28. Juli 2010

Pröll junior und Bildungspolitik – verträgt sich nicht!

2010-07-28T14:48:00+02:0028.07.10, 14:48 |Kategorien: Bildung|

Selten habe ich so viel zustimmende Reaktionen bekommen wie auf meine gestrige Pressekonferenz. Das „Nicht genügend“ für die Bildungspolitik der ÖVP scheint keinen wirklich überrascht zu haben und hat enorme Medienresonanz in der Zeit im Bild, Mittagsjournal, Radionachrichten und fast allen Printmedien hervorgerufen.

Auf vielfachen Wunsch daher noch ein Ausschnitt aus der „Verbalbeurteilung“ des „Neffen“:

Das österreichische Bildungssystem produziert nur neun Prozent SpitzenschülerInnen im Bereich Lesen, aber 22 Prozent RisikoschülerInnen. Die individuelle Förderung im selektiven Schulsystem funktioniert also nicht. In Finnland, wo nicht selektiert wird, zählen 19 zur Spitzengruppe und nur fünf Prozent sind RisikoschülerInnen (PISA 2006).

Das gegenwärtige Bildungssystem reproduziert also Chancenengpässe und verstärkt sie, statt gleiche Lern- und Lebenschancen für alle zu schaffen. Zur Herstellung von Chancengerechtigkeit ist es erforderlich, dass im Sinne des pädagogischen Prinzips der „Inklusion“ Kinder vom sechsten bis mindestens zum vierzehnten Lebensjahr gemeinsam unterrichtet werden und somit eine frühe Selektion in angeblich mehr und weniger Leistungsfähige vermieden wird.

Laut einer Gallup-Umfrage treten bereits 47 der ÖsterreicherInnen für eine gemeinsame Schule ein (zitiert in Österreich, 26. Juli 2010).

„Die Gesamtschule, in der alle in einen Topf geschmissen werden, kann ich mir nicht vorstellen.“ Josef Pröll, 22. Juli 2010 (APA)

Verbale Beurteilung dieser Aussage: „Dem Schüler ist es nicht gelungen, die Inhalte und Zusammenhänge dieses Gegenstands zu erfassen. Er benötigt in Zukunft intensive individuelle Förderung.“

27. Juli 2010

ÖVP-Bildungspolitik: Chaos pur!

2010-07-27T12:29:00+02:0027.07.10, 12:29 |Kategorien: Bildung|

In der ÖVP herrscht völlige Orientierungslosigkeit in Sachen Schulreform, es gibt widersprüchliche Äußerungen ohne konkrete inhaltliche Auseinandersetzung: Pröll junior gegen die Gemeinsame Schule, Beatrix Karl dafür, Neugebauer strikt dagegen, Leitl dafür, Spindelegger wieder dagegen, Pröll sen. ein bisschen dafür usw. Das ist unverantwortlich und verunsichert Eltern, Lehrkräfte und die Kinder.

Deshalb hat Pröll jun. heute von uns ein symbolisches „Nicht genügend“ für die ÖVP-Bildungspolitik bekommen: „Pröll junior, setzen, fünf!“

Wir fordern statt der geplanten Einsparung von 1.000 Lehrkräften 1.000 Lehrkräfte zusätzlich, um eine wirkliche Reform in Richtung Gemeinsame Schule auf den Weg zu bringen.

Wenn man die neuen Mittelschulen als Vorstufe für eine gemeinsame Schule sieht, stehen jeder Klasse zusätzlich sechs Unterrichtsstunden für Förderunterricht und Individualisierung zur Verfügung. Um alle 11.000 Hauptschulklassen in Neue Mittelschulklassen umzuwandeln, werden jährlich 700 zusätzliche PflichtschullehrerInnen benötigt. Im Vollausbau in vier Jahren sind es 2.750 LehrerInnen mehr. Wenn konsequenterweise auch die 4.400 AHS-Unterstufenklassen in die Gemeinsame Schule einbezogen werden, werden weitere 300 LehrerInnen jährlich benötigt. Fazit: Wir brauchen 1.000 LehrerInnen mehr und nicht weniger. Wenn Finanzminister Pröll junior die Schulreform ernst nimmt, muss er im Bildungsressort also Geld bereitstellen, statt LehrerInnen einzusparen. Denn ohne zusätzliche LehrerInnen erfolgt kein Förderunterricht, kein zusätzlicher Sprachunterricht und kein Teamteaching.

Ein kleiner Tipp vom Onkel an den junior lautet, dass es „sinnvoll ist, die Bildungsentscheidung nicht schon mit zehn, sondern erst mit zwölf Jahren zu treffen, weil sich bis zu einem Alter von zwölf oder 13 Jahren einiges geklärt hat.“ (Erwin Pröll, APA, 26.07.2010)

Um von der Ziffernnote wegzukommen, hier auch eine verbale Beurteilung des JUnior: „Der Schüler ist mit dem zu bewältigenden Stoff sichtlich überfordert und wird um individuelle Förderung nicht herumkommen. Auch Hilfe aus dem familiären Umfeld, z.B. seitens eines an der Thematik sehr interessierten Onkels, wäre u.U. hilfreich.“

24. Juli 2010

Gesamtschule: Elite will unter sich bleiben!

2010-07-24T17:44:00+02:0024.07.10, 17:44 |Kategorien: Bildung|

Und der Geldadel wird halt von der ÖVP vertreten, ob es sich um die Steuerungerechtigkeit zu Lasten der mittleren und niedrigen Einkommen handelt oder um das Schulsystem. Den Schwarzen (Pröll, Spindelegger) schwillt derzeit wieder der bildungspolitische Kamm. Sie glauben nach monatelangem Hin und Her zu wissen, was unsere Kinder brauchen: die Fortführung des jetzigen Schulsystems. Nach zarten Ansatzen einer Breitschaft zur sachlichen Diskussion durch Beatrix Karl oder Christoph Leitl ist nun die Hamburger Abstimmung über die Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre die offensichtliche Ursache für die plötzliche Erkenntnis.

In der Hansestadt ist nämlich am letzten Sonntag – obwohl alle Parteien der Bürgerschaft dafür waren! – die Einführung der sechsjährigen Primarschule bei einer Volksabstimmung gescheitert. Besonders Eltern aus dem bürgerlichen Lager waren gegen die Ablösung des bestehenden Schulsystems. Sehenswert und erhellend ist dieser „Panorama-Beitrag“.

In den reichen Villenvierteln haben 54 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung teilgenommen, in den armen Vororten waren es gerade einmal 27 Prozent. Eine von „Panorama“ befragte Nichtwählerin in einem dieser Vorworte meinte am Wahltag auf den Hinweis der Reporterin, dass deshalb wohl die Reformgegner gewinnen: „Das ist natürlich auch Scheiße!“ Das Resümee der Beitragsgestalter: Gewonnen haben Eltern, die mit Geld und Beziehungen offenbar Klassenkampf von oben nach unten betreiben.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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