19. April 2015

ElementarpÀdagogik in den Kinderschuhen

2015-04-19T15:55:11+02:0019.04.15, 11:08 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Harald-Walser_Wahlsujet-2Es ist schon ein Krampf mit der ElementarpĂ€dagogik, genauer mit der Politik dazu: Ausnahmslos sind sich ExpertInnen und Betroffene aus Theorie und Praxis einig, dass Österreich auch hier nachhinkt. Zwar hat sich in den letzten zehn Jahren einiges zum Positiven verĂ€ndert. Der Ausbau der KinderbetreuungsplĂ€tze schreitet rasant voran. Immerhin haben 23% der Kinder unter drei Jahren aktuell einen Krippenplatz. Die Erkenntnis, dass MĂŒtter und VĂ€ter nur dann einer BerufstĂ€tigkeit nachgehen können, wenn es ein flĂ€chendeckendes Angebot an Krippen- und KindergartenplĂ€tzen gibt, hat bewirkt, dass die Mittel fĂŒr den weiteren Ausbau deutlich erhöht wurden. Das ist erfreulich, aber als Bildungspolitiker vermisse ich die Debatte um die QualitĂ€t und die Konsequenzen aus den vielen Sonntagsreden zur „ersten Bildungseinrichtung“.

Von einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz sind wir noch meilenweit entfernt. Einheitliche QualitĂ€tskriterien scheitern am Widerstand der LĂ€nder. Daher muss der elementare Bildungsbereich endlich in Bundeskompetenz ĂŒbernommen werden. Ebenso enttĂ€uschend verlief die Reform der PĂ€dagogInnenausbildung. Anstatt eine verpflichtende Ausbildung aller PĂ€dagogInnen auf Hochschulniveau einzufĂŒhren, lĂ€sst man die Ausbildung an den BAKIPs unverĂ€ndert und schafft lediglich die Möglichkeit eines Studiums. Die Weiterentwicklung einzelner PĂ€dagogInnen und LeiterInnen ist zu begrĂŒĂŸen, aber das ist bestenfalls ein Etappenziel, denn in Schulen hat auch nicht nur der Direktor oder die Direktorin studiert, sondern das gesamte Lehrpersonal.
NatĂŒrlich geht es in all diesen Fragen ums Geld. Österreich gibt gerade einmal 0,43% des BIP fĂŒr frĂŒhkindliche Bildung aus und liegt damit unter dem OECD-Schnitt von 0,49%. In DĂ€nemark sind die Ausgaben drei Mal so hoch. Es wird Zeit, dass auch unsere Regierung erkennt, dass sich Investitionen im elementaren Bildungsbereich auszahlen. Kinder, die schon möglichst frĂŒh in ihrer Entwicklung gut unterstĂŒtzt werden, werden es auf ihrem weiteren Bildungsweg leichter haben und – wenn es schon ums Geld geht – spĂ€ter weniger Kosten verursachen. So gesehen, befindet sich die Entwicklung der ElementarpĂ€dagogik bei uns noch in den Kinderschuhen.

Am 29. Juni wird in Salzburg die große Fachtagung zur ElementarpĂ€dagogik â€žWissenschaft trifft Praxis“ stattfinden. Ich freue mich auf die Gelegenheit, mich dort mit ExpertInnen aus allen Richtungen austauschen und meine Sicht als Bildungspolitiker darlegen zu können.

10. April 2015

„Kein Kaputtsparprogramm im Bildungsbereich!“

2015-04-14T11:02:14+02:0010.04.15, 11:27 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

SparschweinUnter diesem Titel habe ich heute zu den PlÀnen von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek Stellung bezogen und davor gewarnt, sich von Finanzminister Hans Jörg Schelling erpressen zu lassen.
Zum Handkuss kommen LehrerInnen und SchĂŒlerInnen, wenn sich das bisherige mangelnde Durchsetzungsvermögen der Bildungsministerin gegenĂŒber dem Finanzminister nicht endlich ins Gegenteil verkehrt und einem entschiedenen Auftreten weicht. Es braucht endlich konkrete Schritte in Richtung Schul- und Bildungsreform. Was derzeit passiert, sind Panikreaktionen wegen eines völlig aus dem Ruder gelaufenen Unterrichtsbudgets. Vor dem Finanzdesaster warne ich seit ĂŒber einem Jahr mit sehr prĂ€zisen Zahlen zur budgetĂ€ren Unterdotierung („Bildungsbudget: Retten, was zu retten ist!“). Gegenmaßnahmen oder gar Strukturreformen? Fehlanzeige! Nun sollen die Lehrerinnen und Lehrer die Zeche bezahlen.
Wir haben große Einsparungsmöglichkeiten, leisten wir uns in Österreich doch eine sĂŒndteure Schulverwaltung, das Nebeneinander von drei Schultypen und ein ineffizientes Inspektionssystem – keines dieser Probleme wurde auch nur annĂ€hrend angegangen. Das ist fahrlĂ€ssig.
Mit Ho-Ruck-Aktionen kommen wir nicht weiter: Was kommt nĂ€chstes oder ĂŒbernĂ€chstes Jahr, wenn zu den jĂ€hrlichen strukturellen Steigerungen noch die gestundeten Mietzahlungen an die BIG fĂ€llig werden?
Wir brauchen entschiedene Schritte zu einer Gesamtreform des Bildungswesens in Österreich. Da ist auch die ÖVP gefordert, die endlich ihre Blockadehaltung aufgeben muss. Die VorschlĂ€ge fĂŒr eine einheitliche Schulverwaltung liegen auf dem Tisch, die Vorteile einer Gemeinsamen Schule sind nicht von der Hand zu weisen, nur die Umsetzung muss nun endlich in Angriff genommen werden. Mit uns GrĂŒnen wird es kein Kaputtsparprogramm im Bildungsbereich geben.

