16. Januar 2026

Es braucht Steuergerechtigkeit!

2026-01-16T11:13:55+01:0016.01.26, 11:13 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft|Tags: , |

Der Ruf nach mehr Steuergerechtigkeit verhallt in unserem Land leider ungehört. Zuletzt hat sich diesbezĂŒglich der Chefökonom der Arbeiterkammer zu Wort gemeldet, was umgehend zu einer brĂŒsken Ablehnung durch den Vorarlberger Landeshauptmann gefĂŒhrt hat. Dessen Budget ist zwar völlig aus den Fugen geraten, saniert werden soll das schwarz-blaue Budget-Desaster aber durch massive KĂŒrzungen bei Menschen mit Behinderung, sozial Schwachen usw. und nicht durch einen gerechten Beitrag der Privilegierten. Unter dem Titel „Steuerungerechtigkeit!“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:

Matthias Schnetzer, aus Vorarlberg stammender Chefökonom der Arbeiterkammer, hat im VN-Interview einen Vorschlag zu mehr Steuergerechtigkeit gemacht: eine moderate Erbschaftssteuer fĂŒr Reiche und Supereiche. Reflexartig wurde das von Landeshauptmann Markus Wallner abgelehnt: Das Budget gehöre „ausgabenseitig konsolidiert“. Will Wallner Einsparungen im Gesundheitsbereich? Im Sozialbereich? Bei den Schulen? Dem MilitĂ€r? Bei den Förderungen fĂŒr die Landwirtschaft? Konkret wird er leider nicht, warnt aber vor zusĂ€tzlichen Belastungen.

Weder Ökonominnen und Ökonomen noch die politischen Mitbewerber fordern, mit dieser Steuer den Mittelstand zu belasten. Das Einfamilienhaus soll steuerfrei vererbt werden können. Die PlĂ€ne fĂŒr eine moderate Erbschaftssteuer sehen zudem hohe FreibetrĂ€ge fĂŒr Private vor und sichern auch die Übergabe von Unternehmen innerhalb einer Familie. Es ist purer Populismus, wenn Wallner diese VorschlĂ€ge mit dem Stammtisch-Argument abtut, er „traue“ den „hohen FreibetrĂ€gen“ nicht.

Die von Schnetzer aus wissenschaftlicher Sicht gut untermauerte Ungerechtigkeit einer fehlenden Erbschaftssteuer hat vor gut zwei Jahren der ebenfalls aus Vorarlberg stammende ORF-Journalist Hanno Settele in seiner Doku „Reich ohne Leistung“ anhand vieler Beispiele belegt. Konservative sprechen gern von den „LeistungstrĂ€gern“, meinen damit aber selten Menschen, die sich in KrankenhĂ€usern, Altenheimen, Schulen oder KindergĂ€rten abrackern. Reich wird man heute nĂ€mlich nicht durch Arbeit, sondern meist durch große Erbschaften.

Erben ist ein leistungsfreier Vermögenszuwachs, eine „Leistung“ des Erben oder der Erbin ist nicht zu erkennen. Die ÖVP argumentiert, bei Erbschaften handle es sich um bereits versteuertes Vermögen. Versteuert wurde auch das Geld, das man auf das Sparbuch einzahlt. Dort greift der Staat ĂŒber die Kapitalertragssteuer aber sehr wohl auch auf den Vermögenszuwachs zu.

Die Nichtbesteuerung riesiger Erbschaften hat neben dem sozialen Aspekt auch problematische politische Auswirkungen. Der Einfluss reicher Eliten auf die Regierungen ist ĂŒberall deutlich am Wachsen. In den USA förderten Superreiche wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Mark Zuckerberg Donald Trump massiv, ihre „Rendite“ jetzt sind weitgehende Steuergeschenke aus staatlichen Mitteln. Dieses Geld fehlt dem Staat. Die Folgen: Massive Einsparungen im Sozialbereich, im Gesundheitswesen, bei der Bildung, bei der Lebensmittelhilfe fĂŒr die Ärmsten usw.

Steuerungerechtigkeit und das Auseinanderdriften von Arm und Reich zerstören auf Dauer die Demokratie. Daran sollten die Verantwortlichen auch bei uns denken. Das reflexhafte Ablehnen einer dringend notwendigen Erbschaftssteuer ist daher unverantwortlich. Vielleicht könnten ja Wallners Parteikollegen aus der Arbeiterkammer dem Landeshauptmann ins Gewissen reden!

25. April 2024

Tax the rich!

2024-04-25T11:37:43+02:0025.04.24, 11:37 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft|Tags: , , , |

unter anderem Es ist ein altbekanntes Lied: Die Reichen zahlen in Österreich zu wenig in den Steuertopf ein! Die letzte Woche vom Momentum-Institut prĂ€sentierte Studie belegt das erneut. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Fehlende Steuergerechtigkeit“. Hier zum Nachlesen:

Die Superreichen zahlen zu wenig Steuern. Das ist nicht nur in Österreich so, sondern gilt beispielsweise auch in Deutschland. Belegt wird die Behauptung durch eine letzte Woche prĂ€sentierte internationale Studie mehrerer unabhĂ€ngiger Organisationen. Aus Österreich war das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut mit dabei. Die Fragestellung war einfach: Wie hoch ist die effektive steuerliche Belastung der Superreichen, wie hoch jene des Mittelstandes. Die Resultate sind erstaunlich.

Die Ergebnisse fĂŒr Österreich: Die Steuerbelastung einer durchschnittlichen Mittelstandsfamilie liegt bei etwa 42 Prozent. MultimillionĂ€re zahlen im Schnitt nur circa 30 Prozent. Je höher das Einkommen, desto geringer wird die prozentuelle Belastung: So liegt laut Studie der effektive Steuersatz des mit 32 Milliarden reichsten Österreichers, dem Red-Bull-Erben Mark Mateschitz, bei mickrigen 26 Prozent und somit noch einmal deutlich unter dem der anderen Superreichen.

Warum ist das so?

Die Arbeitseinkommen werden vom Arbeitgeber gemeldet, sind somit meist gut erfasst und werden progressiv besteuert. Bei Einkommen aus Kapital und Vermögen ist das anders. Einerseits sind KapitaleinkĂŒnfte und Unternehmensgewinne steuerlich privilegiert und geringer besteuert. Zudem können sie von den Finanzbehörden schwerer erfasst werden und sind oft – die Ermittlungen rund um die Firmenstruktur von RenĂ© Benko zeigen das – in komplexen Beteiligungsgesellschaften geparkt.

In der Schweiz gibt es neben der Einkommens- auch eine Vermögenssteuer. Unsere Nachbarn empörten sich daher nach Erscheinen der Studie: Ihr Land gelte als Steuerparadies fĂŒr Superreiche, dabei wĂŒrden bei ihnen laut Studie MultimillionĂ€re und MilliardĂ€re wie Mateschitz meist – von Kanton zu Kanton unterschiedlich – stĂ€rker besteuert als etwa in Österreich oder Deutschland.

Gerecht und sinnvoll?

Ein gerechtes Steuersystem muss progressiv sein: Je höher das Einkommen desto höher der Steuersatz. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Steuervermeidung und -hinterziehung sollten zudem weitgehend verunmöglicht werden, sodass alle ihren Anteil zur Finanzierung von Schulen, KrankenhĂ€usern, der Schienen- und Straßeninfrastruktur, Sicherheit, Pensionen etc. beitragen.

Steuergerechtigkeit ist zudem im ureigensten Interesse denkender Superreicher, denn sie ist eine der Voraussetzungen dafĂŒr, dass es sozialen Frieden gibt. Davon profitieren auch und vor allem sie. Zuletzt forderten deshalb im JĂ€nner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 260 Superreiche, höher besteuert zu werden: Soziale Ungleichheit und die Klimakrise mĂŒssten bekĂ€mpft werden, sonst werde ein „Kipppunkt“ erreicht und Unruhen drohten. Das sei nicht radikal, sondern eine „RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t“ und eine „Investition in unsere demokratische Zukunft“.

Das ist ebenso verantwortungsbewusst wie vernĂŒnftig und sollte Anlass genug sein, auch bei uns endlich ĂŒber Steuergerechtigkeit zu reden.

4. Januar 2024

Haben wir zu hohe Steuern?

