1. April 2014

PISA-Test: Was reitet Josef Christian Aigner?

2014-04-01T14:15:00+02:0001.04.14, 14:15 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Was bitte reitet Josef Christian Aigner, wenn er einen Fernsehbericht über das südkoreanische Schulsystem zu einer Generalabrechnung mit dem PISA-Test nützt (Pisa: Legitimation für Gewalt an Kindern?)? PISA ist ein Testformat und kein Bildungssystem und kann somit weder für das Schulsystem in Korea noch für jenes in Österreich verantwortlich gemacht werden. Oder ist der Taschenrechner, der uns Auskunft über die Hypo-Defizite gibt, verantwortlich für die daraus folgende Belastung für die Steuerzahler? Ist die Uhr verantwortlich, wenn man sich verspätet?

Man kann die PISA-Testungen natürlich kritisieren. Und man soll es tun. So ist es ein Problem, dass es in den verschiedenen Ländern eine sehr unterschiedliche Vertrautheit mit den Aufgabenformaten gibt, dass die USA die Mindest-Schulteilnahmequote von 65 Prozent ungestraft unterschreitet oder in denn verschiedenen Ländern lernbehinderte Jugendliche nach sehr unterschiedlichen Kriterien ausgeschlossen werden.

PISA sagt zudem nicht aus, wie „gut“ unsere Schulen sind. Es sagt nur aus, in welchem Ausmaß unsere Jugendlichen in den Grundfertigkeiten sind, wie gut sie lesen, schreiben und rechnen können, welche Kompetenzen sie im naturwissenschaftlichen Bereich haben. Über die soziale Kompetenz unserer Jugendlichen sagt PISA nichts aus. Es gibt aber auch nicht vor, das zu tun.

Die größte Leistung von PISA war und ist, dass ein Problembewusstsein entstanden ist, dass allgemein anerkannt ist, dass sich in unserem Schulsystem Grundlegendes ändern muss. Wer einmal mit Lehrlingsausbildnern gesprochen hat, weiß, dass die schlechten österreichischen Ergebnisse leider sehr genau die Realität abbilden.

Wir wissen nicht nur wegen, aber eben auch dank PISA, dass unser Bildungssystem Kinder aus „bildungsfernen“ Schichten stärker als in vergleichbaren Ländern benachteiligt. Klar ist ebenso, dass unser System auch besonders begabte Kinder weder ausreichend fördert noch fordert. Und wir wissen, dass die viel zu frühe Trennung von Kindern mit neuneinhalb Jahren sachlich nicht zu rechtfertigen ist.

Über all diese Punkte kann auf Basis der PISA-Daten diskutiert werden – und es wird darüber diskutiert. Das Problem: Den politisch Verantwortlichen passen diese Diskussionen aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Und die Konservativen sind sowieso davon überzeugt, dass früher alles besser war und wir nur das Rad der Zeit zurückdrehen müssen. Aber was reitet den von mir ansonsten sehr geschätzten Josef Christian Aigner?

Dass er sich zur haarsträubenden These hinreißen lässt, die PISA-Testungen seien eine „Legitimation für Gewalt an Kindern“ ist verstörend. PISA testet Jugendliche, gibt kein Schulsystem vor und legitimiert auch keines. Ich kenne zudem niemanden in Österreich, der aufgrund positiver Testergebnisse in Südkorea bei uns das dortige Schulsystem einführen möchte. Ich kenne aber sehr viele, die positive Testergebnisse in den skandinavischen Ländern, in Südtirol oder in Polen zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, was an diesen – sehr unterschiedlichen – Schulsystemen für Österreich interessant wäre und was man allenfalls übernehmen könnte.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger ermöglicht uns PISA.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

23. März 2014

Privatschulen: alles Geld den Reichen?

2014-03-23T14:38:00+01:0023.03.14, 14:38 |Kategorien: Bildung|Tags: |

In Österreich erhält eine einzige nicht-konfessionelle Privatschule, die Vienna International School (VIS), mehr staatliche Förderung als alle (!) Montessori-, Waldorf- und Netzwerkschulen zusammen. Dieses Missverhältnis habe ich in zwei Anfragen thematisiert. Hier die Anfrage an den Wirtschaftsminister, der den Vertrag gerade aktuell neu zu verhandeln hat, und hier die Anfrage an die Bildungsministerin, die anschließend das Geld bereitzustellen hat.

Und was wollen wir Grüne? Wir wollen mehr Geld für nicht-konfessionelle Privatschulen und ein Ende der ungleichen Behandlung. Heute hat auch der ORF darüber berichtet, hier zum Nachsehen der Beitrag in der Sendung Hohes Haus.

Damit man mich richtig versteht: Es geht nicht darum, Kindern von DiplomatInnen, betuchten ausländischen, aber auch zunehmend inländischen Geschäftsleuten etc. eine sicher hervorragende Ausbildungsstätte zu nehmen. Es geht darum, mehr Gerechtigkeit in das Fördersystem zu bringen. Denn es gibt einerseits neben der VIS zumindest zwei Schulen mit einem vergleichbaren Angebot für Kinder und Jugendliche aus gehobenen Schichten und es gibt andererseits eben die vielen nicht-konfessionellen (und oft sehr innovativen) Privatschulen, die derzeit ausgehungert werden. Immerhin finanziert die Republik mit der VIS eine Schule mit insgesamt 7,5 Millionen €, die Lehrerinnen die doppelten Anfangsgehälter zahlen kann als sonst in Österreich üblich und die inzwischen Millionen € an Reserven aufgebaut hat.

Mir geht es generell natürlich vordringlich um die Verbesserung des staatlichen Schulsystems, aber dort wo Privatschulen innovative pädagogische Konzepte verwirklichen, gehören sie unterstützt.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

18. März 2014

„Dringliche Anfrage“ zum BIFIE im Parlament!

2014-03-18T10:10:00+01:0018.03.14, 10:10 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

Die seltsam anmutende Vorgangsweise von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Zusammenhang mit der angeblichen „Datenleck“ beim BIFIE werden wir heute im Parlament im Rahmen einer „Dringliche Anfrage“ im Parlament thematisieren – mitzuverfolgen live auf ORF3 von 13:00 bis knapp vor 16:00 Uhr. Der Hauptgrund: Österreich wäre das erste Land, das aus den PISA-Testungen ausscheidet. Der Schaden im internationalen Ansehen für das österreichische Bildungssystem wäre enorm.

Und es gibt sehr widersprüchliche Meldungen: Die OECD-Direktorin für Bildungswesen und Chefin der weltweiten PISA-Testungen, Barbara Ischinger, wird am 14.3.2014 in der Tageszeitung „Kurier“ wie folgt zitiert: „Wir stehen in Kontakt mit Wien. Und gehen davon aus, dass man alle Probleme, die es derzeit gibt, rechtzeitig beheben kann, damit der PISA-Test 2015 auch in Österreich durchgeführt werden kann.“ Wenn das stimmt, stimmen die Aussagen der Ministerin nicht.

Wir haben daher viele Fragen an die Ministerin, insgesamt sind es über 50: < file name="Parlamentarische-Anfrage-BIFIE" >

Wir wollen unter anderem wissen,

• auf welcher rechtlichen Grundlage die Ministerin die Testungen gestoppt hat – das BIFIE-Gesetz erlaubt nämlich keine ministeriellen Weisungen,

• warum die Ministerin das Angebot der oberösterreichischen Bildungslandesrätin Doris Hummer ausschlägt, die PISA-Testungen auf eigene Kosten durchzuführen, zumal die OECD hierfür bereits Unterstützung zugesagt hat, falls die Bundesregierung damit einverstanden wäre,

• warum man jetzt gut funktionierende Strukturen im BIFIE zerschlagen will, zumal man das Institut braucht und die Strukturen in einigen Jahren um wesentlich teureres Geld wieder aufbauen müsste,

• warum die Ministerin das Angebot der Universität Salzburg, die für PISA notwendigen kleineren Feldstudien für das BIFIE zu übernehmen, ausgeschlagen hat.

Es wird eine spannende Sitzung, in der wir hoffentlich mehr Klarheit über die Hintergründe der seltsam anmutenden Vorgangsweise der Ministerin erhalten.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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