30. Mai 2014

Vertagungsorgie im Unterrichtsausschuss!

2014-05-30T10:55:00+02:0030.05.14, 10:55 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Da wendet sich der Gast mit Grausen. Oder der Wähler! Und wohl auch die Wählerin!

Was machen die PolitikerInnen eigentlich so den ganzen Tag? Die Frage stellt sich so mancher. Und zwar zu Recht, schließlich findet ein beachtlicher Teil der Arbeit der PolitikerInnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Parlamentarischen Ausschüssen statt. In Ausschüssen werden Regierungsvorlagen, Anträge der Oppositionsparteien, Bürgerinitiativen und Petitionen verhandelt und – theoretisch – darüber abgestimmt. Ich sage „theoretisch“, denn in der Praxis wird zwar über Regierungsvorlagen abgestimmt, Anträge der Oppositionsparteien und BürgerInnenanliegen dagegen werden vertagt. So auch im Unterrichtsausschuss diese Woche, bei dem 17 Anträge und Bürgerinitiativen in Verhandlung standen. Ein Überblick aus der Sitzung in dieser Woche:

• TOP 4) Antrag Rosenkranz (FPÖ): Einrichtung weisungsfreier Ombudsstellen für Schüler und deren Eltern (370/A(E))

Vertagungsantrag durch Elmar Mayer (SPÖ)

• TOP 5) Antrag Walser (Grüne): Schaffung von Schulombudsstellen für Schüler/innen und Eltern (324/A(E))

Vertagungsantrag durch Elmar Mayer (SPÖ)

• TOP 6 Antrag Walser (Grüne): Inklusiver Unterricht durch Anhebung der SPF-Quote (435/A(E))

Vertagungsantrag durch Marianne Gusenbauer-Jäger (SPÖ)

• TOP 7 Antrag Strolz (Neos): Umsetzung der Vorschläge des Rechnungshofes zur Verwaltungsreform (379/A(E))

Vertagungsantrag durch Marianne Gusenbauer-Jäger (SPÖ)

• TOP 8 Antrag Strolz (Neos): Reform der Schulverwaltung (380/A(E))

Vertagungsantrag durch Marianne Gusenbauer-Jäger (SPÖ)

• TOP 9 Bürgerinitiative: „Finanzielle Gleichstellung der Schulen in freier Trägerschaft mit den konfessionellen Privatschulen. Gleichheit für alle Schulkinder!“ (2/BI)

Vertagungsantrag durch Manfred Hofinger (ÖVP)

• TOP 10 Antrag Walser (Grüne): Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft (421/A(E))

Vertagungsantrag durch Manfred Hofinger (ÖVP), obwohl er eigentlich dagegen sei. Es gebe ausreichend öffentliche Schulen, und daher sollten Schulen in freier Trägerschaft keinen gesetzlichen Anspruch auf Förderungen erhalten. Der Antrag sowie die Bürgerinitiative hätte er besser abgelehnt.

• TOP 11 Bürgerinitiative: „Wir wollen mitbestimmen“ – Bürgerinitiative für mehr Schüler/innenmitbestimmung und Schuldemokratie (3/BI)

Vertagungsantrag durch Asdin El Habassi (ÖVP)

• TOP 12 Bürgerinitiative: „Demokratie macht Schule – MEINE MEINUNG ist nicht wuascht!“ (4/BI)

Vertagungsantrag durch Asdin El Habassi (ÖVP)

• TOP 13 Bürgerinitiative: Direktwahl der Landes- und Bundesschülervertretung durch die Oberstufenschüler/innen der österreichischen AHS, BMHS und BS (11/BI)

Vertagungsantrag durch Asdin El Habassi (ÖVP). Obwohl die Bürgerinitiativen allesamt bereits 2009 eingebracht und in den Letzten Legislaturperiode in einem Unterausschuss behandelt wurden, möchte Asdin El Habassi das Thema Mitbestimmung von SchülerInnen weiter (!) diskutieren und stellt daher einen Vertagungsantrag.

