10. April 2026

Trump, sein Iran-Desaster und die Folgen

2026-04-09T11:37:31+02:0010.04.26, 8:20 |Kategorien: Klima und Umwelt|Tags: , , , , |

Vor einigen Jahren hat in den USA eine Umfrage ergeben, dass die hĂ€ufigste Bezeichnung der WĂ€hler:innen fĂŒr Donald Trump schlicht auf „Idiot“ lautet. Allerdings hat ihn dennoch eine Mehrheit gewĂ€hlt. Die ganze Welt leidet seither darunter, wie zuletzt der noch immer brandgefĂ€hrliche Krieg im Nahen Osten zeigt. Was bedeutet das fĂŒr uns in Europa? Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Lehre aus dem Irankrieg“:

Das Ärgste scheint angesichts der verkĂŒndeten Waffenruhe im Nahost-Krieg zumindest vorlĂ€ufig abgewendet. Aber beim irrlichternden Mann im Weißen Haus darf man sich leider nie sicher fĂŒhlen.

Europa tut jedenfalls gut daran, rasch und konsequent die Lehren aus den Krisen der letzten Monate zu ziehen. Und die wichtigste lautet: Die USA sind kein verlĂ€sslicher Partner mehr. Die Politik Donald Trumps gefĂ€hrdet die StabilitĂ€t auf unserem Planeten in vielerlei Hinsicht. Davon kann sich Österreich nicht völlig abkoppeln, aber es kann wie ganz Europa die Auswirkungen eindĂ€mmen.

Neben der Sicherheitspolitik mĂŒssen wir vor allem in unserer Energie- und Verkehrspolitik Konsequenzen aus dieser Entwicklung ziehen und die AbhĂ€ngigkeit von fossilen EnergietrĂ€gern reduzieren. Ein „Weiter-so-wie-bisher“ wĂ€re schlicht verantwortungslos. Das sollten vor allem jene zur Kenntnis nehmen, die noch vor kurzem vom „Autoland Österreich“ faselten, gegen WindrĂ€der wetterten, in immer mehr Straßen die Zukunft sehen, weiterhin MilliardenbetrĂ€ge fĂŒr klimaschĂ€dliches Verhalten ausschĂŒtten und gleichzeitig das Klimaticket massiv teurer machen.

Funktionierende Beispiele dafĂŒr, wie das gehen kann, gibt es viele. Die spanische Stadt Pontevedra ist seit ĂŒber einem Vierteljahrhundert autofrei. Nur die Warenanlieferung und der öffentliche Nahverkehr dĂŒrfen – langsam – in die Innenstadt einfahren. Die Folge: Belebung des Stadtzentrums und ein massiver Wirtschaftsaufschwung. Inzwischen ahmen viele StĂ€dte dieses Modell nach.

In den Niederlanden und Belgien wird der Autoverkehr in vielen Kommunen – von Groningen ausgehend – zunehmend aus den StĂ€dten verbannt. Allein im belgischen Gent nahm daraufhin der Radverkehr um 50 Prozent zu.

WĂ€hrend Wien zuletzt in weiteren Straßen sein Heil zu finden glaubt und noch mehr Verkehr Richtung Innenstadt lenkt, beschreitet Paris seit Jahren einen anderen Weg. Die sozialistische BĂŒrgermeisterin Anne Hidalgo hat eine grĂŒne Verkehrswende eingeleitet. Inzwischen sind 220 Straßen autofrei, 10.000 ParkplĂ€tze zu GrĂŒnflĂ€chen umgewidmet, Radwege wurden massiv ausgebaut usw. Die Wahlen zuletzt haben gezeigt: Die Bevölkerung unterstĂŒtzt diese Maßnahmen. Paris wurde lebenswerter, Hidalgos Nachfolger will diese Entwicklung fortsetzen.

Eine Lehre aus dem Irankrieg lautet: Wir tun gut daran, diesen positiven Beispielen endlich zu folgen. Statt neuer Straßen und teuren Tunnels den Öffi-Verkehr und das Fahrrad fördern, statt fossiler EnergietrĂ€ger die Erneuerbaren wie Photovoltaik und WindrĂ€der ausbauen. Derzeit allerdings beschreiten wir weiterhin die alten energie- und verkehrspolitischen Trampelpfade und zementieren die AbhĂ€ngigkeit von fossiler Energie. Man sollte jetzt handeln und alternative Wege beschreiten, denn der nĂ€chste Ölpreis-Schock ist vorprogrammiert.

27. MĂ€rz 2026

Benzinpreis und kein Ende?

