17. Januar 2011

Wer fürchtet sich vorm Grünen Mann?

2011-01-17T13:17:00+01:0017.01.11, 13:17 |Kategorien: Bildung|

Kürzlich hat mir eine Lehrerin der Theodor-Kramer-Schule in Wien ein Mail geschickt und mir über das spannende pädagogische Konzept der Schule berichtet. Das Mail endete – wie etliche andere freundliche Mails: „Sie sind herzlichst eingeladen!“

Ich habe natürlich angenommen, für morgen war mit der Direktorin ein Termin ausgemacht und ich hätte – außerhalb der Unterrichtszeit – mit interessierten KollegInnen der Schule darüber gesprochen, wie wir positive pädagogische Konzepte in unser Regelschulwesen übernehmen können.

Wenn da nicht der Stadtschulrat (SSR) wäre: Soeben wurde ich von der Direktorin nämlich wieder ausgeladen. Sie bedauere sehr, aber der SSR habe Auftritte von PolitikerInnen an Schulen verboten. Eine Lüge: Bundeskanzler Faymann lässt sich nämlich hie und da an Schulen blicken. Ohne Probleme. Dafür mit zig JournalistInnen im Tross. Und auch ich war schon zu Besuch an Schulen in Wien – mit Wissen des SSR und teilweise in Begleitung eines vom SSR beauftragten Inspektors. Damit ja nichts passiert!

Wer fürchtet sich also plötzlich vorm Grünen Mann? Das Vorgehen der Verantwortlichen im Stadtschulrat erinnert an den verwelkten Charme verflossener sowjetischer Politkommissare. Während sich Faymann zu Propagandazwecken an Schulen begibt und sich mit Kindern abbilden lässt, wollte ich mich – ohne Journalistentross – über das pädagogische Konzept informieren und mit den Betroffenen über Schulentwicklung diskutieren. An die Möglichkeit einer ernsthaften Diskussion mit den Betroffenen aber scheinen die Verantwortlichen im Stadtschulrat nicht zu glauben. Ohne ernsthaften Kontakt mit Eltern, Lehrkräften sowie vor allem mit Schülerinnen und Schülern wird Schulpolitik wohl weiterhin so praxisfremd bleiben wie bisher.

Ich habe daher umgehend eine parlamentarische Anfrage an Ministerin Schmied gerichtet: < file name="Anfrage_Schulbesuche" >

Und übrigens. Für uns gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

14. Januar 2011

Rechnungshofbericht: teilweise über 30 Kinder in einer Klasse!

2011-01-14T16:01:00+01:0014.01.11, 16:01 |Kategorien: Bildung|

„Das Schulsystem ist zu teuer“, so der einhellige Tenor. Wo aber könnte gespart werden? Nicht dort, wo SPÖVP und ihr blaues Anhängsel das wollen – nämlich bei den LehrerInnen -, sondern dort, wo Geld de facto zum Fenster hinausgeschmissen wird. Der Rechnungshof zeigt das in verdienstvoller Weise immer wieder auf. Zuletzt das Beispiel Bundesschul-Controlling.

Jetzt wird versprochen, verschiedene Abteilungen zusammenzulegen – etwa sollen im Ministerium Budgetierung und Budgetcontrolling zu einer statt jetzt vier Abteilungen zusammengefasst werden, es soll eine Vereinheitlichung bei der Schülerverwaltung geben (aus den jetzigen 50 Softwareprogrammen sollen sieben werden).

Das ist aber sicher noch zu wenig. Ich habe daher in einer Aussendung gefordert, dass es umgehend zur Einführung eines wirkungsvollen Controllings kommen muss (wohin gehen die vielen Werteinheiten, die nie bei den Kindern in der Klasse ankommen?). Wenn wir dieses Problem lösen, haben wir jenes Geld, das wir brauchen. Dann könnten auch endlich die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Wenn wir die viel zu häufige Überschreitung der Klassenschülerhöchstzahl 25 anschauen, fällt nämlich auf, dass mehr als die Hälfte aller ersten Klassen in der AHS-Unterstufe mehr als 25 SchülerInnen hat und es – ohne jede gesetzliche Grundlage – sogar Klassen mit mehr als 30 SchülerInnen gibt. Zudem habe ich die Ministerin daran erinnert, dass der Gesetzgeber die Überschreitung der Höchstzahl 25 nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt, etwa um den Erhalt von Schulstandorten zu sichern oder um Abweisungen von SchülerInnen zu vermeiden. Wenn aber insbesondere bei Volks-, Haupt- und Polytechnischen Schulen die Überschreitung des Richtwerts 25 damit begründet wird, dass die Schulen privat geführt werden, verletzt der Bund seine Aufsichtspflicht, denn das ist eindeutig kein im Gesetz geforderter besonderer Grund. Dieser Missstand muss umgehend abgestellt und ein wirkungsvolles Controlling eingeführt werden.

Wie will diese Regierung eine Bildungsreform auf die Beine stellen, wenn sie nicht einmal in der Lage ist, ihre eigenen gesetzlichen Vorgaben im Schulbereich zu erfüllen? Die notwendige Gemeinsame Schule für alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr kann nur gelingen, wenn man sie finanziell entsprechend ausstattet. Dazu braucht es ein Bekenntnis der gesamten Regierung und entsprechende Budgetmittel. Wenn nicht einmal die jetzigen gesetzlichen Bestimmungen einhält, haben die Betroffenen wenig Hoffnung, dass so eine Reform gelingen kann!

13. Januar 2011

„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!“

2011-01-13T14:47:00+01:0013.01.11, 14:47 |Kategorien: Bildung|

Jetzt werden wir mal kurz biblisch: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“ – so heißt es bei Matthäus 25,29. Dieser „Matthäus-Effekt“ aus dem „Gleichnis von den anvertrauten Zentnern“ trifft kaum wo besser zu als bei unserem Bildungssystem. Man kann es auch etwas drastischer übersetzen: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!“

Neben Deutschland haben wir das sozial selektivste Bildungssystem der Welt. So hat bei uns ein Kind in der Hauptschule, das aus bildungsfernen Schichten stammt, eine Chance von 7, die Matura zu machen. Ein Kind aus der Mittelschicht mit gut ausgebildeten Eltern, das die AHS besucht, macht mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Matura. Die Leistungen dieser Kinder decken sich aber zumindest teilweise, denn die besten 20 der HauptschülerInnen in der untersten (also der dritten) Leistungsgruppe erbringen bei PISA die gleichen oder bessere Leistungen als die untersten 20 in den AHS! Die einen in der AHS haben aber alle höheren Bildungswegchancen, die anderen praktisch keine. Dieses System will die ÖVP erhalten!

In Deutschland hat sich nun eine Plattform gebildet, die Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten hilft: „ArbeiterKind.de“ ist nicht nur ei­ne in­for­ma­tive Webs­i­te rund ums Stu­dium, sondern bietet auch ganz konkret die Hilfe von rund 1000 Men­to­rInnen in ganz Deutsch­land – ab­solut kosten­los und ohne Ver­pf­lich­tun­gen.

Das wäre doch was auch für Österreich! Bedarf besteht jedenfalls.

Für uns gilt übrigens im Gegensatz zu den schwarz-roten BildungsbetoniererInnen: „Kein Kind darf zurückbleiben!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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