• TOP 14 Bürgerinitiative: „Einführung eines eigenständigen Unterrichtsfaches ´Politische Bildung` an allen Schulen ab der 7. Schulstufe (3. Hauptschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium)“ (19/BI)

Vertagungsantrag durch Daniela Holzinger (SPÖ). Alle Abgeordneten sind sich einig, dass mehr politische Bildung in Schulen notwendig ist, auch um auf die zuletzt niedrige Wahlbeteiligung vor allem junger WählerInnen zu reagieren. Ausgerechnet die angeblich „kritische“ Daniela Holzinger, die jüngste Abgeordnete der SPÖ, stellte den Antrag.

• TOP 15 Antrag Rosenkranz (FPÖ): Redimensionierung des Bundesinstituts für Bildungsforschung und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) (441/A(E))

Vertagungsantrag durch Andrea Gessl-Ranftl (SPÖ)

• TOP 16 Antrag Walser (Grüne): Durchführung der Zentralmatura durch das Bundesministerium für Bildung und Frauen (420/A(E))

Andrea Gessl-Ranftl (SPÖ)

• TOP 17 TOP 17 Walser (Grüne): indexbasierte Mittelzuwendung für Schulen zur individuellen Förderung (427/A(E))

Vertagungsantrag durch Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP)

• TOP 18: Antrag Walser (Grüne): Durchsetzung der Änderung der Landeslehrer-Controllingverordnung (424/A(E))

Vertagungsantrag durch Elisabeth Grossmann, Bildungssprecherin der SPÖ. Walter Rosenkranz (FPÖ) würde meinen Antrag gerne unterstützen – wie auch Neos-Chef Matthias Strolz – und damit der Bildungsministerin (SPÖ) für ihre Verhandlungen mit den Bundesländern den Rücken stärken. Die Regierung will keine Rückenstärkung, scheint in den Verhandlungen mit den Bundesländern stark genug zu sein.

• TOP 19 Antrag Walser (Grüne): Bildungstests fortführen (286/A(E)) und

Vertagungsantrag durch Brigitte Jank, Bildungssprecherin der ÖVP

• TOP 20 Antrag Strolz: Ermöglichung der Durchführung der PISA-Studie 2015 (381/A(E))

Vertagungsantrag durch Brigitte Jank, Bildungssprecherin der ÖVP. Begründung: Der am 20.5.2014 von mir eingebrachte Antrag sei sowas von obsolet, weil ja PISA doch durchgeführt wird. Warum sie dann einen Vertagungsantrag stellt, statt den Antrag zusammen mit jenem meines Kollegen Matthias Strolz abzulehnen, verrät sie nicht.

Tatsache ist, dass mit Vertagungen die Anträge der Opposition und BürgerInnenanliegen in der Schublade verschwinden. Eine Ablehnung würde nämlich dazu führen, dass das Thema im Plenum des Nationalrats behandelt werden müsste. Und diese öffentliche Auseinandersetzung scheuen die VertreterInnen der Regierungsparteien.

Nur zur Erinnerung: Es geht im Bildungsbereich um unsere Kinder und Jugendlichen. Es geht um die Zukunft. Für die „Grüne Schule“ gilt daher: „Kein Kind zurücklassen!“

15. Mai 2014

BIFIE: Politik raus – Sachverstand rein!

2014-05-15T12:40:00+02:0015.05.14, 12:40 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Nun haben die beiden BIFIE-Direktoren also von der Ministerin die seidene Schnur überreicht bekommen („Notbremse gezogen“), eine weitere ministerielle Ho-Ruck-Aktion. Es ist allerdings das letztmögliche Bauernopfer vor der Frage, wer denn die politische Verantwortung für die Pleiten-, Pech- & Pannen-Serie der letzten Wochen trägt.

Ausgelöst wurde diese – und das sollte man sich in Erinnerung rufen und das wurde auf diesem Blog mehrfach erwähnt – durch unüberlegte Maßnahmen der Ministerin:

o Sie konstruierte eine Datenleck-Affäre, die es nicht gab. Am BIFIE waren die Daten zu jeder Zeit sicher.

o Vertreter ihres Ministeriums haben eine Datensicherheitsüberprüfung im Herbst im Aufsichtsrat verhindert.

o Die Ministerin hat vorschnell einen Testungsstopp befohlen und die Vorbereitungen für die Zentralmatura wochenlang ausgesetzt.

o Der dadurch entstandene Zeitdruck für die schriftliche Matura (neue Themenstellungen, Neudruck der 94.000 Fragebögen in kürzester Zeit an Sonn- und Feiertagen, …) hat zu einem Versagen der Kontrollen wegen Überlastung des Personals geführt.

o Rechtswidrige Weisungen an das Direktorium (BIFIE Gesetz 2008) haben die Situation verschärft.

