âSchuldenbremseâ ist kein Allheilmittel!
Die Regierung jammert, weil wir nicht ohne Wenn und Aber ihrer âSchuldenbremseâ zustimmen wollen: Wer hat sie eigentlich in den letzten Jahren gezwungen, so hohe Defizite zu machen? Wer hindert sie heute daran, einen glaubwĂŒrdigen und sinnvollen Sparkurs zu fahren? Wer hat sie vor nicht einmal vier Wochen gezwungen, ein Budget mit fast zehn Milliarden Neuverschuldung zu beschlieĂen? Wer hindert sie heute daran, eine Verwaltungsreform zu machen? Die Konzepte liegen seit Jahren in den Schubladen!
In der heutigen Sondersitzung des Nationalrats ging es hoch her. Die Regierung hat die BeschlĂŒsse der vergangenen EU-Gipfel verteidigt und diese als alternativlos bezeichnet. Eva Glawischnig hat in einer sehr bemerkenswerten Rede auf einen interessanten Zusammenhang hingewiesen und die Sparapostel hoffentlich zum Nachdenken gebracht: Die derzeitigen Probleme im Euroraum sind zu einem erheblichen Teil auf die FinanzmĂ€rkte und nicht nur auf die Staatsverschuldungen zurĂŒckzufĂŒhren. Irland und Spanien etwa waren noch im Jahr 2007 SuperschĂŒler und standen deutlich besser da als Ăsterreich: Ihre Budgets wiesen ĂberschĂŒsse auf und ihre Schuldenquoten lagen mit 29 bzw. 42 weit unter der 60-Grenze des Vertrags von Maastricht. Das Problem lag hier in einer ungezĂŒgelten Kreditvergabe durch die Banken und einer gigantischen Immobilienblase.
Seit drei Jahren warten wir auf die Regulierung der FinanzmĂ€rkte oder ein Vorantreiben der Finanztransaktionssteuer. Die Regierungen aber waren und sind fast ausschlieĂlich auf eine Art von Sparpolitik konzentriert, die die Krise noch verstĂ€rkt hat. Mit dem letzten Gipfel ist das verschĂ€rft worden – von der demokratiepolitisch inakzeptablen Ausschaltung der Parlamente gar nicht zu reden. Wir GrĂŒne werden der Regierung jedenfalls nicht mehr die Mauer machen, ohne Vermögenssteuern werden wir einer Schuldenbremse sicher nicht zustimmen.
NatĂŒrlich muss gespart werden. Wir dĂŒrfen aber Ăsterreich, wir dĂŒrfen Europa nicht zu Tode sparen. Wir brauchen auch Investitionen in die Realwirtschaft, eine soziale und ökologische Initiative, Investitionen in die LeitmĂ€rkte der Zukunft und eine Besteuerung der FinanzmĂ€rkte, damit die Verursacher der Krise bei deren BewĂ€ltigung mitzahlen.
Es ist bestenfalls naiv zu glauben, dass die Lage auf den FinanzmĂ€rkten und die sogenannte Realwirtschaft nur und ausschlieĂlich mit weiteren SparmaĂnahmen in den ProblemlĂ€ndern stabilisiert werden können.
Die âSchuldenbremseâ ist ganz sicher kein Allheilmittel!
Heute kann ich ĂŒber einen Erfolg berichten. Nach langen und wirklich sehr zĂ€hen Verhandlungen haben wir gestern im Parlament gemeinsam mit SPĂ und ĂVP einen Antrag eingebracht, der eine Lösung bringt fĂŒr ein Problem, an dem Rot und Schwarz all die Jahrzehnte nach dem Ende des Austrofaschismus gescheitert sind: die Rehabilitierung der von Justiz und Behörden zwischen 1933 und 1938 zu Unrecht Verfolgten!