23. Mai 2014

GedenkstÀtte Mauthausen: kein Ende des rot-schwarzen Proporzes in Sicht!

2014-05-23T13:43:00+02:0023.05.14, 13:43 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Auf den Umgang mit der GedenkstĂ€tte Mauthausen bin ich auf diesem Blog schon mehrfach eingegangen, zuletzt auf eine unbefriedigende Beantwortung meiner Anfrage durch die Innenministerin: „Mauthausen ist eine internationale GedenkstĂ€tte!“.

Nun liegt mir ein Gesetzesentwurf vor, der belegt, dass die Auslagerung der GedenkstÀtte aus dem ZustÀndigkeitsbereich des Innenministeriums unmittelbar bevorsteht. Im Mittagsjournal (GedenkstÀtte Mauthausen vor Auslagerung?) konnte ich heute zur derzeitigen Situation Stellung beziehen.

Im Prinzip kann man ĂŒber eine Auslagerung durchaus diskutieren.

Was mich am Vorschlag aber stört, ist die Tatsache, dass er das großkoalitionĂ€re Strickmuster fortschreibt – schwarzes BM.I und rotes Mauthausen-Komitee. Aus meiner Sicht muss Folgendes gewĂ€hrleistet sein:

‱ In der GedenkstĂ€tte Mauthausen darf kĂŒnftig der rot-schwarze Proporz keine Rolle mehr spielen.

‱ Die MuseumspĂ€dagogik muss als zentrale Aufgabe erkannt, entsprechend organisiert und dotiert werden.

‱ Die Finanzierung muss lĂ€ngerfristig gesichert sein (eventuell in Form einer Stiftung).

‱ Die parlamentarische Kontrolle muss gewĂ€hrleistet bleiben.

Eines muss festgehalten werden: In Österreich fehlt die Einbettung solcher Diskussionen in einen internationalen Zusammenhang, man hĂ€tte ja eventuell auch auf best practice-Modelle in Deutschland, den USA oder Israel zurĂŒckgreifen können.

Eines kenne ich aus dortigen GedenkstĂ€tten im Gegensatz zu jener in Mauthausen nĂ€mlich nicht: Noch immer ist es in der GedenkstĂ€tte Mauthausen so, dass BesucherInnen des zugĂ€nglichen AußengelĂ€ndes an den – leider immer noch existierenden – Schließtagen des Besucherzentrums nicht einmal eine Toilette zur VerfĂŒgung steht, was zu unhaltbaren Situationen fĂŒhrt. Es gibt nach wie vor großen Handlungsbedarf!

17. Mai 2014

Beispielhafter Umgang mit NS-Verbrechen in Gratkorn!

2014-05-17T17:43:00+02:0017.05.14, 17:43 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

Es gibt sie noch, die erfreulichen Nachrichten! Hier ist eine davon: Maximilian Tonsern, ein junger Journalismus-Student aus der Steiermark, recherchiert im Zuge einer Arbeit fĂŒr seine Ausbildung penibel ein StĂŒck Geschichte aus seinem Heimatort Gratkorn bei Graz: Es sind nur Soldaten da gewesen

Der Ort ist eher im GedĂ€chtnis durch seine Papierfabrik, auch Fußballfans kennen ihn – bislang weiß aber kaum jemand ĂŒber die Geschichte des Ortes im Nationalsozialismus.

Am 4. April 1945 mussten etwa 8.000 ungarische JĂŒdinnen und Juden, die zuvor zu Stellungsbauarbeiten am SĂŒdostwall zwangsverpflichtet waren, den Todesmarsch ins Konzentrationslager Mauthausen antreten. Tonsern notiert: „Zumindest eine Kolonne muss auch durch Gratkorn marschieren. ‚War ein Jude (…) vor Erschöpfung zusammengebrochen, so gab es fĂŒr ihn nur einen Genickschuß’, ist in der Chronik der Gendarmerie Gratkorn zu lesen.“

20 Juden und JĂŒdinnen gelang bei Gratkorn kurzfristig die Flucht; 14 wurden sofort aufgegriffen und hingerichtet. Sechs HĂ€ftlingen gelang es jedoch, in die Dult, einer damals dĂŒnn besiedelten Gegend bei Gratkorn, zu fliehen und sich dort zu verstecken. Eine Zeitzeugin berichtet in einem Interview mit Tonsern ĂŒber ihre Erinnerungen: um Nahrung bettelnde Menschen. Die SS-Division Wiking – an mehreren Kriegsverbrechen beteiligt – griff die FlĂŒchtlinge jedoch kurz nach der Flucht auf, erschoss sie und verscharrte die sechs Leichname neben einer Straßenkurve in der Dult.

