2. Februar 2011

Bildungsvolksbegehren: Es geht ans Eingemachte!

2011-02-02T17:34:00+01:0002.02.11, 17:34 |Kategorien: Bildung|

Das von Hannes Androsch initiierte Bildungsvolksbegehren geht heute in die entscheidende Phase. Wir Grüne sind sehr froh darüber, dass hier von einem prominenten Industriellen eine Initiative ausgeht, haben aber ebenso klar und deutlich ausgesprochen, dass wir für ein regierungskompatibles Volksbegehren nicht zur Verfügung stehen. Ich habe das gestern gegenüber der Presse auch deutlich zum Ausdruck gebracht: „Politik von innen: Krach ums Bildungsvolksbegehren“. Aus unserer Sicht muss natürlich die Forderung nach einer Gemeinsamen Schule Bestandteil eines solchen Volksbegehrens sein. Teile der ÖVP wollen das unbedingt verhindern, weil sich die Regierung wohl keine weitere Großbaustelle leisten kann. Unverständlich, denn in Sachen Gemeinsame Schule bröckelt sogar in der FPÖ der Bildungsbeton. Die Vorarlberger Freiheitlichen haben heute im Landtag eine entsprechende Forderung unterstützt (PISA: Opposition übt Kritik an ÖVP). Nur noch die ÖVP beharrt stur auf einem Schulsystem, dessen Grundkonzept ins 19. Jahrhundert reicht.

Bei den Initiatoren und UnterstützerInnen hingegen scheint sich mit folgender Formulierung eine Lösung abzuzeichnen: „Wir fordern ein sozial faires Bildungssystem, in dem die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgt.“ Das ist die Forderung nach einer Gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr. Heute Abend werden wir beim „Vernetzungstreffen“ über diese Formulierung diskutieren und den Text für das Volksbegehren mit den übrigen UnterstützerInnen abstimmen. Wenn die Formulierung in dieser Klarheit bleibt, ist das für uns als Kompromiss tragbar und wäre ein schöner Erfolg unserer Hartnäckigkeit. Morgen Donnerstag wird Hannes Androsch dann den Text in einer Pressekonferenz öffentlich vorstellen.

Für uns alle hat in Sachen Schule zu gelten: „Kein Kind zurücklassen!“

30. Januar 2011

So funktioniert die „Grüne Schule“!

2011-01-30T18:45:00+01:0030.01.11, 18:45 |Kategorien: Bildung|

Wie funktioniert denn Euer Modell der „Grüne Schule“? Die Frage habe ich gestern bei einer Diskussion gestellt bekommen. Abgesehen, dass die Besucher dieses Blogs am angegebenen Link (Grüne Schule) Genaueres erfahren, muss ich zugeben, dass ich mich gestern selbst gefragt habe: „Wo soll ich denn anfagen?“

Am besten bei der Realität. Denn unser Modell der „Grüne Schule“ ist keines, das in der Theorie für den „St.-Nimmerleins-Tag“ entwickelt worden ist, es wird in Facetten tagtäglich erprobt. Ein Beispiel aus meiner Vorarlberger Nachbarschaft ist das zuletzt ausgezeichnete Buchser Schulmodell („Buchser Schulmodell erhält Preis“). Dort werden die SchülerInnen in sogenannten „Lernlandschaften“ unterrichtet. Das bedeutet, dass die KlassenlehrerInnen – wie im Grünen Bildungsprogramm (hier zum Download ) vorgesehen – aus der Rolle der RichterIn in die Rolles eines Coaches wechseln, für alle SchülerInnen individuelle Lernpläne zusammenstellen und sie in regelmäßigen Einzelgesprächen begleiten. Die SchülerInnen erhalten sogenannte „Input-Lektionen“, arbeiten dann aber selbstständig und/oder in kleinen Gruppen in Lernateliers.

Das führt uns im Gegensatz zu den „Reformen“ in Österreich dorthin, wo das Ziel einer jeden Bildungspolitik sein muss: „Kein Kind zurücklassen!“

26. Januar 2011

Österreich weltweit Spitze – bei Zugangshürden im Bildungsbereich!

2011-01-26T12:25:00+01:0026.01.11, 12:25 |Kategorien: Bildung|

Österreich ist weltweit Spitze – wenn es um Zugangshürden im Bildungsbereich geht. Im Rahmen einer Pressekonferenz habe ich heute zum „Konzept“ einer „mittleren Reife“ Stellung bezogen.

