25. September 2026

Kommunistische Umtriebe?

2026-09-25T16:48:47+02:0025.09.26, 16:47 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft|Tags: , , |

Soll man Superreiche angesichts zunehmender Budgetprobleme besteuern? Oder soll man ihr Vermögen von zumindest einer Milliarde Dollar – wie in Kalifornien geplant – mit einer einmaligen Abgabe von fünf Prozent des Nettovermögens versehen? Auch Supperreiche sehen das durchaus als Notwendigkeit. Mein Kommentar dazu in den Vorarlberger Nachrichten uner dem Titel „Was ist gerecht?“ hat allerdings zu heftigen Reaktionen geführt („grüner Kommunist“). Hier der Kommentar zum Nachlesen:

Kommunistische Umtriebe im Mutterland des modernen Kapitalismus? In Kalifornien, dem Land der Tech-Milliardäre, gibt es am 3. November eine Abstimmung über eine einmalige Vermögensabgabe. Und das, obwohl Präsident Donald Trump nur ein Ziel zu haben scheint: Superreiche – und da vor allem sich selbst – noch reicher zu machen.

Es gibt allerdings auch noch die Bundesstaaten. Personen mit einem Nettovermögen von über einer Milliarde Dollar sollen in Kalifornien also einmalig fünf Prozent zahlen. Um Steuerflucht zu vermeiden, gilt als Stichtag der 1. Jänner 2026. Mit den zu erwartenden Mehreinnahmen von rund 100 Milliarden Dollar sollen das marode Gesundheitssystem saniert und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Helle Aufregung! Einige Milliardäre finanzieren mit 156 Millionen Dollar eine Gegenkampagne. Der reichste Einwohner Kaliforniens ist Google-Mitgründer Larry Page. Sein Vermögen wurde 2024 auf rund 114 Milliarden Dollar beziffert, 2025 schon auf bis zu 173 und aktuell auf 260 Milliarden. Ein Vermögenszuwachs von 128 Prozent. Nach der Abgabe müsste er auf fünf Prozent verzichten und mit 245 Milliarden auskommen.

Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass derartige Vermögenskonzentrationen schon früher als problematisch galten. Politisch Verantwortliche haben bereits in den Boom-Jahren vor dem Ersten Weltkrieg reagiert. Das Königreich Preußen führte 1893 die erste dauerhafte und moderne Vermögenssteuer ein, das kleinere Vermögen komplett verschonte und sehr moderate Steuersätze vorsah. Nach dem Krieg wurde das Gesetz im gesamten Deutschen Reich wirksam.

Und die USA? Vermögenssteuern gab und gibt es nur in einigen Bundesstaaten. Der Gesamtstaat hat stattdessen eine Einkommenssteuer, die in den 1950er und 1960er Jahren auf einen Spitzensteuersatz von zeitweise 91 Prozent anstieg – sowohl unter demokratischen als auch unter republikanischen Präsidenten. Zu Beginn der Amtszeit von Präsident Ronald Reagan im Jahr 1981 lag er immer noch bei 70 Prozent, am Ende 1989 nur noch bei 28 Prozent. Mit dramatischen Folgen bis heute.

Und Österreich? Das Wirtschaftsmagazin „Trend“ listet 53 Familien mit einem Vermögen von über einer Milliarde Euro auf. Mark Mateschitz führt die Liste mit rund 37,5 Milliarden Euro an. Sie alle können beruhigt sein: Ihr Vermögen wird nicht angetastet. Derart revolutionäre Steuer-Pläne wie im ehemaligen Königreich Preußen oder später in den USA gibt es bei uns nicht – weder für Vermögens- noch für hohe Einkommenssteuern.

Das allerdings ist gefährlich und schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kluge Reiche sehen das. Der Milliardär Hans Peter Haselsteiner beispielsweise befürwortet eine stärkere Besteuerung großer Erbschaften und hoher Einkommen. Das wäre richtig und gerecht!

