20. August 2015

Auschwitz und Österreich

2015-08-20T17:36:52+02:0020.08.15, 9:24 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: |

AuschwitzMit den Morden und dem unfassbaren Kulturbruch, der mit dem Namen des Konzentrationslagers Auschwitz verbunden ist, bin ich kurz nach meinem Studium zweimal konfrontiert worden. Einmal durch eigene Forschungen als junger Historiker ĂŒber das Leben meiner Vorarlberger Landsfrau Maria Stromberger, die als Krankenschwester im SS-Revier gearbeitet und sich dort der Widerstandsorganisation anschlossen hat. Sie wurde von den HĂ€ftlingen als „Engel von Auschwitz“ bezeichnet.

Andererseits durch die Reaktionen – hauptsĂ€chlich von Eltern –, als ich mit einer Klasse das TheaterstĂŒck „Die Ermittlung“ des Dramatikers Peter Weiss gelesen habe. Dieses StĂŒck thematisiert den heute vor 50 Jahren mit der UrteilsverkĂŒndung beendeten legendĂ€ren „Auschwitz-Prozess“ in Frankfurt am Main.

Heute vor 50 Jahren endete mit der UrteilsverkĂŒndung der Frankfurter „Auschwitz-Prozess“. Er hat die Sicht auf den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg nachhaltig verĂ€ndert. In Österreich – wie leider fast immer – mit etwas Zeitverzögerung.

Die Bedeutung dieses Prozesses ist kaum zu ĂŒberschĂ€tzen. Die Werte der Adenauer-Republik waren fĂŒr einen großen Teil insbesondere der jungen Intellektuellen nicht mehr akzeptabel, Deutschland insgesamt aber noch kaum bereit, den Holocaust aufzuarbeiten. Der Prozess selbst kam ja erst ins Rollen, weil ein ehemaliger SS-PolizeifĂŒhrer auf Wiederherstellung seines Beamtenstatus klagte. Bei diesem Prozess wurden die Exekutionen seines Kommandos bekannt.

Das fĂŒhrte zum „Ulmer Einsatzgruppenprozess“ von 1958 und zur Einrichtung der Zentralstelle zur Ermittlung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Von 1963 bis 1965 dauerte dann der aufsehenerregende Auschwitz-Prozess.

Ich konnte selbst noch mehrmals mit Hermann Langbein ĂŒber die Bedeutung des Prozesses sprechen. Er war Journalist, ehemaliger LagerhĂ€ftling und Vorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees. Ihm gelang es, dass auch in Österreich Ermittlungen gegen ĂŒber 55 VerdĂ€chtige wegen Verbrechen im KZ Auschwitz eingeleitet wurden (Österreichische Auschwitzprozesse). Doch die österreichische Gesellschaft und vor allem die Justiz waren leider noch viel weniger bereit fĂŒr die Aufarbeitung als Deutschland. Nach elf (!) Jahren wurden vier (!) VerdĂ€chtige vor Gericht gestellt. 1972 wurden alle vier freigesprochen, darunter auch die von den Medien als „Baumeister des Massenmordes“ bezeichneten Walter Dejaco und Fritz Ertl.

Diese und die Ungeheuerlichkeit weiterer FreisprĂŒche haben schließlich auch in Österreich zu einem Umdenken gefĂŒhrt. Seit dem Jahre 2001 dokumentiert die am Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) und am Österreichischen Staatsarchiv angesiedelte Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz die Akten der justiziellen Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen in Österreich. Eine kurze Zusammenfassung findet sich hier: „KZ Auschwitz: Die Österreicher waren die Ärgsten“

Foto: Holocaust Education & Archive Research, http://www.HolocaustResearchProject.org, http://auschwitz17.blogspot.co.at/

26. Januar 2015

„Der Engel von Auschwitz“

2015-05-01T07:49:31+02:0026.01.15, 12:00 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

Maria-StrombergerDer heurige 27. JĂ€nner ist der 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Das muss Anlass sein, an das, was im Nationalsozialismus passiert ist zu erinnern, aber vor allem daraus die Lehren fĂŒr Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Österreich erwĂ€chst aus seiner Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus eine Bringschuld, die ĂŒber das bestĂ€ndige Erinnern deutlich hinausgeht. Das betrifft vor allem den Kampf gegen faschistische Denkweisen, Antisemitismus, Rassismus und Hetze jeglicher Art.
Es bedeutet aber auch, die Neugestaltung des seit Jahren brachliegenden Österreich-Pavillons in Auschwitz-Birkenau möglichst zĂŒgig durchzufĂŒhren. Ich habe heute daher besondere Anstrengungen von Österreich eingefordert, weil es darum geht, hier den österreichischen Beitrag in adĂ€quater Weise zu leisten. Auch bei der staatlichen GedenkstĂ€tte Mauthausen ist im Zuge der geplanten Reorganisation darauf zu achten, dass ein niederschwelliger Zugang und eine bestmögliche Vermittlungsarbeit gewĂ€hrleistet ist, da Mauthausen mit seinen Nebenlagern das zentrale Mahnmal an den Nationalsozialismus in Österreich darstellt.
Die Demokratie in Österreich ist aus der Niederlage des Nationalsozialistischen Regimes entstanden. Es ist heute unsere Verantwortung, sie zu gestalten und sich fĂŒr sie mit aller Kraft zu engagieren.
Gerade mit dem Konzentrationslager Auschwitz verbindet mich auch eine persönliche Geschichte. Der Kontakt mit einem großen Österreicher, Hermann Langbein, hat mich vor fast drei Jahrzehnten auf die Spur der Vorarlberger Krankenschwester Maria Strombeger gebracht. Langbein durchlitt verschiedene Konzentrationslager und war aktives Mitglied der Widerstandsgruppe in Auschwitz. Dort ĂŒberlebte er unter anderem Dank dieser bemerkenswerten Frau. Sie hat auch vielen anderen HĂ€ftlingen geholfen, intensiven Kontakt mit der Widerstandsbewegung unter den HĂ€ftlingen, Informationen aus dem Lager und Waffen in das Lager geschmuggelt. Wer mehr ĂŒber ihre Geschichte wissen möchte: „Der Engel von Auschwitz“ – Zum Wirken der Krankenschwester Maria Stromberger.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

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