2024-01-04T11:51:49+01:0004.01.24, 11:47 |Kategorien: Allgemein|Tags: , , , |

Gestern forderte die Wirtschaftskammer eine Senkung der Lohnnebenkosten. Ohne zu sagen, welche Leistungen dafĂŒr gekĂŒrzt werden sollen. Zum Jahresende forderte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger ĂŒberhaupt eine Steuersenkung und konkretisierte das ebenfalls nicht. Unter dem Titel „Zu hohe Steuern?“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:

Wer hĂ€tte am Monatsende nicht gern mehr Geld? NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger sprach sich im ORF-Bilanzinterview zum Jahresende fĂŒr eine Steuerentlastung aus: „Die Österreicher zahlen genug Steuern!“ Diese mĂŒssten gesenkt werden. Die Forderung der NEOS ist uralt, eine PrĂ€zisierung fehlt aber leider: Wo soll das fehlende Geld eingespart werden? Beim Bildungsbudget? Der Kleinkind-Betreuung? Im Gesundheits- und Sozialsystem? Bei den Pensionen?

Vorbild USA?

Die USA haben unter Ronald Reagan genau diesen Weg beschritten. Mit fatalen Auswirkungen. Seither stagniert das Einkommen der Arbeiterschicht, die Lebenserwartung sinkt, die Ultrareichen zahlen weniger Steuern als einfache Angestellte. Der US-amerikanische NobelpreistrĂ€ger Joseph Stiglitz: „Unser jetziges Wirtschaftssystem ist das Ergebnis von Spielregeln, die wir ĂŒber die letzten 40 Jahren neu geschaffen haben. Und zwar in einer Weise, welche Arbeiter benachteiligt und den Machtausbau von Unternehmen fördert.“

Auch in Europa eifern einige den USA nach. Die Auswirkungen sind etwa in Großbritannien zu besichtigen: marode Infrastruktur, darniederliegendes Gesundheitssystem etc.

Und Österreich?

Meinl-Reisinger schloss in ihrer Bilanz ĂŒbrigens auch die EinfĂŒhrung einer Erbschaftssteuer aus. Österreich ist eines der ganz wenigen LĂ€nder auf der Welt, das keine Erbschaftssteuern einhebt – mit dem ebenso schlichten wie falschen Argument, man dĂŒrfe bereits besteuertes Einkommen nicht noch einmal besteuern. Aber: Wer gestorben ist, bezahlt bekanntlich keine Steuern mehr. Und wer erbt, hat dafĂŒr noch keine Steuern bezahlt.

Im Gegensatz zu einer Erbschaftssteuer gibt es hingegen sehr wohl eine Doppelbesteuerung fĂŒr fast jeden von uns. Jeder Einkauf im Supermarkt, jedes Essen im Gasthaus oder am WĂŒrstelstand, die Miete – das alles unterliegt der Umsatzsteuer und wird mit jenem Geld bezahlt, das von der Lohn- oder Einkommenssteuer ĂŒbrig geblieben ist. Wer in der Erbschaftssteuer eine Doppelsteuer sieht, mĂŒsste folgerichtig auch die Umsatzsteuer abschaffen. Diesen Unsinn hat bislang noch niemand gefordert.

Der Verzicht auf eine Erbschaftssteuer ist ein nicht nachvollziehbares Steuergeschenk des Staates an Wohlhabende und Reiche, denn Arme können kaum etwas vererben. Laut Arbeiterkammer besitzen zwei Drittel der Vorarlberger keine Immobilie, zehn Prozent hingegen 75 Prozent der FlÀchen. Und der Mittelstand? Er wÀre nach allen derzeitigen VorschlÀgen durch hohe FreibetrÀge wie in fast allen anderen LÀndern von der Steuer befreit.

Genau diese einfache Tatsache hat dazu gefĂŒhrt, dass es in der westlichen Welt praktisch ĂŒberall eine Erbschaftssteuer gibt. Zurecht, denn sie ist eine Frage der Steuergerechtigkeit. Das wĂ€re vielleicht auch eine Denksportaufgabe fĂŒr jene, die die Steuer so vehement ablehnen und damit das GeschĂ€ft der Superreichen betreiben.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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