Haus der Geschichte(n)
Wann und in welcher Form kommt denn nun das von jeder Regierung in den letzten eineinhalb Jahrzehnten angekĂŒndigte âHaus der Geschichteâ? Die Diskussion um dieses Museum wĂ€re schon selbst eine Ausstellung wert, denn sie reprĂ€sentiert ein StĂŒck typischer österreichischer Zeitgeschichte: vom Haus der Geschichte zum Haus der Geschichten.
Kanzleramtsminister Josef Ostermayer hat nun die Hofburg in Wien vorgeschlagen und dort konkret jenen GebĂ€udeteil, der auch das nunmehrige âWeltmuseumâ, das frĂŒhere Völkerkundemuseum, beherbergt.
Ein Blick ins Ausland lohnt sich: Die âStiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlandâ etwa betreibt drei Standorte: in Bonn (siehe Bild), Leipzig und Berlin. Die Ăbernahme dieses Konzepts hĂ€tte den Vorteil, dass nicht schon der Standort â alleiniges â Programm ist, denn die Hofburg steht wie wohl kaum ein anderes GebĂ€ude (mit Ausnahme von Schloss Schönbrunn) fĂŒr den imperialen Anspruch des in mehrfacher Hinsicht âalten Ăsterreichâ und atmet nichts von einem republikanischen Geist. Um dem vorzubeugen, wĂ€re ein Konzept, das mehrere Standorte vorsieht, anzudenken â etwa mit der GedenkstĂ€tte Mauthausen und dem Heldenplatz, der ja jetzt schon ein Freilichtmuseum der Geschichte ist, zusammen mit dem Karl-Marx-Hof und einem weiteren Objekt in einem Bundesland.
Schade ist, dass das vom damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in Auftrag gegebene Konzept fĂŒr das Haus der Geschichte (von Claudia Haas erstellt) nie das Licht der Ăffentlichkeit erblickt hat.
FĂŒr mich ist wichtig, dass es keinen hyperpatriotischen Zugang zu diesem Thema geben darf, sondern eine solide Aufarbeitung von Ăsterreichs Geschichte erfolgt. Derzeit sieht alles eher nach einer wenig ambitionierten zeithistorischen PflichtĂŒbung aus. Mit Schrecken erinnere ich an die vielfach kritisierte und aus meiner Sicht missglĂŒckte Ausstellung zum RepubliksjubilĂ€um im Jahr 2008 im Parlament, die von SchĂŒssels Haus- und Hofhistoriker Stefan Karner verantwortet wurde.
Das aktuelle Projekt erinnert speziell im Zusammenhang mit dem âredimensioniertenâ (= verkleinerten) Weltmuseum an einen budgetĂ€ren Notfallplan â einen Happen von der groĂen weiten Welt und dazu ein wenig Nabelschau. Eines wollen wir jedenfalls nicht: ein groĂkoalitionĂ€res Geschichts-Gemauschel mit entsprechender Postenvergabe an parteinahe Historiker! Historikerinnen sind da weniger anfĂ€llig.