1. April 2015

Vorwissenschaftliche Arbeit: Das Ministerium lenkt ein

2015-04-01T13:14:25+02:0001.04.15, 13:08 |Kategorien: Bildung|Tags: , , |

ZentralmaturaEs passiert ja nicht jeden Tag, dass Ministerien etwaige Fehler eingestehen und daraus auch noch die richtigen Konsequenzen ziehen. Aber, gute Nachricht, im Fall der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) und den widersprĂŒchlichen Angaben auf der ministeriumseigenen Website zum Mindestumfang der Arbeit ist es passiert.

Ich habe im JĂ€nner nach einem Hilferuf eines SchĂŒlers eine Parlamentarische Anfrage gestellt, um Ministerin Heinisch-Hosek auf die MissstĂ€nde aufmerksam zu machen und um eine Lösung im Sinne der SchĂŒlerInnen anzuregen. Jetzt kam die Antwort der Ministerin: Wie die Arbeit nun konkret auf den erforderlichen Umfang hin bewertet wird, bleibt den LehrerInnen ĂŒberlassen: „Auch Unter- und Überschreitungen bilden kein ‚K.O. – Kriterium’. Die Verantwortung fĂŒr die Beurteilung der Arbeit (inkl. PrĂ€sentation und Diskussion) liegt bei der betreuenden Lehrkraft.“

Dass auf der Informationsseite des Ministeriums unzureichende bzw. widersprĂŒchliche Vorgaben gemacht wurden, bedauert das Ministerium: „Die auf der Seite publizierten bzw. publiziert gewesenen inkongruenten Informationen zu Fußnoten werden ausdrĂŒcklich bedauert.“ Und: „Das bedeutet, dass fĂŒr den kommenden Maturatermin unter Anwendung des Grundsatzes des VertrauensverhĂ€ltnisses die fĂŒr die SchĂŒlerin bzw. den SchĂŒler gĂŒnstigere Lösung zu wĂ€hlen sein wird.“ Gut so!

FĂŒr die kommenden Jahre empfehle ich den Verantwortlichen im Bildungsministerium allerdings dringend folgende Revisionen:

  • eine deutliche Vereinfachung der formalen Vorgaben und damit auch eine Angleichung an die gĂ€ngige universitĂ€re Praxis (welche/r UniversitĂ€tslehrende kĂ€me auf die Idee, die Anzahl der Fußnotenzeichen zu erheben und dann auch noch zu differenzieren, welche in den Umfang der Arbeit eingerechnet werden und welche nicht?)
  • eine Verringerung des Umfangs: An den UniversitĂ€ten werden fĂŒr Seminararbeiten in der Regel (zumindest in den geisteswissenschaftlichen FĂ€chern) um die 20 Seiten verlangt (was in etwa 50.000 Zeichen entspricht). Die Schule hat die Aufgabe, SchĂŒlerInnen an die Anforderungen der Hochschulen heranzufĂŒhren, aber nicht, Arbeiten zu verlangen, die in den formalen Vorgaben ĂŒber universitĂ€re Anforderungen teilweise sogar hinausgehen.
  • VerĂ€nderung des Abgabedatums: Die Fertigstellung der Arbeiten muss nach den Semesterferien erfolgen, also in einer Zeit, wo die SchĂŒlerInnen mit dem Abschluss der 8. Klasse und mit der Vorbereitung auf die Matura voll gefordert sind. Es wĂ€re daher zu ĂŒberlegen, mit der Ausgabe der Themen und dem Abgabedatum um einige Monate nach vor zu rĂŒcken, um von den SchĂŒlerInnen Druck wegzunehmen.

Es wird nun umgehend zu evaluieren sein, wie die Resultate der Vorwissenschaftlichen Arbeit ausgefallen sind: Wie viele SchĂŒlerInnen haben die Fertigstellung der Arbeit zeitgerecht geschafft, wie viele sind gescheitert, worin lagen etwaige Probleme und welche SchlĂŒsse sind daraus zu ziehen? Hier gilt: Auf Lehrende aus der Praxis und auf SchĂŒlerInnen hören und deren RĂŒckmeldungen ernst nehmen. Bitte, danke!

FĂŒr die „GrĂŒne Schule“ gilt: „Kein Kind zurĂŒcklassen!“

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr


Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


Zur Seite des Parlaments


Downloads