Wie so oft in Österreich wurde auch ĂŒber dieses Verbrechen der Mantel des Schweigens gebreitet, es kursierten im Ort nur vage GerĂŒchte – zumindest bis jetzt. Erfreulicherweise ergriff nun Tonsern im Alleingang die Initiative, leistete die Recherchearbeiten und forderte ein Zeichen der Erinnerung seitens des Ortes. Tonsern nahm mit dem BĂŒrgermeister und dem Kulturreferenten von Gratkorn Kontakt auf und schildert: „Ich hatte heute erneut eine Begehung am Ort des damaligen Geschehens zwecks eines Gedenksteines. Erfreulicherweise steht dem Aufstellen eines Steines nichts mehr im Wege – und ĂŒber mangelnde UnterstĂŒtzung kann ich mich nicht beklagen.“

Alleine die Tatsache, dass sich die Gemeindevertretung problemlos fĂŒr einen Gedenkort ausspricht, ist schon erwĂ€hnenswert. Auf die Frage nach der Finanzierung der GedenkstĂ€tte antwortet Tonsern: „GrundsĂ€tzlich habe ich sehr frĂŒh UnterstĂŒtzung durch den Unternehmer Johann Pranzl gefunden, der sich gleich nach Erscheinen meiner Reportage bei mir gemeldet hatte und durch den das auch alles ein wenig ins Rollen kam. Ein Konzept fĂŒr einen Gedenkstein steht, einen KĂŒnstler haben wir ebenfalls gefunden. Von der Gemeinde brĂ€uchten wir eigentlich nur mehr einen relativ geringfĂŒgigen Finanzierungszuschuss.“

Ich möchte hier meine Hochachtung aussprechen: einerseits an die ZustĂ€ndigen in Gratkorn und vor allem an Maximilian Tonsern fĂŒr seine beispielhafte Initiative und seine BemĂŒhungen um das so wichtige „Niemals vergessen“!

21. MĂ€rz 2014

Gedenken an Wehrmachtsdeserteure in Goldegg!

2014-03-21T10:11:00+01:0021.03.14, 10:11 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

In Goldegg im Salzburger Pongau wurde am 2. Juli 1944 eine Gruppe von Wehrmachtsdeserteuren in einer beispiellosen Großaktion von Gestapo und SS ausgehoben: SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee.

Demnach waren ein tausend Mann starkes SS-Todesschwadron und eine Truppe von 60 Gestapo-Beamten im Einsatz. Sie durchsuchten bei der Aktion „Sturm“ den Ortsteil Weng, der damals aus 100 HĂ€usern bestand. Jeder Heustadl wurde mit Lanzen durchbohrt, jede AlmhĂŒtte, jeder Stall, jeder Hof durchsucht.

Seit Jahren gibt es eine Initiative, die fĂŒr ein angemessenenes Gedenken eintritt. Mit dabei unter anderem der Historiker Michael Mooslechner. In einem ExposĂ© (< file name="Gedenkstein-Goldegg" >) heißt es: „Die Verfolgungsaktion gegen Wehrmachtsdeserteure in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1944 ist österreichweit ohne Beispiel. Ca. 40 Personen wurden verhaftet, viele davon in Konzentrationslager eingeliefert, 14 Personen fanden den Tod. An die Geschehnisse erinnert in Goldegg nur das Marterl fĂŒr Simon und Alois Hochleitner am Weg vom Böndlsee zum Unterdorfgut. Es wurde im Jahr 2013 von der Familie erneuert. Was in Goldegg fehlt, ist ein symbolischer Erinnerungsort an alle, die damals zu Opfern nationalsozialistischer Gewalt geworden sind.“

Warum ich heute darauf verweise? Die Tochter des in Mauthausen erhĂ€ngten Deserteurs Karl Rupitsch, Frau Britigtte Höfert möchte nun im Hof des Schlosses Goldegg eine schlichte Gedenktafel an die vierzehn Toten verlegen lassen. Das Konzept fĂŒr den Epitaph hat der Kapruner KĂŒnstler Anton Thuswaldner sen. erarbeitet. Viele unterstĂŒtzen sie dabei, es gibt aber natĂŒrlich auch nicht wenige, denen so ein Gedenken nicht passt: Pressedokumentation zur Debatte in Salzburg.

DemnĂ€chst wird ĂŒber das Projekt abgestimmt. Hoffentlich positiv!

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr


Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


Zur Seite des Parlaments


Downloads