2026-03-26T12:23:27+01:0027.03.26, 9:02 |Kategorien: Allgemein, Klima und Umwelt|Tags: , |

Die Preise fĂŒr Benzin und Diesel gehen momentan durch die Decke. Es scheint aber nicht so zu sein, dass die politisch Verantwortlichen im In- und Ausland die richtigen SchlĂŒsse daraus ziehen. Unter dem Titel „Heilsamer Ölpreisschock?“ dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten:

Der Ölpreisschock macht Europas AbhĂ€ngigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Russland und den arabischen Staaten wieder ĂŒberdeutlich. Nicht besser schaut es bei Atomkraftwerken aus. Mit Kasachstan deckt derzeit ein unsicherer Kantonist einen Großteil des weltweiten Bedarfs.

Der deutsche Bundeskanzler hat einst die richtigen SchlĂŒsse gezogen und eine Energiewende gefordert: Europa mĂŒsse unabhĂ€ngig von fossilen EnergietrĂ€gern werden, neue Technologien entwickeln, den Ausstieg aus der Atomkraft vorantreiben, auf E-Autos, Sonnenenergie und andere Erneuerbare setzen.

Der Bundeskanzler hieß Helmut Schmidt. Das war seine Reaktion auf den Ölpreisschock in den Siebzigerjahren, woran jĂŒngst die SĂŒddeutsche Zeitung erinnerte. Schmidt hat es leider bei der AnkĂŒndigung belassen, die Atom-, Öl- und Gas-Lobby war zu einflussreich. Seither zahlt Europa Jahr fĂŒr Jahr dreistellige MilliardenbetrĂ€ge fĂŒr fossile Energie.

Heute erleben wir eine Ă€hnliche Preisexplosion wie damals. Die meisten derzeit prĂ€sentierten Rezepte zur KrisenbewĂ€ltigung fĂŒhren uns aber nicht aus der Krise, sondern immer tiefer in die energiepolitische Sackgasse.

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen bezeichnete allen Ernstes den Ausstieg aus der „gĂŒnstigen“ Kernkraft als „strategischen Fehler“. Ganz unter dem Eindruck der Atomlobby schwĂ€rmt sie vom Einsatz „kleiner Reaktoren“, vergisst aber dazuzusagen, dass es die noch gar nicht gibt.

Zudem gehört der Atomstrom in Wirklichkeit zu den teuersten Energieformen, wenn man die Milliardensubventionen und alle im Endkundenpreis meist nicht abgebildeten Kosten berĂŒcksichtigt: RĂŒckbau, Zwischenlagerung des AtommĂŒlls, nach wie vor fehlende Endlager, unbezahlbare Risikoversicherung usw. ErdwĂ€rme, Wind- und Solarenergie sind dagegen im Betrieb ungefĂ€hrlich, brauchen im Vergleich zu AKWs keine langen Planungszeiten, verringern die AbhĂ€ngigkeiten vom Ausland und schĂŒtzen das Klima.

WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr hat in der ZiB2 bezogen auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine Ă€hnlich argumentiert wie Helmut Schmidt: „2022 hĂ€tten wir vor allem eines tun sollen, nĂ€mlich mit viel mehr Tempo in die Erneuerbaren gehen, mit viel mehr Tempo die ElektromobilitĂ€t anschieben. Wenn wir, wie Norwegen, 33 Prozent des Autoparks elektrisch hĂ€tten, ja, dann könnten viel mehr Österreicherinnen und Österreicher entspannt auf die Entwicklung bei den ZapfsĂ€ulen schauen.“

Zudem drĂ€ngt sich ein Rezept des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky geradezu auf: Tempo 100 auf Autobahnen. Das deutsche Umweltbundesamt hat errechnet, dass das den Spritverbrauch um 23 Prozent reduzieren wĂŒrde. Es kostet nichts, bringt mehr Sicherheit, verbessert die Klimabilanz, spart dem Staat und den Autofahrern viel Geld.

13. November 2025

Mitleid mit Harald Mahrer?

2025-11-13T16:33:10+01:0013.11.25, 16:13 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft, Klima und Umwelt|Tags: , , , |

Kurz vor einem StreitgesprĂ€ch mit Harald Mahrer fĂŒr die Salzburger Nachrichten – geleitet von Alexander Purger (Mitte).

