23. März 2009

Der ganze Artikel aus der „Presse“

2009-03-23T21:08:00+01:0023.03.09, 21:08 |Kategorien: Bildung|

Ich habe es zuerst übersehen: Die „Presse“ hat am Samstag die letzten beiden Absätze meines Gastkommentars irrtümlich nicht abgedruckt. Hier der ganze Text:

Religionsunterricht in Bedrängnis

Die Krisenzeichen sind überdeutlich: Immer mehr SchülerInnen melden sich vom konfessionellen Religionsunterricht ab, und sogar tiefschwarze PolitikerInnen verteidigen ihn nur noch halbherzig. Das ist das Thema von Marian Heitger in seinem Presse-Kommentar „Eine Frage der Haltung“: Ethik- oder doch lieber Religionsunterricht? Unsere Kinder, so Heitger, müssen wissen, „woher wir kommen“, sie sollen also vertraut werden mit den Wertetraditionen unserer Gesellschaft.

Die Frage ist nur, wie. Können wir es uns leisten, an einem Religionsunterricht festzuhalten, der von vielen Kindern nicht besucht wird? Viele SchülerInnenen melden sich ab, und häufig sind in den Klassen Kinder mit so unterschiedlichen Bekenntnissen (oder keinem), dass an einen gemeinsamen Religionsunterricht gar nicht zu denken ist. Insbesondere in der katholischen Kirche steigt die Zahl der Austritte: Der religiöse Fels in der säkularen Brandung wankt. In Wien leben heute rund 760.000 KatholikInnen, rund 400.000 Menschen ohne Bekenntnis und etwa 390.000 Angehörige anderer Konfessionen (65.000 davon ohne genaue Angabe). Dieser – wachsenden – Vielfalt müssen wir in den Schulen Rechnung tragen.

Ein verbindlicher nichtkonfessioneller Ethik- und Religionen-Unterricht könnte auch eine Antwort auf fundamentalistische und demokratieverachtende Tendenzen in etlichen Religionsgemeinschaften sein – indem fundamentalistische Tendenzen islamischen, christlichen oder anderen Zuschnitts im Unterricht kritisch thematisiert werden. Oder ist das derzeit im jeweiligen konfessionellen Unterricht garantiert?

In unserer multireligiösen beziehungsweise nichtreligiösen Welt sollen Jugendliche mit oft unterschiedlichen Wertvorstellungen konfrontiert werden, mit den Menschenrechten, mit Religionen und ihren Grundsätzen. Das schließt den interkonfessionellen Dialog im Schulunterricht ein, einen Dialog, der Verschiedenheiten nicht aus dem Weg geht und gerade deswegen ein respektvolles Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft zum Ziel hat.

Niemand soll indoktriniert werden, sondern alle sollen und müssen in der Schule zu einem Gedankenaustausch über unterschiedliche, miteinander oft unvereinbare Werthaltungen animiert werden. In einer Gesellschaft mit wirklicher Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist es die Aufgabe des Staates, diese Auseinandersetzung zu fördern. Die Alternative sind weltanschauliche Lager- und Ghettobildungen. Und wer will, soll den gegenwärtigen konfessionell gebundenen Religionsunterricht weiterhin als Freifach wählen können.

Doch woher nehmen wir so schnell die benötigten Ethik- und ReligionenlehrerInnen? Da bieten sich natürlich jene ReligionslehrerInnen an, die jetzt schon in beträchtlicher Zahl ihren Unterricht im Sinne der geschilderten Ziele gestalten.

Sie haben großteils einen wesentlich weniger missionarischen Zugang zu ihrem Beruf, als ihn Marian Heitger einfordert. Er will im Religionsunterricht jenes „Offenbarungsfundament“ vermitteln, „das den Irrtum ausschließt“. Das ist das gute Recht jeder Religionsgemeinschaft und kann in einem freiwilligen Unterricht auch stattfinden. Der in religiöser Hinsicht neutrale Staat hat andere Aufgaben.

