Das FĂŒhrungspersonal wurde in den braun-modrigen Kellern der Burschenschaften sozialisiert. Dort besang (und besingt?) man schon mal den Massenmord an sechs Millionen Juden: „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

Und wie geht die ÖVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem „Juden-Sager“ des damaligen FPÖ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz „nichts aufgefallen“. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: „Herr Kinz, treten Sie zurĂŒck!“

11. Dezember 2025

„Aula“-Urteil mit positiven Nebenaspekten!

2025-12-11T11:43:18+01:0011.12.25, 11:43 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Der Prozess gegen die FPÖ-nahe rechtsextreme „Aula“ hat auch fĂŒr mich persönlich ein erfreuliches Ergebnis gezeitigt: Dieser diffamierende zweiseitige Artikel wurde ebenfalls verurteilt.
Eine genauere Analyse der Auswirkungen des Urteils findet sich auf der Plattform Stoppt die Rechten: Urteil im Aula-Prozess: Ein historischer Befund und was er bedeutet

18. September 2025

Im Namen Gottes, des AllmÀchtigen?

2025-09-18T15:55:19+02:0018.09.25, 15:52 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , , , |

Die politische Rechte und Ultrakonservative haben inzwischen nicht nur die Lufthoheit ĂŒber die vielgeschmĂ€hten Stammtische errungen, sondern sind drauf und dran, auch die ernsthaften gesellschaftlichen Diskurse zu dominieren. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Im Namen Gottes?“:

Der ermordete ultrarechte Aktivist Charlie Kirk wird in den USA derzeit von den Trump-Fans fast wie ein Heiliger verehrt. Die Instrumentalisierung von Religion fĂŒr seine haarstrĂ€ubenden Thesen wird akzeptiert. In der Diskussion ĂŒber HomosexualitĂ€t zitierte Kirk schon mal „Gottes perfektes Gesetz“ und das Alte Testament, wo als Strafe die Steinigung vorgesehen ist. Die im BĂŒrgerrechtsgesetz verankerte Gleichberechtigung von Schwarzen nannte er einen „Fehler“, den von Polizisten ermordeten George Floyd einen „Drecksack“.

Missbrauch der Religion fĂŒr politische Ziele ist kein neues PhĂ€nomen. „Gott mit uns“ stand auf den GĂŒrtelschnallen der Wehrmacht bei ihrem verbrecherischen Angriffskrieg und der Beihilfe zum Holocaust. „Gott will es“ lautete der Schlachtruf der christlichen Kreuzfahrer bei ihren Massakern an der muslimischen Bevölkerung. Auch die brutalen EroberungsfeldzĂŒge der muslimischen Machthaber bis vor die Tore Wiens wurden mit Berufung auf Gott gerechtfertigt. Und heute rechtfertigen fanatisierte Moslems ihre GrĂ€ueltaten mit dem angeblichen Willen Gottes.

Österreich spielt fĂŒr die politischen Instrumentalisierung von Religion eine zunehmend wichtige Rolle. Stichwortgeber der US-Rechten und vor allem fĂŒr VizeprĂ€sident J. D. Vance ist mit Edmund Waldstein ein Pater aus dem Stift Heiligenkreuz. Der US-Theologe H. David Bear schrieb ĂŒber die einflussreiche Gruppe rund um Vance, sie strebe einen „klerikalen Faschismus“ an, „so wie man es in Österreich unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg tat“.

Ob es da ein Zufall ist, dass der der Vorarlberger Cartellverband letztes Wochenende nicht nur sich selbst, sondern auch seinen MitbegrĂŒnder Otto Ender feierte? War allen bewusst, dass der Landeshauptmann und Bundeskanzler Anfang der Dreißigerjahre Chef-Ideologe des Austrofaschismus wurde?

Folgerichtig konnte dieser dem Nationalsozialismus „positive Seiten“ abgewinnen: „Eine nationale Erhebung geht durch Deutschland und alles erkennt ihren Wert.“ Der Sozialwissenschaftler Kurt Greussing hat schon vor Jahren in der Zeitschrift „Montfort“ in gebotener Deutlichkeit auf dessen fatale Rolle hingewiesen.

Ender hatte weder fĂŒr Demokratie noch Föderalismus etwas ĂŒbrig: „Entweder haben wir eine autoritĂ€re Regierung oder wir haben den Parlamentarismus und das Parteiensystem. Das will das Volk aber nicht. Also muß das Volk daraus die Konsequenz ziehen und dem autoritĂ€ren FĂŒhrer gehorchen, nichts gegen den FĂŒhrer unternehmen, sondern mit ihm und fĂŒr ihn fĂŒr unser Volk und Vaterland arbeiten.“

Otto Ender war denn auch Hauptverantwortlicher fĂŒr die austrofaschistische Verfassung vom 1. Mai 1934. Sie beginnt bezeichnenderweise mit der Berufung auf Gott: „Im Namen Gottes, des AllmĂ€chtigen.“ Greussing wĂ€re bei der Ender-Weihestunde des Cartellverbands wohl der ideale Referent gewesen, um eine Diskussion ĂŒber den politischen Missbrauch von Religion zu fĂŒhren.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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