25. Juni 2009

Genug gejammert: Es braucht Reform!

2009-06-25T16:28:00+02:0025.06.09, 16:28 |Kategorien: Bildung|

Im „Falter“ (Nr. 26/09) habe ich diese Woche einen Gastkommentar veröffentlicht (leider nicht zu verlinken): „Genug gejammert: Es braucht Reform“. Hier eine gekürzte Fassung:

Sitzenbleiben ist ein Symptom für die Krise des Systems. Die Bildungspolitik beschränkt sich auf Standespolitik

Fast 40.000 Schüler müssen auch heuer wieder sitzenbleiben und im September die Klasse wiederholen. Experten schütteln den Kopf, denn Sinn macht das in den allermeisten Fällen nicht. […] Eine Klasse zu wiederholen kann ein lebenslanges Misserfolgserlebnis für die Betroffenen sein und ist oft eine schwere Belastung für ihre Familien.

Das „System Schule“ reagiert kaum auf diesen Missstand. Vielleicht läuten ja bei finanziellen Problemen die Alarmglocken für die bildungspolitischen Dauerschläfer in der rot-schwarzen Koalition. Immerhin kostet das Wiederholen einer Klasse an die 300 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr. Hinzu kommen private Kosten für Nachhilfe – ebenfalls 300 Millionen Euro. Das finnische Schulsystem ist auch in diesem Zusammenhang intelligenter: Dort gibt es durchschnittlich 0,4 Prozent Repetenten, bei uns sind es 4,2 Prozent.

Das Sitzenbleiben ist nur ein Symptom für die Krise unseres Bildungssystems. Bildungspolitik in Österreich beschränkt sich auf starre Standespolitik. […]

Werner Amon fordert im Jahr 2009 unverdrossen ein kompliziertes Verfahren mit Aufnahmeprüfungen zum Übertritt an die AHS. Das ist alte Bildungsideologie und löst unsere Probleme nicht. […]

Das Resultat: Österreich hat seit Jahren schlechte Ergebnisse in allen internationalen Testungen. In der vierten Klasse Volksschule können 16 Prozent der Schüler nicht sinnerfassend lesen. Bei den 15-Jährigen sind es sogar 21,5 Prozent. […]

Genug des Jammerns. […]

Was müssen wir tun, damit wir Anschluss an die Spitzenländer finden? Ein modernes Bildungssystem nimmt Rücksicht auf jedes einzelne Kind, bietet individuelle Förderung und ist daher auch in der Sekundarstufe I als Gesamtschule konzipiert. Die Schule der Zukunft weckt Neugierde, lässt Schüler forschen und Fragen stellen, konzentriert sich nicht auf reproduzierbares Wissen, sondern ist ein Ort der Auseinandersetzung. In ihr wird das Fehlermachen als Chance zum Lernen begriffen und nicht als Blamage, in ihr haben Kinder genügend Zeit zur Entwicklung.

Das ist eine Schule, in der man Kinder nicht schon im Alter von zehn Jahren in angeblich mehr und weniger Begabte sortiert und ihnen ein falsches Elitedenken vermittelt. Es ist eine Schule, die durch Ganztagsbetreuung nicht mutwillig auf das Aufmerksamkeitspotenzial der Kinder am Nachmittag verzichtet. Ob das auch bei uns endlich Realität wird?

25. Juni 2009

LehrerIn – ein knochenharter Job!

2009-06-25T08:24:00+02:0025.06.09, 8:24 |Kategorien: Bildung|

Ja, ich weiß: mit ein bisschen Lehrerbashing tut man sich derzeit leichter als mit dem Hinweis, dass LehrerIn heutzutage ein knochenharter Job ist.

In Großbritannien schockt ein Bericht des Schulinspektorats die Öffentlichkeit: Demnach beginnen immer mehr Kinder schon im Vorschulalter aggressives Verhalten zu entwickeln, die Zahl der Schulausschlüsse ist in den vergangenen 5 Jahren um 10 Prozent gestiegen (eine ähnliche Tendenz ist auch bei uns zu beobachten). Besonders besorgniserregend: Schon unter 5-Jährige müssen zu Hause bleiben, weil sie ihre Mitschüler sexuell belästigen. Fünfjährige!! Aber was soll´s – die Schule wird´s schon richten! Und bei uns ist es ja sowieso viel besser. Oder?

Arno Brändle hat mich darauf hingewiesen, dass die TALIS-Studie (Teaching And Learning International Survey) einige interessante Fakten zutage fördert. TALIS ist eine internationale Studie über die Arbeitsbedingungen und das Lernumfeld von Lehrerinnen und Lehrern. Sie ist die erste Studie dieser Art und wird von der OECD durchgeführt. Dabei steht die Perspektive der LehrerInnen selbst im Mittelpunkt. Die Ergebnisse von TALIS sollen es den teilnehmenden Ländern ermöglichen, ihre Bildungspolitik in Bezug auf ein effektives Schulumfeld zu überprüfen und zu gestalten. Die Ergebnisse beruhen auf den Aussagen der LehrerInnen und SchulleiterInnen.

Zum Thema „faule LehrerInnen“: In Österreich verbringen sie wöchentlich im Durchschnitt ca. 20 Stunden in der Klasse (24 Unterrichtseinheiten zu 50 Minuten), 15 Stunden mit Vor- bzw. Nachbereitungszeit des Unterrichts sowie weitere 8 Stunden für administrative und andere Tätigkeiten. In Summe berichten die österreichischen Lehrkräfte in einer normalen Schulwoche über eine Gesamtarbeitszeit von 43 Stunden. Der OECD-/EU-Schnitt liegt bei 39 Stunden.

19. Juni 2009

Bildung tut not – Banküberfälle als Ausweg?

2009-06-19T17:25:00+02:0019.06.09, 17:25 |Kategorien: Bildung|

In Deutschland eskaliert derzeit der Bildungsstreik – mit dabei nicht mehr nur StudentInnen, sondern immer mehr auch SchülerInnen. Etwa 250 Organisationen – darunter SchülerInnen-, StudentInnenorganisationen, Parteien, Gewerkschaften – unterstützen die Proteste. Dabei geht es längst nicht mehr um das Debakel in der Hochschulpolitik, also etwa die Anerkennung bestimmter Abschlüsse, sondern grundsätzlich um einen Protest gegen die Technokratisierung der Ausbildung. Mit anderen Worten: Studierende haben durchaus einen breiteren Bildungsbegriff als so manche Verantwortliche. Was derzeit passiert ist der Kampf um Reflexionsmöglichkeiten, um Auseinandersetzung über Inhalte, ja im weitesten Sinn um Demokratie an Schulen und Universitäten. Ausbildung oder doch Bildung? Das ist die Frage.

Dabei geht es zu wie einst im Mai. Zitat aus der „taz“: „Studenten stürmen Banken!“ Es kam also nicht mehr nur – wie an den Tagen zuvor in mehreren Dutzend Städten – zu Besetzungen von Universitätspräsidien, Instituten, Prüfungsämtern und Straßenkreuzungen, sondern zu angekündigten „symbolischen Banküberfällen“: „Damit soll deutlich gemacht werden, dass der Staat zwar innerhalb weniger Tage viele Milliarden Euro zur Rettung der Banken aufgebringe könne, nicht aber für die Bildung, begründete ein Sprecher des Aktionsbündnisses die Aktion.“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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