Natürlich sind auch am BIFIE zusätzliche Fehler gemacht worden (schlechte Kommunikation etwa was die Beurteilungsschlüssel anbelangt, die Themenstellung im Fach Deutsch, …), aber mit vorschnellem Köpferollen ist niemandem gedient. Es muss endlich Ruhe einkehren, die MitarbeiterInnen an den BIFIE-Standorten müssen ihren Job professionell erledigen können und der Neuaufbau sollte behutsam in Angriff genommen werden.

In einer – wie man sieht sehr gut besuchten – Pressekonferenz habe ich für die Zukunft des BIFIE Folgendes gefordert und gleichzeitig eine Anfrage an die Ministerin (< file name="Pannen-bei-der-Zentralmatura" >) eingebracht:

o Bildungsstandards-Überprüfungen und die Zentralmatura dürfen nicht in Frage gestellt werden!

o Die rot-schwarzen Proporzbestellungen müssen endlich ein Ende haben!

o Das BIFIE muss unter eine Leitung gestellt werden!

o Ein Standort in Salzburg ist ausreichend, der Standort in Wien kann zu einem Kompetenzzentrum umgebaut werden und soll künftig als nachgeordnete Dienststelle des Ministeriums die Zentralmatura durchführen.

Und bevor wir es vergessen eine Erinnerung an alle Beteiligten: Es geht eigentlich auch in diesem Zusammenhang um unsere Kinder! Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

12. Mai 2014

Zentralmatura: Politik in der Verantwortung!

2014-05-12T12:15:00+02:0012.05.14, 12:15 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Sehen wir es positiv: Der „(Notfall-)Plan B“ hat bei der heurigen Matura funktioniert, alle KandidatInnen konnten die schriftliche Prüfung am vorgesehenen Tag schreiben, die Pannen wurde behoben.

Jetzt geht es an die Ursachenforschung: Wie konnte das passieren? Ich habe in den letzten Tagen mit vielen direkt und indirekt Beteiligten gesprochen. Was sich herauskristallisiert: Die unüberlegte und vorschnelle Reaktion der Ministerin nach der „Datenleck-Affäre“ („Dringliche Anfrage“ zum BIFIE im Parlament!) hat den Druck auf alle Beteiligten enorm erhöht: Die (gar nicht mögliche) „Absage“ der sogenannten „Zentralmatura“ und die Rücknahme dieser Ankündigung haben den Vorbereitungszeitraum sowohl am BIFIE als auch in der Druckerei stark eingeschränkt. Nur durch Sonntags- und Wochenendschichten war es überhaupt möglich, die 94.000 Testhefte zeitgerecht zu drucken, worunter die Kontrollschleifen naturgemäß gelitten haben. Fehler gab es bei – aufgerundet – 0,13 Prozent der Hefte. Der Fehler passierte in der Druckerei offenkundig am Ostermontag. So etwas darf nicht passieren, es ist aber kontraproduktiv, den Druck auf alle Beteiligten unnötigerweise so zu erhöhen, dass die Gefahr von Fehlern automatisch steigt.

Die mangelhafte Kommunikation der veränderten Bewertungsschlüssel für die Englisch- und Französischmatura ist zu kritisieren, scheint aber ebenso wie die Peinlichkeit bei einer Aufgabenstellung der Deutsch-Zentralmatura (Interpretation des Prosatextes „Die Schnecke“ von Manfred Hausmann aus dem Jahr 1947) und die jetzige Panne in Mathematik das Ergebnis der ministeriellen Ho-Ruck-Politk zu sein.

Ich werde diesbezüglich von der Ministerin Aufklärung verlangen. Wissen möchte ich auch, ob für die auf das nächste Jahr verschobene Standards-Überprüfungen rechtzeitig grünes Licht gegeben wird. Und wissen möchte ich nicht zuletzt, warum man sich im Ministerium ahnungslos gibt, wo doch VertreterInnen des BMBF in der Steuerungsgruppe für die Zentralmatura sitzen und jederzeit über alles informiert waren. Oder gibt es diese Steuerungsgruppe gar nicht (mehr)?

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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