21. Mai 2026

Wo bleibt die Steuergerechigkeit?

2026-05-21T20:40:14+02:0021.05.26, 20:38 |Kategorien: Gesellschaft|Tags: , |

Österreich wird ungerechter. Das derzeit diskutierte Doppelbudget ist aus Sicht vieler NGOs ein Beispiel dafür. Nicht jene mit „breite Schultern“ werden am stärksten belastet, sonder „die da unten“. Unter dem Titel „Gerechtigkeitscheck“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:

Wer „breite Schultern“ habe, müsse in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten größere Lasten tragen. Besserverdienende, Großkonzerne und sehr reiche Menschen sollten daher einen größeren Beitrag zur Budgetsanierung und den Staatsfinanzen leisten als der Rest der Bevölkerung.

Darauf hat am Sonntag in der ORF-Pressestunde Maria Katharina Moser hingewiesen. Die Direktorin der Diakonie bemängelte zurecht die zunehmende Ungerechtigkeit in unserem Land. Moser weist darauf hin, dass Menschen mit niedrigem Einkommen überproportional belastet werden.

Daher wünscht sich die Diakonie ähnlich wie Caritas oder Volkshilfe bei der Budgeterstellung einen „Gerechtigkeitscheck“. Sie verweist dabei auf eine unverdächtige Stelle: den Budgetdienst im Nationalrat. Dort wurde festgestellt, dass das geplante Budget die höchsten zehn Prozent der Einkommen nur mit 1,1 Prozent belastet, die untersten zehn Prozent der Haushalte hingegen mit 3,3 Prozent. Breitere Schultern?

Man sollte vielleicht auf jene einen Blick werfen, die diese vielzitierten „breiten Schultern“ haben. In Österreich hat sich die Zahl der Milliardäre nach Berechnungen der Universität Linz in den letzten 20 Jahren vervierfacht. Demnach besitzen 49 Familien etwa 170 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Multimillionäre ist stark angestiegen. Nachzulesen ist das Ranking der 100 reichsten Familien und ihr wachsender Reichtum jedes Jahr im Wirtschaftsmagazin „Trend“.

Gleichzeitig steigen auch die Armut und der Druck auf die untersten Einkommen. Vor allem von Wirtschaftsverbänden finanzierte sogenannte „Think tanks“ behaupten immer wieder, unser Sozialstaat sei angeblich nicht mehr finanzierbar. Vielleicht deswegen, weil Superreiche zu wenig dazu beitragen?

Das Wohl einer Gesellschaft hängt vom sozialem Zusammenhalt ab. Wer das nicht glaubt, schaue in andere Länder. In Südafrika beispielsweise lebt in Städten wie Johannesburg sogar die Mittelschicht in Stadtvierteln, die mit Mauern abgeriegelt sind und von privaten Sicherheitsfirmen bewacht werden müssen. Schon eine Fahrt mit dem Auto durch Problembezirke kann gefährlich sein. Es gibt wenige Superreiche, eine dünne Mittelschicht und sehr viele sehr arme Menschen. Kriminalität und sichtbares Elend sind dominant. Auch für Reiche ist das kein angenehmes Leben.

Aber wir müssen gar nicht so weit schauen. Auch in Frankreich ist in den letzten Jahren das Sozialgefüge auseinandergeraten. Die dortige Polizei bezeichnet Teile der Pariser Banlieues als „rechtlose Zone“ und kann der Kriminalität und Gewalt kaum etwas entgegensetzen.

Solche Verhältnisse haben wir in Österreich noch nicht. Aber wer bei den Ärmsten spart, Menschen ausgrenzt und Jugendlichen schon im Bildungssystem kaum eine Chance gibt, der schürt Resignation und Hass auf die Gesellschaft. Das bereitet den Boden für Kriminalität und Extremismus. Diese Entwicklung ist derzeit im Gange.

8. Mai 2026

Wiederkehr(end) keine Bildungsreform

2026-05-07T15:26:29+02:0008.05.26, 8:06 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

Bildungsreform in Österreich? Kaum vorstellbar! Der jetzige Bildungsminister aber tut seit Monaten so, als ob er mitten drin sei im Reformprozess. Doch das täuscht! Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Wiederkehr(end)!“:

Sollte uns Bildungsminister Christoph Wiederkehr angesichts der unverschuldeten Chancenlosigkeit für echte Reformen leidtun? Immerhin blockiert die ÖVP ja seit Jahrzehnten alle Anstrengungen in Richtung eines modernen, zukunftstauglichen und effizienten Bildungssystems. Dagegen ist bislang noch kein (Reform)Kraut gewachsen.

Andererseits hat er das Ressort freiwillig, in Kenntnis seiner Koalitionspartner und des äußerst dürftigen Regierungsprogramms übernommen. Dennoch verspricht er Woche für Woche grundlegende Veränderungen des Schulsystems, von denen nicht nur Insider wissen, dass sie nicht umgesetzt werden. Wiederkehr(ende) Ankündigungen sind zu wenig.

Heute findet im Parlament eine Enquete der NEOS zur inklusiven Bildung statt. Zurecht, denn in Sachen schulischer Inklusion gibt es seit Jahren nur Rückschritte. Dabei hat sich Österreich im Jahr 2008 dazu verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Das bedeutet de facto den gemeinsamen Unterricht aller Kinder und das Aus für Sonderschulen.

Ein Blick in funktionierende inklusive Schulmodelle in den skandinavischen Ländern oder Südtirol zeigt: von einem solchen Unterricht profitieren alle. Die Ergebnisse sind um ein Vielfaches besser als bei uns, obwohl wir eines der teuersten Schulsysteme haben. Letzteres liegt nicht zuletzt daran, dass es Parallelstrukturen gibt – bei den Zehn- bis 14-Jährigen beispielsweise gleich drei Schultypen.

