Der nÀchste blau-braune Einzelfall!
Der FPĂ-VizeprĂ€sident des Vorarlberger Landtags relativiert in einer vorbereiteten und vom Blatt gelesenen Rede den Holocaust durch seinen Vergleich mit den âAppenzeller Kriegenâ oder Vergewaltigungen durch âmarokkanische Soldatenâ. Solche Skandale kennen wir leider seit langem. Nachzulesen bei sogenannten âEinzelfallzĂ€hlerâ auf der Plattform âStoppt die Rechtenâ. Kinz ist kein Nazi, der Vorfall dennoch typisch fĂŒr die FPĂ.
Warum das eigentliche Problem aber die ĂVP ist, die zu allem schlicht und einfach schweigt, habe ich in einem Kommentar unter dem Titel âHubert Kinz und die ĂVPâ thematisiert:
Auf die FPĂ kann man sich verlassen. In unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden relativieren ihre Spitzenleute die NS-Verbrechen und sorgen fĂŒr einen Skandal. Meist wird dann zurĂŒckgerudert, von âEinzelfallâ, âMissverstĂ€ndnisâ oder einer âböswilligen Unterstellungâ gesprochen. In Wirklichkeit sei alles âganz anders gemeint gewesenâ. So auch letzte Woche, als mit FPĂ-LandtagsvizeprĂ€sident Hubert Kinz wieder einer aus der blauen Riege Unsagbares gesagt hat.
Was war passiert? Der GrĂŒne Abgeordnete Bernie Weber hatte einen Antrag zu einem Landesleitbild âErinnerungskultur Vorarlbergâ im Zusammenhang mit dem NS-Gedenken eingebracht. Hubert Kinz war darauf vorbereitet, schrieb zuhause eine Rede und las sie vor. Die Empörung der gesamten Opposition war ihm gewiss. Zurecht!
Kinz hatte den in der Geschichte einzigartigen industriellen Massenmord der Nationalsozialisten relativiert. Man dĂŒrfe nicht âeinzelne Ereignisse herauspickenâ. Es habe auch die âAppenzeller Kriegeâ gegeben und andere GrĂ€ueltaten wie Vergewaltigungen durch marokkanische Besatzungssoldaten.
Wer bei Vergewaltigungen im Krieg an Marokkaner denkt, sollte sich informieren: Vergewaltiger wurden von der französischen Besatzungsmacht meist umgehend standrechtlich erschossen â auch in Vorarlberg. Und die âsaubere Wehrmachtâ? Die dokumentierte 5349 FĂ€lle â meist an der Westfront. An der Ostfront war sexuelle Gewalt Teil des rassistisch motivierten Vernichtungskrieges. Laut Erlass vom 13. Mai 1941 wurden Straftaten deutscher Soldaten offiziell dem âVerfolgungszwangâ entzogen, was â so die neuere Forschung â âsexuelle Gewaltexzesseâ zur Folge hatte.
Ăber diese Fakten sowie das Morden in den NS-Vernichtungslagern schwieg man nach 1945 lieber. Wer das nicht getan hat, wurde nicht selten als âNestbeschmutzerâ diffamiert. In der von hochrangigen ehemaligen Nationalsozialisten und SS-MĂ€nnern gegrĂŒndeten FPĂ gilt diese Haltung offenkundig bis heute. Das FĂŒhrungspersonal wurde in den braun-modrigen Kellern der Burschenschaften sozialisiert. Dort besang (und besingt?) man schon mal den Massenmord an sechs Millionen Juden: âGebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million!â
Und wie geht die ĂVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem âJuden-Sagerâ des damaligen FPĂ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz ânichts aufgefallenâ. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: âHerr Kinz, treten Sie zurĂŒck!â
Und wie geht die ĂVP mit dem Skandal um? Immerhin hat Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber im Jahr 2009 nach dem âJuden-Sagerâ des damaligen FPĂ-Chefs Dieter Egger die Koalition mit den Freiheitlichen umgehend beendet. Und heute? Der LandtagsprĂ€sident sagt, ihm sei bei der Rede von Kinz ânichts aufgefallenâ. Nach den Protesten der Opposition habe er Kinz gebeten, seine Aussage zu erklĂ€ren. Einen Ordnungsruf gab es nicht. Und der Landeshauptmann? Markus Wallner ist in dieser Frage auf Tauchstation. Vielleicht ĂŒberlegt er sich fĂŒr sein Wiederauftauchen diese Stellungnahme: âHerr Kinz, treten Sie zurĂŒck!â
Entweder gelingt es uns, die Notwendigkeit eines starken und an Menschen- sowie Völkerrecht orientierten Europa selbstbewusst auf der weltpolitischen BĂŒhne wahrzunehmen, oder unser Kontinent landet auf dem Speiseplan der drei GroĂmĂ€chte. Unter dem Titel âQuo vadis, Europa?â habe ich dazu einen Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten geschrieben:
Der Ruf nach mehr Steuergerechtigkeit verhallt in unserem Land leider ungehört. Zuletzt hat sich diesbezĂŒglich der Chefökonom der Arbeiterkammer zu Wort gemeldet, was umgehend zu einer brĂŒsken Ablehnung durch den Vorarlberger Landeshauptmann gefĂŒhrt hat. Dessen Budget ist zwar völlig aus den Fugen geraten, saniert werden soll das schwarz-blaue Budget-Desaster aber durch massive KĂŒrzungen bei Menschen mit Behinderung, sozial Schwachen usw. und nicht durch einen gerechten Beitrag der Privilegierten. Unter dem Titel âSteuerungerechtigkeit!â habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst: