3. November 2009

„Bildung statt Ausbildung“

2009-11-03T16:26:00+01:0003.11.09, 16:26 |Kategorien: Bildung|

Unter diesem Motto protestieren StudentInnen gegen die Bildungspolitik. Und sie sind nicht allein. Vor einigen Tagen waren es die KindergärtnmerInnen, die in einer großen Demonstration in Wien massiv auf den Reformstau im vorschulischen Bereich hingewiesen haben. Proteste von Eltern und LehrerInnen sind schon fast an der Tagesordnung. Und derzeit sind es die StudentInnen, die ihren Protest zurecht nicht an einzelnen Problemen aufhängen, sondern eine große Bildungsdiskussion einfordern. Im Kindergarten, im Schulwesen und im Bereich der Universitäten – überall weisen internationale Studien Österreich massiven Investitions- und Nachholbedarf nach. Demonstrationen sind offensichtlich das einzige Mittel, um die Missstände auch hierzulande aufzuzeigen.

Und es ist die „Basis“, die da protestiert: Das Institut für Jugendkulturforschung hat eine Umfrage veröffentlicht, die zeigt, dass die Proteste zu Dreiviertel von Studierenden getragen werden, die keiner hochschul- oder parteipolitischen Organisation angehören. Es ist also offensichtlich, dass die ÖH und die StudentInnenorganisationen kaum einen Einfluss auf das Geschehen im Audimax der Universität Wien haben. Es handelt sich um eine spontane Bewegung von Betroffenen, die nicht auf ihre Interessensvertretung warten, sondern selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Im Zentrum der Kritik steht die Bildungspolitik der Europäischen Union, die das Studium „in erster Linie den Verwertungsinteressen der Wirtschaft unterordnet und auf die persönlichen Bildungsinteressen und Bildungsziele des Einzelnen“ vergesse. Auch dem zunehmenden Einfluss großer Unternehmen auf die Universitäten (man denke an die „Drittmittelforschun “) stehe die große Mehrheit der Protestierenden ablehnend gegenüber: „Verlangt wird eine vom Staat ausfinanzierte und damit von der Wirtschaft unabhängige Universität. Daneben sind das Verhindern von Zugangsbeschränkungen und die langfristige Verhinderung von Studiengebühren die wichtigsten Forderungen der Basis der Bewegung.“

Bildung ist nämlich mehr als nur „Ausbildung“ – und auch um deren Zustand ist es in Österreich nicht eben gut bestellt.

1. November 2009

Wir brauchen die Ganztagsschule!

2009-11-01T17:56:00+01:0001.11.09, 17:56 |Kategorien: Bildung|

Drei von vier LehrerInnen sind ohne Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen bereit, an einer „echten“ Ganztagsschule zu unterrichten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 1000 LehrerInnen in Vorarlberg. Auf die Frage „Wären Sie bereit, in ganztägig geführten Schulen zu unterrichten, sofern keine längere Anwesenheitspflicht besteht?“ haben 76,5 mit „Ja“ und nur 16,1 mit „Nein“ geantwortet, der Rest hat keine Antwort gegeben.

Was leistet eine Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht? Sie bietet den Eltern nicht nur die gesicherte Betreuung der Kinder am Nachmittag, das tun Horte auch. Ganztagsschulen erlauben es, die Hochleistungsphasen der Kinder am Vormittag und am Nachmittag zu nutzen, den Tagesablauf in der Schule kindgerecht zu gestalten, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und allen Kindern gleichermaßen die notwendige Unterstützung bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen zu bieten.

Kinder in Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht haben keine Schultaschen. Sie nehmen keine Arbeit mit nachhause. Das tägliche Hausaufgabendrama zuhause mit den Eltern, unter Anleitung älterer Geschwister oder gar teuer bezahlt in externen Instituten entfällt. Nach der Schule haben die Kinder tatsächlich frei. Sie können entweder von den schulischen Angeboten wie Sport- oder Musikunterricht Gebrauch machen, gemeinsam mit ihren Eltern andere Freizeitangebote nutzen oder einfach nichts tun.

Die räumliche Ausstattung einer Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht ist natürlich eine andere als bei einer reinen Vormittagsschule. Eine Schulküche mit angeschlossener Mensa für SchülerInnen und LehrerInnen ist notwendig. Kinder sollen nicht den ganzen Tag in einem Klassenraum verbringen. Freizeiträume, Erholungsbereiche, Rückzugsmöglichkeiten, Sportanlagen und Freiflächen und nach Möglichkeit ein großer Garten, bieten eine abwechslungsreiche und anregende Umgebung.

Die für Kinder besonders gut geeignete Form des verschränkten Unterrichts bleibt bei der Realisierung dieses Vorschlags hauptsächlich jenen Kindern vorbehalten, deren Eltern sich diese Form des Unterrichts leisten können. Nicht umsonst bieten bereits heute viele Privatschulen den verschränkten Unterricht an. Er wird von den Eltern gefordert, weil er für die Kinder am besten geeignet ist. Wo eine Wahlmöglichkeit besteht, gibt es auch immer Selektion anhand sozialer Kriterien. Im öffentlichen Schulsystem, vor allem in der Pflichtschule, hat diese Selektion nichts verloren.

28. Oktober 2009

Baustelle Universität

2009-10-28T22:06:00+01:0028.10.09, 22:06 |Kategorien: Bildung|

Wer hätte das gedacht? Im ruhigen Österreich regt sich Protest. Der meist sensibelste Teil der Bevölkerung sind Studierende. Sie spüren aus mehreren Gründen gesellschaftliche Veränderungen, Krisen, Defizite etc. zuerst. Das gilt auch für die jetzige Protestaktion. Heute riegelten mindestens zehntausend Studierende – die Polizei zählt ja meist sehr konservativ – mit ihrem Zug unter dem Motto „Mehr Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne“ die Wiener Innenstadt ab. Auch in anderen heimischen Unistädten kam es zu Protesten.

Der Protest ist dringend notwendig: Bildung ist keine Ware! Alle internationalen Studien und Vergleiche zeigen, dass Österreich zu wenig Studierende hat. Die Steigerungsraten der Abschlüsse liegen in Österreich mit 3.7 signifikant unter dem OECD Schnitt. Irland, Polen, Portugal, Spanien und Türkei weisen Steigerungsraten über 7 auf. Mit einem Prozentsatz der 25 – 34 Jährigen, die einen Abschluss im Tertiärbereich aufweisen, liegt Österreich auf Platz 30 von 36 Nationen. Nur 20 verfügen über diesen Abschluss der im EU Schnitt 35 beträgt. In der Altersgruppe 25 – 64 Jahre liegt Österreich mit 17 wieder deutlich hinter dem EU Schnitt von 27.

Auch wenn die feinen Herrschaften wie „Fast-Kommissar“ und Noch-Wissenschaftsminister Hahn die Nase rümpfen: Das Anliegen der Studentenschaft ist nicht diffus, sondern klar. Die Uni-Politik ist eine riesige Baustelle. Die finanzielle Ausstattung der Universitäten ist nicht ausreichend. Es muss Schluss sein mit der Unterfinanzierung der Unis und der FHsEs braucht eine nachhaltige Finanzierung des Bedarfs mit dem Ziel, bis 2020 2 des BIP zu sichern.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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