Ein anderes Beispiel: Am Sonntag hat Wiederkehr im ORF die Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre in einem Modellprojekt angekündigt. Die ÖVP ist – natürlich – dagegen. Ausgerechnet ihr ideologiegetriebener Generalsekretär Nico Marchetti sieht darin „ein ideologisches Gesamtschulexperiment mit ungewissem Ausgang“. Allerdings ist bei Wiederkehrs Ankündigung wirklich zu bemängeln, dass es weder ein pädagogisches noch ein organisatorisches Konzept gibt. Die drei Schultypen bei den Zehn- bis 14-Jährigen werden ja nicht aufgelöst. Die gymnasiale Unterstufe ist überfüllt, können die Kinder nach sechs Jahren Volksschule also nur in die Mittelschule?

Dass unabhängige Expertinnen und Experten – auch in Vorarlberg – seit langem auf eine Gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr drängen, sei hier nur noch am Rande erwähnt. Zu ärgerlich ist, dass trotz der Zustimmung aller ÖVP- und FPÖ-Abgeordneten im Landtag vor über zehn Jahren für ein vorarlbergweites Projekt die Umsetzung durch die destruktive Haltung von Landeshauptmann Markus Wallner nicht gelungen ist.

Leider sind in der ÖVP die Zeiten vorbei, als der damalige Obmann Reinhold Mitterlehner sich wörtlich „sehr offen für neue Entwicklungen“ in Richtung einer Gemeinsamen Schule gezeigt hatte. Wiederkehr hat es mit konservativen Ideologen zu tun und ist daher nicht zu beneiden. Mehr als nur unerfüllbare Ankündigungen darf man von ihm aber schon erwarten!

24. April 2026

Die ÖVP und der Rechtspopulismus

2026-04-24T11:05:22+02:0024.04.26, 10:58 |Kategorien: Gesellschaft|Tags: , , , , |

Die Anbiederung der ÖVP an die FPÖ nimmt immer bedenklichere Formen an. Das gilt speziell für die Umtriebe ihrer rechten Frontfrau Claudia Bauer. Unter dem Titel „’Krachend gescheitert‘?“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:

Jetzt hat sie es schon wieder getan! Die mit absonderlichen Forderungen nicht sparsame Integrationsministerin Claudia Bauer will sparen. Sie wollte Zara, der wichtigsten Beratungsstelle bei Fällen von Rassismus und Hass im Netz, die Unterstützung komplett streichen.

Dabei haben Hasspostings im Internet inzwischen besorgniserregende Ausmaße angenommen, Integrationsprobleme sind offenkundig, zunehmender Rassismus bedroht das gesellschaftliche Miteinander. Noch vor wenigen Tagen sind deswegen gleich fünf Ministerinnen und Minister aus allen drei Regierungsparteien aufmarschiert und haben den Kampf gegen digitale Gewalt verkündet. Was bedeutet es da, wenn die zuständige Ministerin der wichtigsten Anlaufstelle für Betroffene den Geldhahn zudrehen möchte? War das innerparteilich abgesprochen?

Immerhin verspricht die SPÖ, dieses unsinnige Vorhaben zu verhindern. Vizekanzler Andreas Babler weiß offenkundig, dass der gesellschaftliche Schaden des Bauer-Vorschlags enorm wäre und die budgetären Folgekosten schon kurzfristig mit einem Vielfachen der eingesparten Summe zu Buche schlagen würden.

Bauer gilt als ÖVP-Zukunftshoffnung und sieht Österreich in einigen Jahren offensichtlich dort, wohin Viktor Orbán Ungarn in den letzten eineinhalb Jahrzehnten geführt hat. Dabei sollte ihr zu denken geben, dass beim östlichen Nachbarn die „illiberale Demokratie“ mit überwältigender Mehrheit abgewählt worden ist. Das geplante Aus der Beratungsstelle Zara war nur der letzte einer ganzen Reihe von eher skurril anmutenden Vorschlägen der mit 31 Jahren jüngsten Ministerin. So hat sie beispielsweise auch drei Jahre Haft für „Integrationsverweigerer“ gefordert. Nichts gegen ein konsequentes Einfordern von Integration, aber drei Jahre Gefängnis? Strafrechtsexperten haben nur den Kopf geschüttelt.

Kopfschütteln hat auch ihr erst kürzlich präsentiertes Modell der Deutschkurse hervorgerufen. Natürlich ist Deutsch der Schlüssel für gelingende Integration. Bauer will aber – kein Scherz – verpflichtend (!) auch die Kenntnis regionaler Dialekte einfordern. Da wird eventuell der eine oder andere afghanische Flüchtling in Lustenau mit schwer zu bewältigenden Problemen konfrontiert werden.

Davon lässt sich eine Claudia Bauer nicht beirren. Immerhin sei die Integration von Zugewanderten in Österreich – so die Ministerin wörtlich – „krachend gescheitert“. Wenn dem so sein sollte, muss man sich fragen, wer denn in den letzten Jahrzehnten in der Regierung für Integration zuständig war: Claudia Bauer (ÖVP), Susanne Raab (ÖVP), Alexander Schallenberg (ÖVP), Karin Kneissl (von der FPÖ nominiert und inzwischen als „politischer Flüchtling“ in Putins Russland wohnhaft), Sebastian Kurz (ÖVP), Michael Spindelegger (ÖVP), Maria Fekter (ÖVP), Liese Prokop (ÖVP), Ernst Strasser (ÖVP). Noch Fragen?

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

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