10. Januar 2011

Schulreform als schwarz-roter Etikettenschwindel!

2011-01-10T10:27:00+01:0010.01.11, 10:27 |Kategorien: Bildung|

Schon zu Beginn des Neuen Jahres steht fest: Beatrix Karl ist die bildungspolitische Enttäuschung und Josef Pröll ist der bildungspolitische Betonmischer des Jahres 2011.

Österreich braucht dringend ein modernes Schulsystem. Aber: Die ÖVP will das nicht und die SPÖ traut sich nicht.

Die Kernbotschaft des letzten Freitag präsentierten schwarzen Bildungsprogramms ist klar: „Die Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt!“ Dabei fällt die ÖVP zurück in die alten Kulturkampf-Parolen. Josef Pröll: Die Gemeinsame Schule sei ein „Einheitsbrei“ und führe „zur Nivellierung nach unten“. Man fragt sich, wieso die Spitzenländer im Bildungsbereich allesamt mit ihrem „Einheitsbrei“ besser liegen als unsere Elite in den Gymnasien. Ist die österreichische Elite dümmer als der Durchschnitt in Finnland oder Kanada?

Laut Pröll sollen sich die Schultypen ähnlicher werden, weil künftig sowohl in der NMS als auch in der AHS der Unterricht in Modulen stattfinden soll. Haben die Vor- und Nachdenker in der ÖVP schlicht vergessen, dass Hauptschule und Gymnasium schon jetzt einen wortidenten Lehrplan haben und somit schon jetzt eigentlich gleich und nicht nur ähnlich sein sollten?

Ministerin Beatrix Karl hat versprochen, dass die Bildungsentscheidung künftig erst mit 14 Jahren falle. Warum werden Kinder dann mit zehn Jahren getrennt in angeblich Begabte und weniger Begabte?

Der schwarze Prüfungswahn treibt seltsame Blüten: Künftig soll es für alle 14-Jährigen eine neue Hürde für den weiteren Bildungsweg geben – die Mittlere Reife. Sie entscheidet darüber, ob diese Jugendlichen in eine AHS und Berufsbildende Höhere Schule (BHS) gehen dürfen. Ist es nachvollziehbar, dass wir Kinder mit zehn Jahren in Begabte und weniger Begabte trennen und dann mit 14 Jahren auch die sogenannten Begabten, die erfolgreich die gymnasiale Unterstufe besucht haben, einer Prüfung unterziehen?

Jetzt muss aber auch die SPÖ in die Pflicht genommen werden. Wenn Bundesministerin Claudia Schmied dieses ÖVP-Bildungsprogramm lobt („Es ist ein Schritt in die absolut richtige Richtung.“), muss ihr entgegengehalten werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Sie hat von Anfang an Hoffnungen erzeugt, die mit dem Modell NMS nicht verwirklicht werden können. Die Warnungen der Grünen wahr jetzt leider wahr: Die Neue Mittelschule ist ein Etikettenschwindel und hat mit der Gemeinsamen Schule nichts zu tun. Im Gegenteil: Mit ihr wurde aus einem dreigliedrigen ein viergliedriges Schulsystem (AHS, Hauptschule, Sonderschule, Neue MittelschuleI). Das bedeutet vier Verwaltungsapparate, vier Schulstandorte, vier Bildungskonzepte, viermal Schul-Inspektionen usw. Eine Aufhebung der Zehnprozentbeschränkung der neuen Mittelschule ist daher keine Reform, sondern eine Fortsetzung des bisherigen Kurses auf dem Rücken der Kinder. Wir brauchen Integration statt Selektion!

Österreich hat eines der sozial selektivsten Bildungssysteme der Welt: Den Reichen wird gegeben, den Armen wird genommen. Laut Statistik Austria besuchen nur 20 der 10- bis 14-Jährigen aus armutsgefährdeten Haushalten eine AHS, aber fast genau doppelt so viele (37) aus nicht armutsgefährdeten Familien.

Noten sind ungerecht und widerspiegeln nicht das Leistungsvermögen der Kinder: Zwischen den formal besten MathematikerInnen (AHS oder 1. LG mit Note „Sehr gut“) und jenen, die in der 2. LG mit „Genügend“ (was nicht zum Besuch einer höheren Schule berechtigt), gibt es große Überlappungsbereiche: die obersten 20 mit einem „Genügend“ in der 2. Leistungsgruppe sind im Test besser als die untersten 20 der „Sehr gut“-SchülerInnen in den AHS!

Wo es die Wahlmöglichkeit zwischen Hauptschule und AHS-Unterstufe gibt, entscheidet die Bildungs-Herkunft der Eltern welche Schule ihre Kinder besuchen: 59 der Kinder von Eltern mit Uni-Abschluss besuchen eine AHS, haben die Eltern keinen Schulabschluss gehen 92 in die Hauptschule.

