22. Februar 2014

Mauthausen ist eine internationale GedenkstÀtte!

2014-02-22T10:50:00+01:0022.02.14, 10:50 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

KĂŒrzlich habe ich eine umfangreiche parlamentarische Anfrage an die Innenministerin ĂŒber die ZustĂ€nde in der GedenkstĂ€tte Mauthausen gestellt. Inzwischen ist auch die Anfragebeantwortung durch das BM.I. eingetroffen.

Sie offenbart peinliche Defizite im Umgang mit der GedenkstĂ€tte Mauthausen, die ja nicht nur nationale, sondern internationale Bedeutung hat. Es gibt massiven Handlungsbedarf und ich werde in den kommenden Monaten und Jahren mit dem notwendigen Nachdruck an einer Verbesserung der unbefriedigenden ZustĂ€nde arbeiten. Nach wie vor fehlt ein Gesamtkonzept fĂŒr die internationale GedenkstĂ€tte Mauthausen und ein konkreter Zeitplan fĂŒr die schrittweise Umsetzung.

Meine Kritik im Einzelnen:

1. Überlebende (Fragen 16 ff): Es wirkt zynisch, wenn das BM.I schreibt, diese wĂŒrden „empfangen, wie sie es selbst wĂŒnschen“. Soll ein 90-jĂ€hriger Überlebender vor dem Besuch schon psychologischen Beistand einfordern? Es ist eine Pflicht der Republik fĂŒr angemessene Betreuung zu sorgen, es ist eine Bringschuld der Republik und keine Holschuld der Opfer. Hier wird verwaltet und nicht Verantwortung wahrgenommen!

Zudem wird zugegeben, dass es keine psychosoziale Betreuung gibt. Was passiert, wenn es wĂ€hrend eines Besuches Retraumatisierung gibt? Warum wird eine Kooperation mit ESRA nicht aktiv angestrebt? Sie ist auf die Arbeit mit Überlebenden der NS-Verfolgung und deren Nachkommen spezialisiert.

2. Finanzierung (Frage 37): Die Finanzierung ist offenkundig nicht gesichert. Derzeit wird heftig ĂŒber die KĂŒrzung von Ermessensausgaben diskutiert und es besteht die Gefahr, dass auch die GedenkstĂ€tte betroffen ist, zumal das BM.I 38,44 Millionen € weniger zur VerfĂŒgung hat.

3. Audioguides (Frage 13 ff): In Mauthausen gab es HĂ€ftlinge aus 68 Staaten, Audioguides gibt es gerade einmal auf Deutsch und Englisch: Das ist nicht akzeptabel fĂŒr ehemalige HĂ€ftlinge, die aus Frankreich, Polen, Israel oder Spanien nach Mauthausen kommen.

4. Gedenkonzept: Es ist ein Armutszeugnis, wenn das BM.I zugibt, dass bereits seit fĂŒnf Jahren an einem „Rahmenkonzept“ gearbeitet wird (Frage 33), es bislang aber noch nicht einmal den Schimmer einer Idee gibt, in welche Richtung sich die GedenkstĂ€tte in organisatorischer Hinsicht entwickeln soll (frage 32). Gibt es dazu ĂŒberhaupt keine Vorstellung im BM.I oder will man nur nicht antworten? Wer soll in die Entwicklung der Organisationsform einbezogen werden? Die Beantwortung dieser Frage (Nr. 34) kann ich nur als Provokation verstehen.

5. Schließtage (Frage 6): Das BM.I hat offenkundig keinen genauen Überblick, denn es gab in der Vergangenheit mehr Schließtage als den angegebenen 19. Dezember. Das Hauptproblem aber ist die mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit: Schließtage insgesamt sind bei einer GedenkstĂ€tte von internationaler Bedeutung nicht akzeptabel. Sie ĂŒber „Oberösterreich-Tourismus“ und „Linz-Tourismus“ sowie die Homepage zu kommunizieren, zudem sicher zu wenig. Ältere Besucher vor allem aus dem Ausland gehen selbstverstĂ€ndlich davon aus, dass die GedenkstĂ€tte ihre Öffnungszeiten einhĂ€lt. Dasselbe gilt fĂŒr Schulen etc., die bei Wienwochen Besuche oft langfristig planen mĂŒssen. Aktuell wird gerade fĂŒr den 11. MĂ€rz wieder ein Schließtag angekĂŒndigt.

6. Figl-Denkmal (Fragen 38-45): Es kann nicht sein, dass es keine Richtlinien fĂŒr die Errichtung von Denk- und Mahnmalen auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Konzentrationslagers gibt. Hier gibt es offenkundigen Handlungsbedarf, da derzeit nur einflussreiche und finanzkrĂ€ftige Einflussgruppen die Möglichkeit haben, ihre diesbezĂŒglichen Interessen durchzusetzen. Gelten hier großkoalitionĂ€re Befindlichkeiten und nicht das in etlichen anderen Punkt angesprochene zu erarbeitende große Konzept fĂŒr die gesamte GedenkstĂ€tte?

Noch immer ist es ĂŒbrigens so, dass Besucherinnen an den Schließtagen nicht einmal eine Toilette zur VerfĂŒgung steht, was zu unhaltbaren Situationen fĂŒhrt. Es gibt Handlungsbedarf!

