Separate âFlĂŒchtlingsklassenâ – Wiener Vorwahlaktionismus
Am Freitag kĂŒndigte die im Wiener Stadtschulrat fĂŒr Sprachförderung zustĂ€ndige Ulrike Doppler-Ebner an, ab Herbst Klassen fĂŒr FlĂŒchtlingskinder einrichten zu wollen (Eigene Schulklassen fĂŒr FlĂŒchtlinge in Wien). Die gute Nachricht: Es wird etwas getan, sogar ein bisschen vorausblickend. Die schlechte Nachricht: Es wird irgendetwas getan. Separierte Klassen werden von der österreichischen Fachcommunity unisono abgelehnt . Und das zu Recht. Entlarvend dabei die Vorab-Rechtfertigung von Doppler-Ebner: âWie man es macht, ist es verkehrtâ, sagt sie: âMachen wir ein eigenes Konzept, passt es nicht, wenn wir keines machen, haben wir versagt.â Nichts zu machen, ist jedoch nicht die Alternative zu einem schlechten Konzept, denn man könnte ja auch ein sinnvolles umsetzen.
Wie absurd und unreflektiert hier gehandelt wird, zeigt, dass die StadtschulratsprĂ€sidentin Susanne Brandsteidl prompt ihre Pressesprecherin zum Feuerlöschen aussandte, um der zu erwartenden Kritik mit einem an MerkwĂŒrdigkeit kaum zu ĂŒberbietenden Statement zu begegnen. Diese betonte nĂ€mlich, âdass es sich um ein âKurssystemâ handle und nicht um eine âKlasseâ. Auch wenn die Kinder, wie sie der âPresseâ nochmals bestĂ€tigte, in eigenen Klassenzimmer unterrichtet werden sollen. Der Grund? Man könne das Wort âKlasseâ missverstehen, da die âKurseâ auch unter dem Jahr gestartet und beendet werden können.â So, was nun? Werden die Kinder separiert unterrichtet, aber unter dem Mascherl âKursâ? Oder sind die Kinder in einem regulĂ€ren Klassenverband integriert und erhalten zusĂ€tzliche Sprachförderung?
Um es klarzustellen: Es ist unumstritten, dass Kinder die Bildungssprache möglichst schnell erlernen und deshalb auch eine besondere Förderung erhalten mĂŒssen. Hier ist endlich ein bundesweites Konzept, das von den Kinderbetreuungseinrichtungen bis zum Ende der Volksschule reicht, vorzulegen und umzusetzen. Wie dies erfolgen könnte, habe ich nun schon mehrfach skizziert (So lernen alle Kinder Deutsch: unser Modell zur Sprachförderung). Es ist keineswegs notwendig, das Rad neu zu erfinden, denn wir können auf erfolgreiche Modelle zurĂŒckgreifen.
Was im Moment passiert, sind MaĂnahmen, die in der MĂŒhle zwischen den ZustĂ€ndigkeiten verschiedener Ministerien und der einzelnen BundeslĂ€nder zu einem inkompetenten und ineffizienten StĂŒckwerk verkommen. Dies geht nicht nur zu Lasten der betroffenen Kinder, sondern wird in Ăsterreich auch zunehmend volkswirtschaftlich negative Konsequenzen zeitigen.
Die fĂŒr Wien avisierten âFlĂŒchtlingsklassenâ (oder Kurse)Â sind, so sieht es zumindest aus, wohl eher dem Kapitel âVorwahlaktionismusâ zuzurechnen. Kluge, vorausschauende Bildungspolitik sieht jedenfalls anders aus.