4. April 2025

Budgetkrise: Wer zahlt die Zeche?

2025-04-04T13:58:15+02:0004.04.25, 13:58 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft|Tags: , , , , , , |

Fast täglich eine Horrormeldung zur Budgetsituation. Und sogar den Neoliberalen in der ÖVP und bei den Neos ist klar, dass wir nicht nur durch Sparen aus der Misere herauskommen. Doch wo soll der Staat bei der einnahmenseitigen Sanierung ansetzen? Unter dem Titel „Wer zahlt die Zeche?“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten diesen Kommentar veröffentlicht:

Der neue Finanzminister ist nicht zu beneiden. Sein Vorgänger hat ihm ein Budget-Desaster hinterlassen. Der Schuldenberg wächst und natürlich stellt sich die große Frage: Wer zahlt die Zeche? Wie konsolidiert man ein aus den Fugen geratenes Budget ohne soziale Härten und kontraproduktives Sparen etwa in den Bereichen Gesundheit oder Bildung? Wie vermeidet man gleichzeitig ein Abwürgen der ohnehin kränkelnden Konjunktur?

Einerseits muss gespart werden, andererseits aber braucht die Wirtschaft Impulse – also ähnlich wie derzeit in Deutschland staatliche Investitionen. Das erfordert von allen eine offene Diskussion ohne sturem Festhalten an althergebrachten ideologischen Positionen.

Gefordert sind vor allem die Regierungsparteien, aber auch die Opposition. Leider hört man von allen derzeit nur wenig Konkretes zu diesem Thema. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hingegen hat letzte Woche einen Vorschlag gemacht und weist darauf hin, dass in der gegenwärtigen Situation auch von den Reichsten ein fairer Beitrag zur Budget-Sanierung eingefordert werden muss. Attac landet folgerichtig bei Vermögens- und Erbschaftsteuern.

Österreich könne „problemlos“ jährlich sieben Milliarden Euro mehr einnehmen, wenn wir die vermögensbezogenen Steuern auf den Durchschnitt (!) der Industrie-Staaten anheben. Denn derzeit ist unser Land ein Steuerparadies für Superreiche und sehr Reiche. Wenn man bedenkt, dass sich in den letzten Jahrzehnten das Vermögen der Milliardäre alle sieben Jahre verdoppelt hat, ist ein zusätzlicher Beitrag in die Staatskasse zumutbar.

Ökonomen weisen darauf hin, dass Vermögensteuern auch wirtschaftspolitisch das richtige Rezept sind. Sie führen zu keinem erwähnenswerten Rückgang des Konsums, eröffnen Spielräume für Investitionen in Bildung, Pflege sowie Infrastruktur und sichern somit Arbeitsplätze.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Der französische Ökonom Thomas Piketty hat nachgewiesen, dass die Vermögensungleichheit weltweit auf das Niveau der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gewachsen ist. Das stärkt rechtsextreme Bewegungen und gefährdet die Demokratien. Ein Blick in die USA reicht, aber auch Staaten wie Frankreich, Italien oder Deutschland sind damit konfrontiert. Von Ungarn ganz zu schweigen.

Und Österreich? Auch hierzulande ist die Schere zwischen den wenigen Superreichen und dem Rest der Bevölkerung weit auseinandergegangen. Wir haben sogar die zweitgrößte Vermögenskonzentration in der Eurozone: Der mehrfach ausgezeichnete Ökonom Matthias Schnetzer rechnet vor, dass die reichsten fünf Prozent etwa 59 Prozent des gesamten Haushaltsvermögens besitzen: rund zwei Billionen Euro. Der Hauptgrund dafür sind steuerfreie Erbschaften – und nicht die von konservativer Seite immer wieder beschworene Leistungsbereitschaft. Es sollte also klar sein, wo einnahmenseitig anzusetzen ist.

26. September 2024

„Gstopfte“ schröpfen?

