Es braucht Steuergerechtigkeit!
Der Ruf nach mehr Steuergerechtigkeit verhallt in unserem Land leider ungehört. Zuletzt hat sich diesbezĂŒglich der Chefökonom der Arbeiterkammer zu Wort gemeldet, was umgehend zu einer brĂŒsken Ablehnung durch den Vorarlberger Landeshauptmann gefĂŒhrt hat. Dessen Budget ist zwar völlig aus den Fugen geraten, saniert werden soll das schwarz-blaue Budget-Desaster aber durch massive KĂŒrzungen bei Menschen mit Behinderung, sozial Schwachen usw. und nicht durch einen gerechten Beitrag der Privilegierten. Unter dem Titel âSteuerungerechtigkeit!â habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:
Matthias Schnetzer, aus Vorarlberg stammender Chefökonom der Arbeiterkammer, hat im VN-Interview einen Vorschlag zu mehr Steuergerechtigkeit gemacht: eine moderate Erbschaftssteuer fĂŒr Reiche und Supereiche. Reflexartig wurde das von Landeshauptmann Markus Wallner abgelehnt: Das Budget gehöre âausgabenseitig konsolidiertâ. Will Wallner Einsparungen im Gesundheitsbereich? Im Sozialbereich? Bei den Schulen? Dem MilitĂ€r? Bei den Förderungen fĂŒr die Landwirtschaft? Konkret wird er leider nicht, warnt aber vor zusĂ€tzlichen Belastungen.
Weder Ăkonominnen und Ăkonomen noch die politischen Mitbewerber fordern, mit dieser Steuer den Mittelstand zu belasten. Das Einfamilienhaus soll steuerfrei vererbt werden können. Die PlĂ€ne fĂŒr eine moderate Erbschaftssteuer sehen zudem hohe FreibetrĂ€ge fĂŒr Private vor und sichern auch die Ăbergabe von Unternehmen innerhalb einer Familie. Es ist purer Populismus, wenn Wallner diese VorschlĂ€ge mit dem Stammtisch-Argument abtut, er âtraueâ den âhohen FreibetrĂ€genâ nicht.
Die von Schnetzer aus wissenschaftlicher Sicht gut untermauerte Ungerechtigkeit einer fehlenden Erbschaftssteuer hat vor gut zwei Jahren der ebenfalls aus Vorarlberg stammende ORF-Journalist Hanno Settele in seiner Doku âReich ohne Leistungâ anhand vieler Beispiele belegt. Konservative sprechen gern von den âLeistungstrĂ€gernâ, meinen damit aber selten Menschen, die sich in KrankenhĂ€usern, Altenheimen, Schulen oder KindergĂ€rten abrackern. Reich wird man heute nĂ€mlich nicht durch Arbeit, sondern meist durch groĂe Erbschaften.
Erben ist ein leistungsfreier Vermögenszuwachs, eine âLeistungâ des Erben oder der Erbin ist nicht zu erkennen. Die ĂVP argumentiert, bei Erbschaften handle es sich um bereits versteuertes Vermögen. Versteuert wurde auch das Geld, das man auf das Sparbuch einzahlt. Dort greift der Staat ĂŒber die Kapitalertragssteuer aber sehr wohl auch auf den Vermögenszuwachs zu.
Die Nichtbesteuerung riesiger Erbschaften hat neben dem sozialen Aspekt auch problematische politische Auswirkungen. Der Einfluss reicher Eliten auf die Regierungen ist ĂŒberall deutlich am Wachsen. In den USA förderten Superreiche wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Mark Zuckerberg Donald Trump massiv, ihre âRenditeâ jetzt sind weitgehende Steuergeschenke aus staatlichen Mitteln. Dieses Geld fehlt dem Staat. Die Folgen: Massive Einsparungen im Sozialbereich, im Gesundheitswesen, bei der Bildung, bei der Lebensmittelhilfe fĂŒr die Ărmsten usw.
Steuerungerechtigkeit und das Auseinanderdriften von Arm und Reich zerstören auf Dauer die Demokratie. Daran sollten die Verantwortlichen auch bei uns denken. Das reflexhafte Ablehnen einer dringend notwendigen Erbschaftssteuer ist daher unverantwortlich. Vielleicht könnten ja Wallners Parteikollegen aus der Arbeiterkammer dem Landeshauptmann ins Gewissen reden!

Greift der amerikanische PrĂ€sident wirklich der âFreiheitâ, ja der Demokratie in den Schritt, wie das einst Lennart GĂ€bel in einer Karikatur genial auf den Punkt gebracht hat? GerĂ€t die Welt völlig aus den Fugen? Es ist nicht allein Trump, auch sonst mehren sich die Zeichen, dass unser politisches System zunehmend in groĂe Turbulenzen gerĂ€t. Das angeblich âfreie Spiel der KrĂ€fteâ in der Wirtschaft ist schon lĂ€ngst ein Spiel unvorstellbar reicher und mĂ€chtiger Oligarchen. In den Vorarlberger Nachrichten habe ich dazu unter dem Titel einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen: