Wien: Machtpolitik oder Zukunftsprojekt?
BĂŒrgermeister Ludwig kĂŒndigt also eine âZukunftskoalitionâ mit den Neos an. Sein gutes Recht. Dass ich damit keine Freude habe, ist eindeutig mein Problem. Der neoliberale Wind in Wien wird hoffentlich nur ein LĂŒftchen werden. Ob es Wien, der SPĂ und den Neos gut tun wird? Ein paar Anmerkungen meinerseits.
Man kann sich natĂŒrlich die Augen reiben, wenn eine zehnjĂ€hrige erfolgreiche Koalition, bei der beide Partner aus Wahlen gestĂ€rkt hervorgegangen sind, beendet wird. Aber so sind nun mal die Spielregeln einer Demokratie.
Die zentrale Frage lautet: Was ist die inhaltliche Botschaft, die nun von der Wiener SPĂ ausgesendet wird? Was soll die âZukunftskoalitionâ anders machen als die bisherige? Und warum war dieser Wechsel des Partners notwendig?
Die Bildungspolitik? Die Neos haben ja in Sachen Bildungspolitik versprochen, dass alles besser wird mit ihnen. Konkret geworden sind sie aber leider nicht – das hat ĂŒbrigens Tradition. Wie also steht es mit der zentralen Forderung nach der Gemeinsamen Schule. Wir haben das weder in Wien noch im Bund durchgesetzt. Ich habe das immer beklagt.
Aber bei den Neos ist nicht einmal klar, ob sie das ĂŒberhaupt wollen. Sie haben uns diesbezĂŒglich jedenfalls weder im Bund noch in der Stadt unterstĂŒtzt und waren bei diesem Thema ziemlich kleinlaut und ist in keinem Wahl- oder Parteiprogramm zu lesen. Wenn die Gemeinsame Schule aber kommt oder zumindest Schritte in diese Richtung – prima! Mehr Wahlfreiheit bei der Schulwahl? Das wĂŒrde Benachteiligte noch weiter benachteiligen. Warten wir mal die Verhandlungen ab. Ich hoffe aber, dass nicht die Privatschulbetreiber die groĂen Gewinner sein werden.
Ăbrigens: Ich gestehe: Ergebnis mit der ĂVP im Bund war ebenfalls nicht berauschend. Aber ich habe das immer deutlich gesagt und die Probleme sowie die LösungsvorschlĂ€ge sehr konkret benannt.
Oder geht es vor allem um die Verkehrspolitik? Sicher ist: Die GrĂŒnen Initiativen waren natĂŒrlich nicht jedermanns Sache. Die roten Bezirkskaiser in den sogenannten Wiener FlĂ€chenbezirken beklagten ja regelmĂ€Ăig, dass das Auto zurĂŒckgedrĂ€ngt wurde. Und sie hatten recht. Der Autoverkehr in Wien wurde zugunsten von Ăffis und Fahrrad zurĂŒckgedrĂ€ngt. Wer das nicht gut findet, hat mit Rot-Pink jetzt sicher eine Freude. Aber kann sich die SPĂ hier einen Politik-Wechsel erlauben?
Oder gibt’s andere Schwerpunkte? Wegen des weiterhin dringend erforderlichen Ausbaus von GrĂŒnflĂ€chen und Radwegen wird Ludwig wohl kaum die Neos ins Boot geholt haben. Gehtâs gar um Privatisierungen? Kommt jetzt âWestbahn statt ĂBBâ auf Wienerisch? Was soll anders gemacht werden? SUV-Parkstreifen statt Begegnungszonen – das kann’s im 3. Jahrtausend wohl nicht mehr sein!