2024-09-26T12:45:22+02:0026.09.24, 10:50 |Kategorien: Arbeit und Wirtschaft|Tags: , |

Unser Steuersystem ist ungerecht, weil es die finanziell Privilegierten bevorzugt. Vor allem rechte Parteien lehnen Veränderungen ab – in Österreich gerne mit Verweis auf die hohe Steuerquote. Die Frage ist aber, wer die Last dieser Steuerquote zu tragen hat: die da oben oder die da unten? Unter dem Titel „Gstopfte schröpfen?“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:

Eine sachliche Diskussion über das Thema Steuergerechtigkeit fehlt weitgehend. Leider! Sie wäre dringend nötig, werden doch die Superreichen immer reicher, während Arme immer ärmer werden. Eine Politik, die da nicht gegensteuert, agiert als „Hure der Reichen“, wie das Thomas Schmid, ehemaliger Vertrauter von Sebastian Kurz, einmal in anderem Zusammenhang präzise auf den Punkt gebracht hat.

Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat das Vermögen von Dietrich Mateschitz auf 35,97 Milliarden Euro geschätzt. Sein einziger Sohn Mark hat keinen Cent Erbschaftssteuer bezahlen müssen. Ist es gerecht, für eine Milliarden-Erbschaft keine Steuern zu zahlen? Während Geringverdiener schon ab monatlich unter 1.200 Euro steuerpflichtig sind?

In anderen Ländern schüttelt man darüber den Kopf. In Südkorea beispielsweise – ein alles andere als kapitalismusfeindlicher Staat – mussten die Erbinnen und Erben des Technologie-Imperiums Samsung gleich 50 Prozent ihres Erbanteils an den Staat abtreten – umgerechnet rund zehn Milliarden Euro. Öffentlich bekannten sie sich dazu: Das Bezahlen der Steuer sei „ihre Pflicht und Verantwortung als Bürger“. Die Entwicklung in den westlichen Staaten geht allerdings seit Jahrzehnten in die Gegenrichtung.

In den USA hat Präsidenten Ronald Reagan vor etwa 40 Jahren damit begonnen, Reiche und Superreiche steuerlich zu entlasten. Viele in Europa fanden das toll. In Österreich liegt heute der Anteil vermögensbezogener Steuern bei nicht einmal 1,4 Prozent, früher waren es rund 4 Prozent. Die politischen Auswirkungen dieser Entwicklungen sind weltweit vergleichbar: Von der Wut der Abgehängten profitieren ausgerechnet jene, die die Kluft zwischen Arm und Reich noch vergrößern wollen – egal ob sie Marine Le Pen, Donald Trump, Björn Höcke oder Herbert Kickl heißen.

Es gibt auch vernünftige Superreiche, die wissen, dass ihnen ein gerechtes Steuersystem schlussendliche zugutekommt. Der Milliardär Hans Peter Haselsteiner beispielsweise kann sich neue Steuern für Reiche vorstellen: „Gerade den Gstopften sollte der soziale Friede etwas wert sein.“ Auch Andreas Treichl, langjähriger Vorstandschef der Erste Bank, äußerte sich ähnlich.

Meist allerdings wird in populistischer Manier so getan, als ob eine Erbschaftssteuer für Reiche auch den Mittelstand treffen würde und das Einfamilienhaus oder der ersparte Notgroschen in Gefahr wären. Rechte Parteien fordern sogar Steuersenkungen – allerdings ohne konkreten Hinweis, wo gespart werden soll – bei Bildung oder im Gesundheitssystem, an der Sicherheit oder …

Wer ein intaktes Schul- und funktionierendes Gesundheitssystem, äußere und innere Sicherheit sowie verlässliche Pensionszahlungen will, der muss für ein gerechteres Steuersystem eintreten. Oder, um es mit Haselsteiner zu sagen: Die „Gstopften“ müssen mehr als bisher zum Steueraufkommen beitragen!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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