Wiederkehr(end) keine Bildungsreform
Bildungsreform in Ăsterreich? Kaum vorstellbar! Der jetzige Bildungsminister aber tut seit Monaten so, als ob er mitten drin sei im Reformprozess. Doch das tĂ€uscht! Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel âWiederkehr(end)!â:
Sollte uns Bildungsminister Christoph Wiederkehr angesichts der unverschuldeten Chancenlosigkeit fĂŒr echte Reformen leidtun? Immerhin blockiert die ĂVP ja seit Jahrzehnten alle Anstrengungen in Richtung eines modernen, zukunftstauglichen und effizienten Bildungssystems. Dagegen ist bislang noch kein (Reform)Kraut gewachsen.
Andererseits hat er das Ressort freiwillig, in Kenntnis seiner Koalitionspartner und des Ă€uĂerst dĂŒrftigen Regierungsprogramms ĂŒbernommen. Dennoch verspricht er Woche fĂŒr Woche grundlegende VerĂ€nderungen des Schulsystems, von denen nicht nur Insider wissen, dass sie nicht umgesetzt werden. Wiederkehr(ende) AnkĂŒndigungen sind zu wenig.
Heute findet im Parlament eine Enquete der NEOS zur inklusiven Bildung statt. Zurecht, denn in Sachen schulischer Inklusion gibt es seit Jahren nur RĂŒckschritte. Dabei hat sich Ăsterreich im Jahr 2008 dazu verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Das bedeutet de facto den gemeinsamen Unterricht aller Kinder und das Aus fĂŒr Sonderschulen.
Ein Blick in funktionierende inklusive Schulmodelle in den skandinavischen LĂ€ndern oder SĂŒdtirol zeigt: von einem solchen Unterricht profitieren alle. Die Ergebnisse sind um ein Vielfaches besser als bei uns, obwohl wir eines der teuersten Schulsysteme haben. Letzteres liegt nicht zuletzt daran, dass es Parallelstrukturen gibt â bei den Zehn- bis 14-JĂ€hrigen beispielsweise gleich drei Schultypen.
Ein anderes Beispiel: Am Sonntag hat Wiederkehr im ORF die VerlĂ€ngerung der Volksschule auf sechs Jahre in einem Modellprojekt angekĂŒndigt. Die ĂVP ist â natĂŒrlich â dagegen. Ausgerechnet ihr ideologiegetriebener GeneralsekretĂ€r Nico Marchetti sieht darin âein ideologisches Gesamtschulexperiment mit ungewissem Ausgangâ. Allerdings ist bei Wiederkehrs AnkĂŒndigung wirklich zu bemĂ€ngeln, dass es weder ein pĂ€dagogisches noch ein organisatorisches Konzept gibt. Die drei Schultypen bei den Zehn- bis 14-JĂ€hrigen werden ja nicht aufgelöst. Die gymnasiale Unterstufe ist ĂŒberfĂŒllt, können die Kinder nach sechs Jahren Volksschule also nur in die Mittelschule?
Dass unabhĂ€ngige Expertinnen und Experten â auch in Vorarlberg â seit langem auf eine Gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr drĂ€ngen, sei hier nur noch am Rande erwĂ€hnt. Zu Ă€rgerlich ist, dass trotz der Zustimmung aller ĂVP- und FPĂ-Abgeordneten im Landtag vor ĂŒber zehn Jahren fĂŒr ein vorarlbergweites Projekt die Umsetzung durch die destruktive Haltung von Landeshauptmann Markus Wallner nicht gelungen ist.
Leider sind in der ĂVP die Zeiten vorbei, als der damalige Obmann Reinhold Mitterlehner sich wörtlich âsehr offen fĂŒr neue Entwicklungenâ in Richtung einer Gemeinsamen Schule gezeigt hatte. Wiederkehr hat es mit konservativen Ideologen zu tun und ist daher nicht zu beneiden. Mehr als nur unerfĂŒllbare AnkĂŒndigungen darf man von ihm aber schon erwarten!
In einem Kommentar in den âVorarlberger Nachrichtenâ habe ich ein PlĂ€doyer fĂŒr ein inklusives Bildungssystem gehalten: â
Im September 2015 haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, die sogenannte Nachhaltigkeits-Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals â SDGs) bis zum Jahr 2030 umzusetzen.