23. Januar 2014

Film und Diskussion: „Dann bin ich ja ein Mörder!“

2014-01-23T09:37:00+01:0023.01.14, 9:37 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Über diesen bewegenden Film von Walter Manoschek, habe ich schon einmal berichtet (wer dem Link folgt, kommt auch zum Trailer). Am Donnerstag zeigt die GrĂŒne Bildungswerkstatt Wien den Film und lĂ€dt zur Diskussion:

„Dann bin ich ja ein Mörder!“ Film und PublikumsgesprĂ€ch

‱ Zeit: Donnerstag, 23. JĂ€nner 2014, 18.30 Uhr

‱ Ort: Schikaneder Kino, Margaretenstraße 24, 1040 Wien, Eintritt frei. (ZĂ€hlkarten an der Abendkassa: ‚first come, first serve‘)

Der Film schildert ein furchtbares Ereignis gegen Kriegsende: Am 29. MĂ€rz 1945 wurden im burgenlĂ€ndischen Deutsch SchĂŒtzen von drei SS-MĂ€nnern etwa 60 ungarisch-jĂŒdische Zwangsarbeiter erschossen. Einer der mutmaßlichen Mörder war der SS-UnterscharfĂŒhrer Adolf Storms, der fĂŒr diese Tat niemals zur Rechenschaft gezogen wurde. 63 Jahre nach der Tat gelang es Walter Manoschek, ihn zu interviewen. In den GesprĂ€chen mit Storms, mit tatbeteiligten HJ-FĂŒhrern und Juden, die das Massaker ĂŒberlebt haben, rekonstruiert der Film das Verbrechen und stellt Fragen nach dem Vergessen, dem VerdrĂ€ngen und der Verantwortung.

Besser als NobelpreistrĂ€gerin Elfriede Jelinek kann man es wohl nicht ausdrĂŒcken: „Ich finde diesen Film großartig, vor allem weil er so sachlich ist
 Manoschek weiß, wie er zu fragen hat, und er befragt einen TĂ€ter, der sich, obwohl seine Tat, die Ermordung von mindestens einem völlig Hilflosen auf dem Todesmarsch nach Mauthausen, von Zeugen bestĂ€tigt wird, von mehreren Zeugen sogar, an nichts erinnern kann
 Diese Dinge sind, da eben nicht von einem routinierten Filmemacher dargestellt, plötzlich ganz neu, von der Seite eines Wissenden betrachtet, in aller Klarheit, ohne NaivitĂ€t, sogar ohne DĂ€monisierung der TĂ€ter. Das ist eine große Kunst. Das ist bisher zu selten passiert, eben, wie gesagt, eine Darstellung ohne Eifer und ohne Zorn, von einem, der leidenschaftliche Teilnahme fĂŒr die Opfer hat, ohne die TĂ€ter ahistorisch zu verteufeln und zu dĂ€monisieren. Da versucht einer, der es weiß, trotzdem zu verstehen. Das ist sehr viel.“

Adolf Storms starb 2010.

5. Dezember 2013

Mauthausen ist keine „nationale Spielwiese“

2013-12-05T09:40:00+01:0005.12.13, 9:40 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , |

Mauthausen ist eine GedenkstĂ€tte internationalen Zuschnitts und keine nationale Spielwiese – an dieser Feststellung könnte man zweifeln, wenn man sich einige Vorkommnisse der letzten Zeit in Erinnerung ruft. Ich habe deshalb eine parlamentarische Anfrage an die Innenministerin gerichtet.

Vor allem stört mich eines: Die personelle Ausstattung in Mauthausen ist derart dĂŒrftig und hat sich seit der Umgestaltung zudem noch so verschlechtert, dass die gegenwĂ€rtige Situation zu einer internationalen Peinlichkeit ausgewachsen ist.

Es gibt etwa viel zu wenig Personal, bei den hauptamtlich BeschĂ€ftigten fehlt vor allem engschlischsprachiges Personal, Informationsmaterial ist nicht zugĂ€nglich, sogar WCs mĂŒssen geschlossen werden, … Nicht akzeptabel bei einer derart wichtigen GedenkstĂ€tte sind darĂŒber hinaus (geplante) Schließtage. Anscheinend soll es ab dem 1. August nĂ€chsten Jahres sogar einen fixen Schließtag geben, derzeit sind Schließtage „nur“ bei EngpĂ€ssen (etwa Krankentage etc.) angefallen. Wollen wir in Mauthausen wirklich Personalprobleme durch Schließtage „lösen“?

Zur „nationalen Spielweise“: Vor gut einem Jahr wurde in Mauthausen ein Denkmal fĂŒr den ehemaligen ÖVP-Bundeskanzler Leopold Figl eingeweiht. Um es klar und deutlich auszusprechen: Es geht mir nicht darum, ob Figl ein Denkmal erhalten soll oder nicht. Es mir vor allem um die Entscheidungsfindung fĂŒr ein Denkmal auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Konzentrationslagers. Wer hat es initiiert und genehmigt? Wie ist das abgelaufen, könnte da jedEr kommen, wie werden die PlĂ€tze zugeteilt?

Und generell: Derzeit fehlt eine Diskussion ĂŒber die nĂ€chsten Schritte der Weiterentwicklung der GedenkstĂ€tte, was sind die nĂ€chsten Schritte, wie schaut die zukĂŒnftige Organisationsform aus? Stichwort: Auslagerung, wissenschaftliche Leitung, internationale Beteiligung/Vernetzung … – alles immer im internationalen Vergleich und Austausch.

Eine geschlossene KZ-GedenkstĂ€tte von der Bedeutung Mauthausens ist fĂŒr Österreich jedenfalls nicht akzeptabel, verschlossene WCs fĂŒhren zu wirklich unhaltbaren Situationen etc. Es gibt dringenden Handlungsbedarf.

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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