Mauthausen ist eine internationale GedenkstÀtte!
KĂŒrzlich habe ich eine umfangreiche parlamentarische Anfrage an die Innenministerin ĂŒber die ZustĂ€nde in der GedenkstĂ€tte Mauthausen gestellt. Inzwischen ist auch die Anfragebeantwortung durch das BM.I. eingetroffen.
Sie offenbart peinliche Defizite im Umgang mit der GedenkstĂ€tte Mauthausen, die ja nicht nur nationale, sondern internationale Bedeutung hat. Es gibt massiven Handlungsbedarf und ich werde in den kommenden Monaten und Jahren mit dem notwendigen Nachdruck an einer Verbesserung der unbefriedigenden ZustĂ€nde arbeiten. Nach wie vor fehlt ein Gesamtkonzept fĂŒr die internationale GedenkstĂ€tte Mauthausen und ein konkreter Zeitplan fĂŒr die schrittweise Umsetzung.
Meine Kritik im Einzelnen:
1. Ăberlebende (Fragen 16 ff): Es wirkt zynisch, wenn das BM.I schreibt, diese wĂŒrden âempfangen, wie sie es selbst wĂŒnschenâ. Soll ein 90-jĂ€hriger Ăberlebender vor dem Besuch schon psychologischen Beistand einfordern? Es ist eine Pflicht der Republik fĂŒr angemessene Betreuung zu sorgen, es ist eine Bringschuld der Republik und keine Holschuld der Opfer. Hier wird verwaltet und nicht Verantwortung wahrgenommen!
Zudem wird zugegeben, dass es keine psychosoziale Betreuung gibt. Was passiert, wenn es wĂ€hrend eines Besuches Retraumatisierung gibt? Warum wird eine Kooperation mit ESRA nicht aktiv angestrebt? Sie ist auf die Arbeit mit Ăberlebenden der NS-Verfolgung und deren Nachkommen spezialisiert.
2. Finanzierung (Frage 37): Die Finanzierung ist offenkundig nicht gesichert. Derzeit wird heftig ĂŒber die KĂŒrzung von Ermessensausgaben diskutiert und es besteht die Gefahr, dass auch die GedenkstĂ€tte betroffen ist, zumal das BM.I 38,44 Millionen ⏠weniger zur VerfĂŒgung hat.
3. Audioguides (Frage 13 ff): In Mauthausen gab es HĂ€ftlinge aus 68 Staaten, Audioguides gibt es gerade einmal auf Deutsch und Englisch: Das ist nicht akzeptabel fĂŒr ehemalige HĂ€ftlinge, die aus Frankreich, Polen, Israel oder Spanien nach Mauthausen kommen.
4. Gedenkonzept: Es ist ein Armutszeugnis, wenn das BM.I zugibt, dass bereits seit fĂŒnf Jahren an einem âRahmenkonzeptâ gearbeitet wird (Frage 33), es bislang aber noch nicht einmal den Schimmer einer Idee gibt, in welche Richtung sich die GedenkstĂ€tte in organisatorischer Hinsicht entwickeln soll (frage 32). Gibt es dazu ĂŒberhaupt keine Vorstellung im BM.I oder will man nur nicht antworten? Wer soll in die Entwicklung der Organisationsform einbezogen werden? Die Beantwortung dieser Frage (Nr. 34) kann ich nur als Provokation verstehen.
5. SchlieĂtage (Frage 6): Das BM.I hat offenkundig keinen genauen Ăberblick, denn es gab in der Vergangenheit mehr SchlieĂtage als den angegebenen 19. Dezember. Das Hauptproblem aber ist die mangelhafte Ăffentlichkeitsarbeit: SchlieĂtage insgesamt sind bei einer GedenkstĂ€tte von internationaler Bedeutung nicht akzeptabel. Sie ĂŒber âOberösterreich-Tourismusâ und âLinz-Tourismusâ sowie die Homepage zu kommunizieren, zudem sicher zu wenig. Ăltere Besucher vor allem aus dem Ausland gehen selbstverstĂ€ndlich davon aus, dass die GedenkstĂ€tte ihre Ăffnungszeiten einhĂ€lt. Dasselbe gilt fĂŒr Schulen etc., die bei Wienwochen Besuche oft langfristig planen mĂŒssen. Aktuell wird gerade fĂŒr den 11. MĂ€rz wieder ein SchlieĂtag angekĂŒndigt.
6. Figl-Denkmal (Fragen 38-45): Es kann nicht sein, dass es keine Richtlinien fĂŒr die Errichtung von Denk- und Mahnmalen auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Konzentrationslagers gibt. Hier gibt es offenkundigen Handlungsbedarf, da derzeit nur einflussreiche und finanzkrĂ€ftige Einflussgruppen die Möglichkeit haben, ihre diesbezĂŒglichen Interessen durchzusetzen. Gelten hier groĂkoalitionĂ€re Befindlichkeiten und nicht das in etlichen anderen Punkt angesprochene zu erarbeitende groĂe Konzept fĂŒr die gesamte GedenkstĂ€tte?
Noch immer ist es ĂŒbrigens so, dass Besucherinnen an den SchlieĂtagen nicht einmal eine Toilette zur VerfĂŒgung steht, was zu unhaltbaren Situationen fĂŒhrt. Es gibt Handlungsbedarf!
Ăber diesen bewegenden Film von Walter Manoschek, habe ich schon einmal berichtet (