Ein „JĂ€gerhochsitz“ als „antifaschistischer Elchtest“!

2016-08-05T16:36:36+02:0005.08.16, 16:30 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , , |

Loibl_Schießstand„Mitten am GelĂ€nde des ehemaligen KZ-Loibl Nord in KĂ€rnten/KoroĆĄka steht ein Jagdhochsitz, die Schießluke ist direkt auf die ehemaligen HĂ€ftlingsbaracken gerichtet.“ Das berichtet die Initiative „Autonome Antifa KĂ€rnten/KoroĆĄka“, die vor dem Hochstand jĂŒngst eine Protestaktion unternommen und damit eine breitere Öffentlichkeit geschaffen hat. Ich habe das zum Anlass fĂŒr eine parlamentarische Anfrage genommen (Anfrage_KZ-GedenkstĂ€tte Loibl).

Das Lager am Loiblpass war ein berĂŒchtigtes Außenkommando des Konzentrationslagers Mauthausen. In den Jahren von 1943 bis 1945 wurden dort Menschen verschiedener nationaler Herkunft und Weltanschauung Opfer der NS-Politik: Belgier, Deutsche, Franzosen, Griechen, HollĂ€nder, Jugoslawen, Luxemburger, Norweger, Polen, Russen, Schweizer, Spanier, Tschechen und Ungarn jĂŒdischer Herkunft.

FĂŒr ĂŒber 30 HĂ€ftlinge der insgesamt mehr als 1.000 Deportierten bedeutete das „Vernichtung durch Arbeit“. Die HĂ€ftlinge mussten am Loiblpass den Tunnel graben. Daneben wurden KZ-HĂ€ftlinge vom Lagerarzt getötet und Opfer der sogenannten „Euthanasie“. Die Leichen der Ermordeten wurden auf einem Scheiterhaufen unter freiem Himmel verbrannt. Es sollten keine Spuren von den ermordeten Menschen ĂŒbrig bleiben.

Der Hochsitz befindet sich in einer Entfernung von etwa 30 Meter vom ehemaligen KZ-Wachturm. Mehrere Medien berichten darĂŒber: „JĂ€gerhochsitz bei KZ-GedenkstĂ€tte“.

Peter Gstettner vom Mauthausen Komitee KĂ€rnten/KoroĆĄka und vom Verein „erinnern.at“ und  ist seit lĂ€ngerer Zeit an diesem Thema dran und hat vor knapp einem Jahr die verantwortlichen Stellen in Wien und Klagenfurt darĂŒber informiert. Geschehen ist nichts.

Man ist gezwungen, es eigens zu betonen: Dieser Hochsitz muss umgehend abgebrochen werden. Sowohl Sobotka als auch Mikl-Leitner haben in den letzten Jahren immer wieder in Sonntagsreden einen wĂŒrdigen Umgang mit Zeugnissen der NS-Vergangenheit eingefordert. Jetzt muss der Innenminister den antifaschistischen Elchtest bestehen.

Die bisherigen Erfahrungen aber zeigen leider: Das Innenministerium bietet keine GewĂ€hr fĂŒr den erforderlichen sensiblen Umgang mit Erinnerungsorten in Österreich. Das habe ich zuletzt schon bei der Beschlussfassung des GedenkstĂ€ttengesetzes im Juli im Nationalrat betont und zuvor auf diesem Blog erlĂ€utert (GedenkstĂ€tte Mauthausen – ein „Proporz-Memorial“?). Herr Innenminister, Sie sind gefordert!