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22. November 2017

Islam-Kindergärten: „Kronen Zeitung“ verurteilt, Sebastian Kurz noch nicht

22.11.17, 17:21 |Categories: Bildung, Integration|Tags: , |

Am 25. Juni berichtete die „Kronen Zeitung“: „Kopftuch, Radikalisierung Alltag in Kindergärten“.

Darin hieß es, die Redaktion habe Bilder aus „einem Islam-Kindergarten in Wien Liesing“ zugespielt bekommen. Die „Krone“ habe Belege dafür, was „in vielen der 150 islamischen Kindergärten in Wien“ falsch laufe: Schon kleinste Mädchen müssten das Kopftuch tragen.

Die Fotos stammten aber nicht aus einem Kindergarten in Liesing, sondern enstanden bei einem Jugendfest des Islamischen Zentrums in Floridsdorf, die vielen teilnehmenden Mädchen ohne Kopftuch wurden – wie „Der Standard“ („Islam-Kindergarten“: Presserat rügt „Krone“ für Kopftuchfotos) feststellt – „herausgeschnitten“.

Der Presserat verurteilt das und fordert die „Kronen Zeitung“ auf, das Urteil zu veröffentlichen. Das wird natürlich nicht geschehen.

Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, wie sensibel dieses Thema ist. Dabei gibt es ein „(un-)Heilige Allianz“ zwischen dem österreichischen Boulevard, den „türkischblauen“ (© Armin Thurnher) künftigen Regierungsparteien und willfährigen „Wissenschaftlern“ (Studie zu islamischen Kindergärten: Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas), denen es – wie etwa Ednan Aslan – nichts ausmacht, wenn das Ministerium des Herrn Kurz als Auftraggeber an einer abgelieferten Studie zu „islamischen Kindergärten“ gleich 903 Änderungen vornimmt, darunter gravierende inhaltliche. Und die erzielte man durch die selbst (!) formulierten „Zuspitzungen“. Die Uni Wien hat ihr Gutachten über Aslans Kindergartenstudie bislang nicht veröffentlicht. Gibt’s dafür einen Grund?

Einen Presserat haben wir auf politischer Ebene leider nicht: Das Urteil über Sebastian Kurz und seine Truppe muss bei den nächsten Wahlen gesprochen werden. Hoffentlich fällt es ebenso deutlich aus.

 

8. November 2017

Studie zu islamischen Kindergärten: Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas

08.11.17, 13:11 |Categories: Bildung|Tags: , , |

Man staunt: „Dem Islamforscher Ednan Aslan kann im juristischen Sinn kein wissenschaftliches Fehlverhalten bei der Erstellung seiner Studie zu islamischen Kindergärten vorgeworfen werden. Sie weist aber sehr wohl Mängel auf – wobei auch Passagen, die im Außen- bzw. Integrationsministerium umgeschrieben wurden, für Rätselraten sorgen.“ Das berichtet die APA über das heute präsentierte Ergebnis einer Prüfung der Arbeit von Ednan Aslan über islamische Kindergärten durch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI).

Um es deutlicher zu sagen: Der kommende Bundeskanzler Sebastian Kurz hat als Integrationsminister in übelster Form politisches Kleingeld lukriert. Beamte in seinem Ministerium haben massiv in eine Studie eingegriffen, um die Forderung des Ministers, die islamischen Kindergärten zu schließen, zu untermauern. Das wurde publikumswirksam über Monate getrommelt.

Der Reihe nach: Der Integrationsminister gab bei Ednan Aslan von der Universität Wien eine Studie über islamische Kindergärten in Auftrag. Das Ergebnis gefiel ihm aber offenkundig nicht. Jedenfalls nahmen seine Ministerialbeamten (!) insgesamt 903 Änderungen vor, darunter gravierende inhaltliche. Und die erzielte man durch die selbst (!) formulierten „Zuspitzungen“:

  • So lobt Aslan in der Erstversion, dass Eltern ihre Kinder in Islamkindergärten „selbständig, respektvoll und liebevoll erzogen“ wissen wollen. Die Beamten verwandeln das ins Gegenteil: Die Eltern wollen ihre Kinder „vor dem moralischen Einfluss der Mehrheitsgesellschaft schützen“.
  • Aus dem Hinweis in der Erstfassung, in den Kindergärten würden „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln“ vermittelt wird: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden.“
  • Sätze wie „Sprache und Sprachförderung ist manchen Eltern das Allerwichtigste im Kindergarten“ streichen die Kurz-Getreuen im Ministerium einfach, ebenso wie der Hinweis auf exzellente Qualifikationen muslimischer Kinderpädagoginnen, die aus Deutschland nach Österreich gekommen sind. Stattdessen heißt es: „Aus Mangel an in Österreich ausgebildeten PädagogInnen werden häufig PädagogInnen aus den neuen EU-Staaten beschäftigt. In diesem Bereich klagen z. B. Eltern, dass dieses Personal die deutsche Sprache nicht gut beherrscht.“

Wenn das alles bei den Herrschaften vom OeAWI nur „für Rätselraten sorgt“ und für die Uni Wien gar „in Ordnung“ zu sein scheint, ist das deren Sache. Einer derartigen Arbeit die Wissenschaftlichkeit zuzugestehen, sorgt bei mir für „Rätselraten“: Es ist alles andere als in Ordnung, es ist ein Skandal. Zumal die Qualität der Studie von wissenschaftlicher Seite von Anfang an in Zweifel gezogen wurde: „Schwere Vorwürfe gegen Studienautor Aslan“. Und entgegen der Berichterstattung: Die Uni Wien hat das zwar nicht deutlich genug, aber immerhin doch gesagt: Die Aslan-Studie ist kein Rechtsbruch, aber halt doch „Nicht genügend“, wie es von Florian Klenk zusammengefasst wurde.