Das kann man wohl ausschließen. Aber die Causa Mahrer ist nicht das Problem, sondern eher ein Symptom fĂŒr ein Problem. Aus eigener Erfahrung: Einen nach zwei Jahren intensiver Verhandlungen zur Bildungsreform ausgehandelten Kompromiss zwischen SPÖ, ÖVP und uns torpedierte Mahrer als damaliger Wissenschaftsminister in letzter Minute – als verlĂ€ngerter Arm von Sebastian Kurz – unmittelbar vor der Pressekonferenz (hier zum Nachlesen, zum weiteren Verlauf der Verhandlungen in der Suchmaske „Harald Mahrer“ eingeben).

Das jetzige Desaster ist ein Symptom fĂŒr fehlende Wirtschaftskompetenz in der ÖVP und mangelnde moralische Standards. Dazu mein Kommentar unter dem Titel „Politik im Blindflug“ in den Vorarlberger Nachrichten:

Wenn Wirtschaftsmanager wie der ehemalige PrĂ€sident der Industriellenvereinigung der Landesregierung mangelnde Wirtschaftskompetenz attestieren und „Vorarlbergs Finanzpolitik im Blindflug“ sehen, sollten die Alarmglocken schrillen. Lange galten wir in Sachen BudgetstabilitĂ€t als Vorzeigebundesland. Heute mĂŒssen Wallner, Bitschi & Co externe Beratung kaufen, um das Budget – hoffentlich – wieder in den Griff zu bekommen.

Unbeholfenheit und Ratlosigkeit gibt es auch auf Bundesebene. Die skurrilen Auftritte des gestern zurĂŒckgetretenen Wirtschaftskammer-PrĂ€sidenten Harald Mahrer zum Privilegien-Stadl im eigenen Haus und seine rhetorischen Taschenspieler-Tricks sind noch die harmlosesten Beispiele. Unnötig zu erklĂ€ren, dass die um sechs Monate verschobene Lohnerhöhung fĂŒr Kammerbedienstete keine „Halbierung“ ist.

Unnötig auch zu erklĂ€ren, dass die gigantischen RĂŒcklagen der Wirtschaftskammer von ĂŒber zwei Milliarden Euro derzeit als Konjunktur-Turbo dringend in die Wirtschaft gepumpt werden sollten, um jenen Betrieben zu helfen, die diese gewaltige Summe mit ihren ZwangsbeitrĂ€gen zustande gebracht haben.

Belastend sind auch die steigenden Defizite auf nahezu allen Ebenen des Staates. Neue Zahlen aus den BundeslĂ€ndern lassen den angeblichen „StabilitĂ€tspakt“ als recht unverbindliches Gebilde erscheinen. Das gesamtstaatliche Defizit soll nicht wie geplant bei den an sich schon horrenden 4,5 Prozent liegen, sondern plötzlich bei 4,9 Prozent. Genaue Daten aus den BundeslĂ€ndern gibt es aber noch immer nicht.

Wie reagieren die Verantwortlichen? „Wir mĂŒssen sparen!“ Das klingt gut, die Frage ist nur: Wo wird gespart? In Vorarlberg sind die SchwĂ€chsten der Gesellschaft von den KĂŒrzungen betroffen – Kinder mit BeeintrĂ€chtigungen, Kranke, Menschen in Notlagen usw. Auf Bundesebene wird vor allem dort gespart, wo Ökonomen große Chancen fĂŒr ein Wirtschaftswachstum sehen – in der Klimapolitik.

Da ist es fast schon verstĂ€ndlich, dass sich weder Politik noch Wirtschaftskammer oder Industriellenvereinigung in eine Diskussion zum Thema in die „ZiB 2“ getraut haben. Dort machte die mehrfach ausgezeichnete Klimaökonomin Sigrid Stagl deutlich, warum der zuletzt so erfolgreiche Weg zum Klimaschutz nicht gestoppt werden dĂŒrfe: Er ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll.

Erneuerbare Energien sind gĂŒnstiger und effizienter. Klimaneutrale GeschĂ€ftsmodelle arbeiten „mit der Physik, mit der Natur, und das ist produktiver, kostensparender und wettbewerbsfĂ€higer“ – so die Ökonomin. Der Umstieg kostet im Vergleich zum derzeitigen fossilen Weiterwirtschaften nur etwa ein FĂŒnftel der Folgekosten.

In einem „offenen Brief“ unterstĂŒtzen 2.178 Wissenschafter:innen diese Position und verweisen darauf, dass ein Aufweichen des Klimaschutzes teurer ist als Investitionen in den Klimaschutz. Harald Mahrer und Markus Wallner kĂŒmmern sich aber derweil lieber um anderes als um Expertise aus der Wissenschaft.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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