Durchlässigkeit: ein Kind in der Hauptschule hat eine Chance von 7 die Matura zu machen, besucht ein Kind die AHS und haben die Kinder Uni-Abschluss, liegt die Chance eines Maturaabschlusses bei 93.

Die Leistungen der obersten 20 der HauptschülerInnen in der untersten (also der dritten) Leistungsgruppe decken sich mit den untersten 20 in den AHS! Und nun kommt das „Aber“:

• die eine Gruppe (AHS) hat alle höheren Bildungswegchancen

• die andere Gruppe hat keine Chancen

Dieses System will die ÖVP erhalten!

Für uns gilt im Gegensatz zu den schwarz-roten BildungsbetoniererInnen: „Kein Kind darf zurückbleiben!“

7. Januar 2011

ÖVP-Bildungsprogramm trägt Fritz Neugebauers Handschrift!

2011-01-07T16:45:00+01:0007.01.11, 16:45 |Kategorien: Bildung|

Für dieses Bildungsprogramm hätte sich die ÖVP nun wahrlich nicht so viel Zeit nehmen müssen, denn im Kern lautet die Botschaft: „Weiter so wie bisher!“ So viel Ignoranz gegenüber den Ergebnissen der pädagogischen Forschung haben sich wohl nicht viele vorstellen können. Die ÖVP hat jeden Gestaltungswillen aufgegeben. Die wesentlichen Punkte ihres „neuen“ Retro-Bildungsprogramms sind hier nachlesbar – und auch der ORF titel da ja nicht zu unrecht: „AHS soll wie bisher erhalten bleiben“

Nach dem ÖVP-Bildungs-Klau beim Budget kommt jetzt die nächste Reformbremse. Was Josef Pröll und Ministerin Karl heute präsentiert haben, ist alter Wein in neuen Schläuchen. Das ÖVP-Konzept trägt die unglückliche Handschrift von Fritz Neugebauer. Eine Aufhebung der Zehnprozentbeschränkung der neuen Mittelschule ist keine Reform, sondern eine Fortsetzung des unbefriedigenden Status Quo in der Bildungspolitik auf dem Rücken der Kinder. Mit der Neuen Mittelschule neben der Hauptschule haben wir jetzt ein viergliedriges (AHS, Hauptschule, Sonderschule, Neue MittelschuleI System bei den 10- bis 14-Jährigen: vier Verwaltungsapparate, vier Schulstandorte, vier Konzepte, vier Inspektionen usw. Diese Geldverschwendung ist nicht mehr tragbar. Die ÖVP muss endlich ihre ideologischen Scheuklappen ablegen und sich für das öffnen, was alle seriösen ExpertInnen vertreten: eine moderne gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen mit der Möglichkeit zur Differenzierung und dem individuellen Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder. Vom Vorschlag der Ministerin für ein „Gymnasium für alle“ ist nichts übrig geblieben, die Ministerin ist eingeknickt. Eine Schulreform muss die Kinder in den Mittelpunkt stellen. Wenn die ÖVP dies weiter ignoriert, werden wir ein weiteres wichtiges Jahr für eine große Bildungsreform verlieren.

6. Januar 2011

„COOL“: das braucht die Schule!

2011-01-06T10:04:00+01:0006.01.11, 10:04 |Kategorien: Bildung|

Es gibt sie, die positiven Beispiele aus dem österreichischen Schulsystem. In Oberösterreich zum Beispiel gibt es seit 1996 eine erfolgreiche Initiative zur Stärkung von Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Sozialkompetenz von SchülerInnen: Cooperatives Offenes Lernen (COOL) ist eine Initiative von LehrerInnen, die vom sogenannten Daltonplan der amerikanischen Reformpädagogin Helen Parkhurst inspiriert wurde. Ausgangspunkt waren engagierte Lehrkräfte in Steyr, wo auch heute das „COOL Impulszentrum“ steht. Ich habe es kürzlich mit einem Mitarbeiter besucht.

Das Ziel von „COOL“: Die spürbare Veränderung des Schulalltags von SchülerInnen und LehrerInnen und die Einbindung der Eltern.

„COOL“ individualisiert das Lernen, fördert und fordert die Kooperation, entwickelt Kompetenzen und nachhaltiges Wissen. Das Projekt ist überaus erfolgreich und stößt schon jetzt an seine Grenzen, denn immer mehr Lehrkräfte aus dem Pflichtschulbereich und der AHS wollen ebenfalls mitmachen. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten ist das (noch) nicht beziehungsweise nur in engem Rahmen möglich, denn allein im Bereich der BHS waren zu Beginn des Jahres eingebunden:

• ca. 100 österreichischen Schulen

• davon sind 44 zertifiziert

• etwa 1.000 LehrerInnen und mehr als 20.000 SchülerInnen

„COOL“ – das österreichische Schulwesen braucht mehr socher Initiativen!

Für uns gilt: „Kein Kind darf zurückbleiben!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

Hier erfahren sie mehr…

Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


Zur Seite des Parlaments…

Downloads