Um eines klar und deutlich zu sagen: Ganz sicher gibt es – auch – in Kindergärten und Schulen mit islamischen Betreibern Probleme. Ich habe darauf im Familien- und Unterrichtsausschuss mehrfach hingewiesen, Anfragen gestellt und Anträge eingebracht. Die Pauschalverurteilungen und Veränderungen einer Studie durch Beamte durch das Integrationsministerium aber sind skandalös und würden in anderen Staaten zu Rücktritten führen.

Der Umgang mit dieser Studie seitens des Integrationsministeriums kann jedenfalls nur als eines bezeichnet werden: als Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“
17. Juli 2017

Bei den Kindergärten ist Feuer am Dach!

17.07.17, 16:33 |Categories: Bildung, Integration|Tags: , |

Was wurde für den elementarpädagogischen Bereich nicht alles versprochen im „Regierungsübereinkommen 2013-2018“: ein bundesweiter Qualitätsrahmen sollte bis 2016 vorgelegt werden, das zweite kostenlose Kindergartenjahr sollte eingeführt werden und die Prüfung der Geldströme vom Bund zu Ländern und Gemeinden im Rahmen des Finanzausgleichs. Nichts von alledem wurde verwirklicht. Dass die Regierung auch in anderen Bereichen versagt hat, ist da wenig tröstlich.

Doch jetzt wird die Situation langsam dramatisch: Es ist Feuer am Dach! Denn ab Ende dieses Jahres bis Sommer 2018 laufen gleich drei die Bund-Länder-Vereinbarungen für eine zusätzliche Dotierung der Elementarpädagogik aus. Ländern und Gemeinden fehlen dann 575 Millionen Euro: 305 Millionen für den Ausbau, 60 Millionen für Sprachförderung und 210 Millionen für das Gratis-Kindergartenjahr.

Ich habe heute im Rahmen einer Pressekonferenz auf diese Gefahr hingewiesen.
Von dringend notwendigen Maßnahmen wie dem – im Regierungsvortrag vom November 2015 – ebenfalls versprochenen bundesweiten Qualitätsrahmen für Elementarpädagogik, einer Verbesserung der Ausbildung der KindergartenpädagogInnen wie bei LehrerInen zumindest auf einer Pädagogischen Hochschule oder einem Rechtsanspruch auf Krippenplatz ab erstem Geburtstag erst gar nicht zu sprechen.

Da geht es um Öffnungszeiten der Kindergärten ebenso wie um die – insbesondere in den westlichen Bundesländern – vielen Schließtage, da geht es um den Betreuungsschlüssel von Kindern pro PädagogIn, da geht es um ein warmes Mittagessen usw.

Und ja: Ich drücke mich auch nicht vor der alles überlagernden Diskussion über die sogenannten „islamischen Kindergärten“. Sebastian Kurz hat das zu einem parteipolitischen Kampfthema gemacht, statt seinen eigentlichen Job zu erledigen: die Evaluierung der Sprachförderung. Dieses Thema wird unverständlicherweise (auch medial) vernachlässigt. Seit 2009 fehlt in Österreich eine Evaluierung der Sprachförderung, obwohl der dafür zuständige Integrationsminister ständig mangelnde Sprachkenntnisse der Kinder bei Schuleintritt beklagt. Aber er tut nichts dafür, die Qualität der Sprachförderung zu überprüfen, denn da liegt einiges im Argen.
Dass in Österreich ein Konzept für die Sprachförderung von den Kindergärten bis in die Schulen fehlt, sei hier nur am Rande erwähnt. Ich habe mehrfach darauf hingewiesen und auch Vorschläge gemacht: „So lernen alle Kinder Deutsch: unser Modell zur Sprachförderung!

Ein Wort zu den offenkundigen Problemen in den „islamischen“ Kindergärten in Wien. Hier muss gehandelt werden. Neben den zu verstärkenden Kontrollen durch fachkundige Personen ist für eine bessere Durchmischung (nach Herkunftssprachen) zu sorgen. Zwang wird nicht die Lösung sein, schon gar nicht die Verfrachtung von Kindern quer durch die Ortschaften. Bei mehreren nahegelegenen Einrichtungen ist jedoch auf eine bessere Verteilung zu achten. Zusätzlich werden Anreizssysteme – wie eine optimale Ausstattung von Kindergärten in Brennpunktlagen – dazu führen, dass jene Bedingungen eher gewährleistet sind, unter denen Kinder am besten lernen, nämlich voneinander.