Was bedeutet die „mittleren Reife“ für eine Familie, die ein Kind in der Unterstufe hat? Was passiert, wenn die mittlere Reife nicht bestanden wird? Lehre statt Uni? Wird das eine standardisierte Prüfung, bei der auch die Elitekinder durchfallen können (weil der Einfluss der Eltern ausgeschaltet wird), oder wird es wieder so wie in nicht wenigen Fällen am Beginn und Ende der Volksschule: wessen Eltern erfolgreich intervenieren, der oder die besteht?

Statt Hürden abzubauen, bauen wir in Österreich immer weitere Hürden auf und legen insbesondere Kindern aus bildungsfernen Schichten Steine in den Weg. Kein einziges unserer vielen bildungspolitischen Probleme wird durch die Mittlere Reife gelöst. Im Gegenteil: Es werden neue Probleme geschaffen.

• Kein Land trennt die Kinder so früh wie wir, also mit neuneinhalb Jahren. Deutschland folgt mit zehn Jahren, die anderen Länder trennen teilweise erst mit 16 Jahren.

• Und jetzt soll mit der „mittleren Reife“ eine weitere Hürde aufgebaut werden. Auch hier wären wir dann weltweit Spitze. In keinem anderen Land gibt es eine „mittleren Reife“ bereits mit 14 Jahren. Am ehesten noch in der Slowakei, wo die Aufnahme ins Gymnasium nur nach einer erfolgreichen Aufnahmeprüfung mit 14 Jahren erfolgt. Wollen wir uns wirklich an einem Land orientieren, dass bei dem letzten PISA-Test in der Lesefähigkeit nur knapp vor Österreich liegt (mit 477 Punkten, Ö: 470 Punkte)? Oder wäre es nicht doch besser, sich an europäischen Spitzenländern wie Finnland zu orientieren?

Von einem Konzept kann bei diesem Vorschlag von Schmied und Karl nicht gesprochen werden.

• Noch ist völlig unklar, wie diese Prüfung ausschauen soll. Schmied spricht von einem Zeugnis mit „verbalen Ergänzungen“. Dann haben wir ja wieder subjektive Einschätzungen von Lehrkräften. Dass LehrerInnenurteile bei gleicher SchülerInnenleistung oft sehr unterschiedlich ausfallen, ist hinlänglich bekannt. Wie werden künftig wohl die Zeugnisse jener SchülerInnen ausschauen, bei denen sich die Eltern bei der Lehrerin stark machen und jene, bei denen die Arbeiter/Hausfrauen-Eltern nie einen Schritt in die Schule setzen?

• Noch ist völlig unklar, warum es die „mittleren Reife“ braucht. Nach der ÖVP-Logik haben wir die Besten der Besten ja bereits mit neuneinhalb Jahren aussortiert und in eine Eliteschule gesteckt. Nimmt die ÖVP und mit ihr offensichtlich auch BM Schmied jetzt an, dass die Besten der Besten nach vier Jahren Eliteschule jenen Stand nicht erreichen, den die meisten in der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule erreichen sollten?

• Schmied meint, es sei „naheliegend“, dass Bildungsstandards, die es für die achte Schulstufe ab dem Schuljahr 2012 gibt, „eine Rolle spielen werden“. Ich war von Anfang an mit meiner Schule bei der Entwicklung dieser Standards beteiligt. Es handelt sich dabei um „Regelstandards“ und nicht um „Minimal-Standards“ – und somit um ein völlig anderes Kompetenz-Konzept.

Ein modernes pädagogisch-didaktisches Konzept muss im Gegensatz dazu gerade die Doppelrolle von Lehrenden – Coach und Richter – auflösen und nicht noch verstärken. Schmied macht sich aber zur Erfüllungsgehilfin der bildungspolitischen Retropolitik von Pröll sen., Pröll jun., Neugebauer & Co. Aus Koalitionsraison wird Steuergeld in einem viergliedrigene Schulsystem mit der gesamten dahinterliegenden Verwaltung verschwendet, obwohl aus Sicht der Ministerin darin kein Vorteil zu finden ist!

Ich habe die Ministerin aufgefordert, diesen teuren pädagogischen Unsinn umgehend zu stoppen, mit der Geldverschwendung durch die inzwischen viergliedrige Sekundarstufe zu beseitigen und endlich nachvollziehbare Schritte in Richtung Schulreform zu setzen. Was wir jetzt haben, ist teuer und zudem kontraproduktiv.

Wir können es uns nicht leisten, Begabungen verkümmern zu lassen.

Das oberste Prinzip unserer Bildungspolitik hat zu lauten: „Kein Kind zurücklassen!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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