Wo bleibt die Steuergerechigkeit?
Ăsterreich wird ungerechter. Das derzeit diskutierte Doppelbudget ist aus Sicht vieler NGOs ein Beispiel dafĂŒr. Nicht jene mit âbreite Schulternâ werden am stĂ€rksten belastet, sonder âdie da untenâ. Unter dem Titel âGerechtigkeitscheckâ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:
Wer âbreite Schulternâ habe, mĂŒsse in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten gröĂere Lasten tragen. Besserverdienende, GroĂkonzerne und sehr reiche Menschen sollten daher einen gröĂeren Beitrag zur Budgetsanierung und den Staatsfinanzen leisten als der Rest der Bevölkerung.
Darauf hat am Sonntag in der ORF-Pressestunde Maria Katharina Moser hingewiesen. Die Direktorin der Diakonie bemĂ€ngelte zurecht die zunehmende Ungerechtigkeit in unserem Land. Moser weist darauf hin, dass Menschen mit niedrigem Einkommen ĂŒberproportional belastet werden.
Daher wĂŒnscht sich die Diakonie Ă€hnlich wie Caritas oder Volkshilfe bei der Budgeterstellung einen âGerechtigkeitscheckâ. Sie verweist dabei auf eine unverdĂ€chtige Stelle: den Budgetdienst im Nationalrat. Dort wurde festgestellt, dass das geplante Budget die höchsten zehn Prozent der Einkommen nur mit 1,1 Prozent belastet, die untersten zehn Prozent der Haushalte hingegen mit 3,3 Prozent. Breitere Schultern?
Man sollte vielleicht auf jene einen Blick werfen, die diese vielzitierten âbreiten Schulternâ haben. In Ăsterreich hat sich die Zahl der MilliardĂ€re nach Berechnungen der UniversitĂ€t Linz in den letzten 20 Jahren vervierfacht. Demnach besitzen 49 Familien etwa 170 Milliarden Euro. Auch die Zahl der MultimillionĂ€re ist stark angestiegen. Nachzulesen ist das Ranking der 100 reichsten Familien und ihr wachsender Reichtum jedes Jahr im Wirtschaftsmagazin âTrendâ.
Gleichzeitig steigen auch die Armut und der Druck auf die untersten Einkommen. Vor allem von WirtschaftsverbĂ€nden finanzierte sogenannte âThink tanksâ behaupten immer wieder, unser Sozialstaat sei angeblich nicht mehr finanzierbar. Vielleicht deswegen, weil Superreiche zu wenig dazu beitragen?
Das Wohl einer Gesellschaft hĂ€ngt vom sozialem Zusammenhalt ab. Wer das nicht glaubt, schaue in andere LĂ€nder. In SĂŒdafrika beispielsweise lebt in StĂ€dten wie Johannesburg sogar die Mittelschicht in Stadtvierteln, die mit Mauern abgeriegelt sind und von privaten Sicherheitsfirmen bewacht werden mĂŒssen. Schon eine Fahrt mit dem Auto durch Problembezirke kann gefĂ€hrlich sein. Es gibt wenige Superreiche, eine dĂŒnne Mittelschicht und sehr viele sehr arme Menschen. KriminalitĂ€t und sichtbares Elend sind dominant. Auch fĂŒr Reiche ist das kein angenehmes Leben.
Aber wir mĂŒssen gar nicht so weit schauen. Auch in Frankreich ist in den letzten Jahren das SozialgefĂŒge auseinandergeraten. Die dortige Polizei bezeichnet Teile der Pariser Banlieues als ârechtlose Zoneâ und kann der KriminalitĂ€t und Gewalt kaum etwas entgegensetzen.
Solche VerhĂ€ltnisse haben wir in Ăsterreich noch nicht. Aber wer bei den Ărmsten spart, Menschen ausgrenzt und Jugendlichen schon im Bildungssystem kaum eine Chance gibt, der schĂŒrt Resignation und Hass auf die Gesellschaft. Das bereitet den Boden fĂŒr KriminalitĂ€t und Extremismus. Diese Entwicklung ist derzeit im Gange.
Der Ruf nach mehr Steuergerechtigkeit verhallt in unserem Land leider ungehört. Zuletzt hat sich diesbezĂŒglich der Chefökonom der Arbeiterkammer zu Wort gemeldet, was umgehend zu einer brĂŒsken Ablehnung durch den Vorarlberger Landeshauptmann gefĂŒhrt hat. Dessen Budget ist zwar völlig aus den Fugen geraten, saniert werden soll das schwarz-blaue Budget-Desaster aber durch massive KĂŒrzungen bei Menschen mit Behinderung, sozial Schwachen usw. und nicht durch einen gerechten Beitrag der Privilegierten. Unter dem Titel âSteuerungerechtigkeit!â habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:
unter anderem Es ist ein altbekanntes Lied: Die Reichen zahlen in Ăsterreich zu wenig in den Steuertopf ein! Die letzte Woche vom Momentum-Institut prĂ€sentierte Studie belegt das erneut. Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel âFehlende Steuergerechtigkeitâ. Hier zum Nachlesen: