16. April 2010

Schulverwaltung: „organisierte Verantwortungslosigkeit“

2010-04-16T10:34:00+02:0016.04.10, 10:34 |Kategorien: Bildung|

Wie ist das zu erklären – alle fünf Parlamentsparteien stimmen mit der Regierung überein und dennoch passiert nichts?

Im Schulwesen schaffen in Österreich die Länder an und der Bund bezahlt. Das WIFO bringt das so auf den Punkt: „Das System ist geprägt durch organisierte Verantwortungslosigkeit.“

Im Unterausschuss zur Verfassungsreform hat die Regierung gestern ihre Position zur Reform der Schulverwaltung präsentiert. Die Ministerinnen Claudia Schmied und Beatrix Karl waren sich einig und auch alle drei Oppositionsparteien begrüßten das Regierungs-Papier. Im Kern sieht es eine Straffung der Verwaltung sowie ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht vor. Es könnte somit eine Fünf-Parteien-Einigung geben, wenn da nicht Landesfürsten wie Herbert Sausgruber oder Hans Niessl wären. Sie fordern in periodischen Abständen die Regierung zum Sparen auf, verhindern aber gleichzeitig die von allen (!) Parlamentsparteien und allen Experten (WIFO, RH, IHS …) geforderten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Schulbereich.

Dieses Doppelspiel ist unerträglich und verantwortungslos gegenüber den Steuerzahlern. Zudem leiden vor allem die Kinder in den Schulen, die Lehrkräfte und die Eltern unter den verkrusteten Strukturen.

Wir brauchen dringend eine Reform, die den Schulen mehr Autonomie und somit auch Verantwortung gibt. Die Mehrgleisigkeiten in der Verwaltung mit vier Entscheidungsebenen muss beseitigt werden.

6. April 2010

Türkische Gymnasien in Österreich? Warum nicht!

2010-04-06T09:49:00+02:0006.04.10, 9:49 |Kategorien: Bildung|

Die Wogen gehen derzeit hoch in Deutschland. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte in einem Interview mit der „Zeit“ gemeint: „In der Türkei haben wir deutsche Gymnasien – warum sollte es keine türkischen Gymnasien in Deutschland geben?“

Nun gibt es einen interessanten Kommentar dazu: „Türkische Gymnasien? Aber ja!“

Darin wird die These vertreten, es sei „das legitime Interesse eines in Deutschland von türkischsprachigen Eltern geborenen Kindes, seine Muttersprache ordentlich beigebracht zu bekommen. Genauso wie es in seinem Interesse ist, die deutsche Sprache schnell und gründlich zu lernen. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist kein Widerspruch. Wer darin dennoch einen sehen will, wird in der Integrationsfrage wohl kaum vorankommen.“

Da ist einiges dran. Diskutieren wir das auch bei uns – sachlich und somit ohne die von den Rechten geschürten Urängste vor einer angeblichen „Überfremdung“.

Ich persönlich würde solche Gymnasien in Österreich begrüßen, wenn sie Deutsch/Türkisch geführt werden und unserer staatlichen Schulaufsicht unterstellt sind. Darin müsste dann natürlich Platz sein für die kritischen Aspekte vor allem der jüngeren türkischen Geschichte – etwa den Umgang mit Armeniern, Kurden, Griechen, die zunehmende Islamisierung etc., aber auch Platz für die Modernisierungsgeschichte der türkischen Republik oder das sehr enge Verhältnis zur europäischen Kultur. Das könnte auch für nicht-türkischstämmige SchülerInnen interessant sein und zur Entkrampfung der Situation beitragen.

Übrigens: In Istanbul gibt es seit 1889 das deutschsprachige österreichische St. Georgs-Kolleg. Auf der Homepage ist unter anderem eine von den Außenministerien der Türkei und Österreichs im Juni 2005 unterzeichnete Vereinbarung nachzulesen: „Das St. Georgs-Kolleg ist eines der bemerkenswertesten Beispiele der österreichisch-türkischen Zusammenarbeit und wird von beiden Seiten als Brücke zwischen unseren Völkern betrachtet. Beide Seiten werden jede mögliche Anstrengung unternehmen, um den reibungslosen Ablauf des österreichischen St. Georgs-Kollegs Istanbul als private ausländische höhere Schule zu gewährleisten.“

1. April 2010

Herr Spindelegger „Setzen, Nicht Genügend!“

2010-04-01T18:30:00+02:0001.04.10, 18:30 |Kategorien: Bildung|

Will der ÖAAB-Obmann die Bevölkerung für dumm verkaufen? Angesichts der von Michael Spindelegger in den Salzburger Nachrichten groß angekündigten „grundlegenden Bildungsreform“ (ÖVP für mehr Leistung an den Schulen). Seit Wochen munkeln JournalistInnen in Wien, bei der ÖVP stehe die große Bildungsreform auf der Tagesordnung. Jetzt zu Ostern sollte es offenkundig soweit sein, doch statt einer bildungspolitischen Frohbotschaft bringt Spindelegger gerade einmal die Auferstehung alter Zöpfe zustande.

Spindelegger kündige zwar eine grundlegende Reform an, nimmt dieses überfällige Versprechen dann aber auch gleich wieder vollständig zurück, um die Eckpfeiler seines Reformwillens einzurammen: Am bestehenden Nebeneinander von Hauptschule und AHS-Unterstufe wird nicht gerüttelt.

Damit wird aber das Grundproblem der Misere unseres Bildungssystems nicht einmal angetastet: die Selektion der Kinder mit neuneinhalb Jahren. Die Bildungsforschung ist sich einig, dass diese Trennung viel zu früh kommt, da das Leistungsvermögen der Kinder in diesem Alter noch nicht abgeschätzt werden kann.

Außer Österreich hält nur noch Deutschland an dieser zu frühen Trennung fest: Beide Länder sind international daher trotz hoher Bildungsausgaben nur noch Mittelmaß. Wenig abgewinnen kann ich auch dem Vorschlag Spindeleggers zur Einrichtung von Eliteschulen in allen Bundesländern: Es ist wichtig, hochbegabte Kinder optimal zu fördern, aber durch die zu frühe Trennung in sogenannte Eliteschulen werden fast nur Kinder aus bildungsnahen Schichten gefördert.

Wie lange sollen wir noch auf die längst überfällige grundlegende Schulreform warten? Unser verkrustetes System stärkt weder die Starken noch hilft es den Schwachen, sondern produziert nur mittelmäßige Leistungen. Länder wie Finnland mit einer modernen Gemeinsamen Schule haben daher doppelt so viele SpitzenschülerInnen und nur ein Drittel so viele ProblemschülerInnen wie Österreich. Spindelegger müsse sich endlich vom Gängelband Fritz Neugebauers lösen und den Weg für eine moderne Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen freimachen!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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