Erbschaftssteuer einfĂŒhren!
Vermögens- und Erbschaftssteuern sind in Ăsterreich ĂŒberfĂ€llig, um unser Steuersystem wieder halbwegs ausgeglichen zu gestalten. Denn derzeit trĂ€gt vor allem das oberste Prozent viel zu wenig zum Steueraufkommen bei. Unter dem Titel âBesteuert mich!â habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:
Marlene Engelhorn ist eine bemerkenswerte junge Frau. Sie erbt Millionen und hĂ€lt es fĂŒr ungerecht, dafĂŒr keine Steuer zu bezahlen: âIch habe fĂŒr mein Erbe keinen Tag gearbeitet und zahle keinen Cent dafĂŒr. Besteuert mich endlich.â
Die 30-JĂ€hrige engagiert sich fĂŒr eine gerechte Gesellschaft und mehr Verteilungsgerechtigkeit. Sie fordert, dass die Reichsten endlich Vermögens- und Erbschaftssteuern zahlen. Zuletzt sorgten steuerfreie Erbschaften in Milliardenhöhe von Heidi GoĂ«ss-Horten und Dietrich Mateschitz fĂŒr Aufsehen.
Verfassungswidrige Steuer?
Nur wenige fragen sich, warum es ausgerechnet in Ăsterreich keine Erbschaftssteuer gibt. In der ĂŒbrigen westlichen Welt sind sie eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Die ErklĂ€rung ist ganz einfach: 2008 wurde die damalige Steuer nach einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) abgeschafft â nebenbei bemerkt unter einem SPĂ-Kanzler.
Dabei hatte sich der VfGH keineswegs prinzipiell gegen Erbschaftssteuern ausgesprochen, sondern verwies nur darauf, dass die damalige Ausformung nach etlichen Reformen nicht mehr der Verfassung entspreche. Die ĂVP versprach, ĂŒber eine verfassungskonforme Neugestaltung zu sprechen. Seither wartet die Ăffentlichkeit darauf. Seit eineinhalb Jahrzehnten.
SPĂ-VorstoĂ
Nun hat letzte Woche in Sachen Erbschaftssteuer die SPĂ einen ĂŒberfĂ€lligen VorstoĂ gewagt. Er sieht sogar Verbesserungen fĂŒr âkleineâ Erbschaften unter einer Million Euro vor, denn von den Erben zu bezahlende allfĂ€llige Grunderwerbssteuern sollen entfallen. Bei höheren Erbschaften will Babler eine Steuer in Höhe von mindestens 25 Prozent â ĂŒbrigens weniger als in Deutschland. Laut SPĂ wĂ€ren bei Umsetzung ihres Vorschlags ganze zwei Prozent (!) der Erbschaften betroffen.
Wer zwei Kinder hat, kann somit ein Einfamilienhaus im Wert von einer Million, zusĂ€tzlich eine weitere Million in Form von Immobilien oder anderen Werten steuerfrei vererben. Die Erben wĂŒrden sogar weniger bezahlen als bisher.
Diskussion nicht in Sicht
Die Reaktion auf den SPĂ-VorstoĂ war allerdings ebenso erwartbar wie unerfreulich. Statt darĂŒber sachlich zu diskutieren, kam von ĂVP und FPĂ ein klares âNjetâ. Die Diskussion ist daher wohl so schnell beendet, wie sie begonnen hat â zum Leidwesen eines gerechten und ausgewogenen Steuersystems. Nur Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger hat am Samstag im ORF verhalten Diskussionsbereitschaft signalisiert.
Das Thema Erbschaftssteuer ist extrem emotional besetzt, und Argumente haben traditionell wenig Chancen, wenn sie auf GefĂŒhle treffen. Das trifft speziell auf jene Menschen zu, die zwar wenig zu vererben haben, aber groĂe Angst, dieses Wenige könnte verloren gehen. Die wirklich Reichen und Superreichen können sich also wohl auch diesmal wieder zufrieden zurĂŒcklehnen. Ihre Millionen werden auch in Zukunft nicht angetastet werden.
Marlene Engelhorn hat ĂŒbrigens angekĂŒndigt, 90 Prozent ihres Erbes zu spenden.