22. März 2009

Schule braucht Qualität, keine heiße Luft

2009-03-22T14:00:00+01:0022.03.09, 14:00 |Kategorien: Bildung|

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht: Die Ankündigungen von Bildungsministerin Claudia Schmied in der ORF-Pressstunde waren viel heiße Luft, das einzig Konkrete ist die Forderung nach zwei Stunden Mehrarbeit. Das simple Aufzählen der diversen Budgetposten und der achselzuckende Hinweis, es gebe nicht mehr Geld vom Finanzminister, ersetzen klare Zielvorgaben nicht.

Sinnvoll in der jetzigen Situation wäre es, zwei zusätzliche Werteinheiten pro Lehrkraft nicht in den Regelunterricht zu investieren, sondern den Schulen autonom zur Verfügung zu stellen – ausschließlich gewidmet für Nachmittagsbetreuung, Förderunterricht, Teamteaching, Begabungsförderung und Gruppenteilungen. Das wäre eine echte Investition in die Schulqualität für Kinder und Jugendliche und eine Entlastung für die Eltern.

Es wird LehrerInnen geben, die im kommenden Schuljahr keine Lehrverpflichtung mehr haben. Eine „Beschäftigungsgarantie“ ist eine Irreführung der Betroffenen, zumal sie in einem Standard-Interview kleinlaut zugibt, in den nächsten zwei Jahren gebe es einen Einstellungsstopp. Angesichts Schmieds Argumentationen zu ihrer Budgetnot, stellen sich jedoch zwei konkrete Fragen: Wieso verhandelt sie mit der BIG keine Mietreduktion für die Schulen? Wieso setzt sie keine Umsetzungsschritte für die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Landesschulräte?

40.000 SchülerInnen müssen jedes Jahr das Schuljahr wiederholen, das kann sich Österreich einfach nicht leisten – das bedeutet, dass strukturelle Reformen dringend notwendig sind.

21. März 2009

Das Kreuz mit dem Religionsunterricht

2009-03-21T09:01:00+01:0021.03.09, 9:01 |Kategorien: Bildung|

Es ist ein Kreuz mit dem Religionsunterricht. Am Donnerstag hat in der „Presse“ der Erziehungswissenschaftler Marian Heitger ein Plädoyer für einen „straffen“ Religionsunterricht abgeliefert: „Eine Frage der Haltung„. Einige Kernthesen zum Religionsunterricht im Original:

„Seine Aufgabe ist die Vermittlung der Offenbarung, jenes Wortes, in dem die absolute Wahrheit sich selbst zum Ausdruck gebracht hat.“

„Der Religionsunterricht ruht auf einem Offenbarungsfundament, das den Irrtum ausschließt, dem sich die Vernunft in immer neuem und besserem Verstehen zuwendet, ohne ihren Inhalt je ausschöpfen zu können.“

„Der Religionsunterricht stiftet Gewissheit, sofern er sein Fundament in der Offenbarung hat, er bleibt fragend und antwortend, sofern er der Auslegung durch das endliche Wort verhaftet bleibt.“

Das regt an (zur Diskussion) und auf (zum Widerspruch). Die „Presse“ hat mir Gelegenheit gegeben, darauf heute zu antworten: Religionsunterricht in Bedrängnis.

Meine Thesen ganz kurz: Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten (inhaltlich gemeint, nicht finanziell), an einem Religionsunterricht festzuhalten, der von vielen Kindern nicht besucht wird. Zu deutlich sind die Krisenzeichen: Immer mehr Schüler melden sich vom konfessionellen Religionsunterricht ab, und sogar tiefschwarze Politiker verteidigen ihn nur noch halbherzig. Wir müssen (durchaus im Bündnis mit fortschrittlichen ReligionslehrerInnen) neue Wege beschreiten, denn ein Unterricht über unsere Werte und Religion(en) ist unverzichtbar.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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