4. März 2009

Bildungskarrieren entscheiden sich im Kindergarten!

2009-03-04T00:50:00+01:0004.03.09, 0:50 |Kategorien: Bildung|

Das wissen eigentlich alle Fachleute, das sagen die ExpertInnen der Ministerin. Und was geschieht? Statt durchdachter Konzepte und klugen Strukturreformen gibt es markige Sprüche, Kampfansagen an die LehrerInnengewerkschafter, peinlichen Budgetpoker und

LehrerInnen-Bashing.

Der am Montag präsentierte Bericht der Expertengruppe zu den PISA-Ergebnissen beinhaltet eigentlich alles, was wir brauchen und analysiert die Probleme richtig: Wohlsituierte und gut ausgebildete Eltern geben ihre Kinder früh in den Kindergarten und sorgen so für die optimale Frühförderung. MigrantInnen und sozial schwache Familie können sich für ihre Kinder diesen „Luxus“ meist nicht leisten. Ihre Kinder werden bei Platzmangel abgewiesen. Dieser bildungspolitische Zynismus muss beendet werden. Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf einen Gratis-Kindergartenplatz.

Frühförderung ist der Schlüssel zum Erfolg, gefolgt von einem ganztägigen Schulangebot und einer gemeinsamen Schule.

Auf einen Einwand möchte ich näher eingehen, weil ich in der letzten Zeit einige Mails dazu bekommen habe und auch Blog-Einträge in diese Richtung gingen: Man raube den Kindern durch die Ganztagsbetreuung ihre Kindheit und den Eltern ihre Kinder. Ganztagsbetreuung ist im Bereich des Kindergartens und der Schule notwendig, weil die gesellschaftliche Realität sich nicht an überkommene Wunschvorstellungen von der „heilen Familie“ (möglichst noch mit der Großmutter) hält. In vielen Familien werden die Grundbedürfnisse von Kindern nach Nähe nicht oder nicht ausreichend befriedigt, sie bleiben in der Sprachentwicklung und in der Erlangung von Sozialkompetenzen zurück und benötigen daher Unterstützung und Hilfe. Eine gut geführte Ganztageseinrichtung ist eine Möglichkeiten, diesen Kindern diese Entwicklungsmöglichkeit zu geben, sie gibt ihnen die Chance, ihre Defizite auszugleichen. Das hat nichts mit Verstaatlichung des Privaten zu tun – es ist als Angebot zu verstehen.

Das ist im Übrigen bei Fachleuten unbestritten: „Die Ganztagsschule ist eine notwendige Voraussetzung für ein erfolgreiches Schulsystem“, sagt beispielsweise Bildungsforscher Andreas Schleicher, der Koordinator der PISA-Studie. Sie dürfe aber keine „Kinderverwahranstalt am Nachmittag“ sein. Und der Hirnforscher Manfred Spitzer attestiert: „Die alternative sinnvolle Nachmittagsgestaltung ist wichtiger denn je.“

Darüber sollten sich Schmied und Pröll unterhalten und geeignete Maßnahmen beschließen, damit Österreich international im Bildungsbereich wieder eine Spitzenposition einnehmen kann.

3. März 2009

Expertenbericht zu PISA 2006

2009-03-03T01:27:00+01:0003.03.09, 1:27 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Am Montag ist der Expertenbericht zu PISA 2006 erschienen. Überraschung ist – leider – keine dabei: Österreichs SchülerInnen bleiben Mittelmaß, Tendenz sogar leicht sinkend. Ich möchte nur einen Aspekt herausgreifen: das Lesen.

Lesen stallt ja eine Art Grundkompetenz dar. Ohne ausreichende Lesekompetenz ist man im täglichen Leben von Informationen abgeschnitten. In Österreich zählen 22 der 15-/16-Jährigen zur Lese-Risikogruppe (OECD-Länder 20, Deutschland 20, Schweiz 16). In Finnland sind es nur 5, in Korea 6 der 15-/16-Jährigen.

Und wie schaut es mit den Spitzenleistungen aus? Österreich weist mit 9 einen ähnlich großen Anteil an Lese-SpitzenschülerInnen auf wie im Bereich Naturwissenschaft und erreicht gerade mal den OECD-Schnitt (Deutschland 10, Tschechien 9 und die Schweiz 8). Länder mit einer modernen Ganztags- und Gesamtschule sind auch hier deutlich voran: Kanada (15), Neuseeland (16) oder Finnland (17). Den höchsten Anteil erreicht Korea mit 22.

Ein großes Problem vor allem bei den AHS sind die großen Unterschiede zwischen den Schulen: 143 Punkte trennen die AHS mit dem höchsten Lesemittelwert von jener mit dem niedrigsten. Das entspricht etwa zwei Kompetenzstufen.

Und was ziehen die Experten für Schlüsse aus diesen und anderen dargestellten Fakten?

„Die gegliederte Schulstruktur der Sekundarstufe I erlaubt es, Schüler/innen, statt sie entsprechend zu unterstützen und zu fördern, in Differenzierungsgruppen abzuschieben, die vermeintlich ihrem Leistungsstand besser entsprechen. Dies betrifft zum Beispiel die ´Rückfluter` aus der AHS oder die Abstufung in niedrigere Leistungsgruppen in der Hauptschule. Die Möglichkeit der Aussonderung der jeweils leistungsschwächeren Schüler/innen verhindert die Entstehung einer konsequenten Förderkultur.

Begleiterscheinung dieses Systemmerkmals ist das Auftreten von Gruppierungen, die in einem hohen Ausmaß aus lernschwachen oder auch lernunwilligen Schülerinnen und Schülern bestehen, die sich aus Mangel an Kompetenzen wechselseitig beim Lernen nicht unterstützen können, und denen das Leistungsvorbild der motivierteren und leistungsstärkeren Schüler/innen fehlt.“

2. März 2009

Werden die LehrerInnen streiken?

2009-03-02T08:16:00+01:0002.03.09, 8:16 |Kategorien: Bildung|

Man darf gespannt sein, wie sich Ministerin Claudia Schmied in den kommenden Tagen verhält. Die Stimmung an der Basis jedenfalls ist eindeutig. Es brodelt. Die ÖLI-UG (Österreichische LehrerInnen Initiative – Unabhängige GewerkschafterInnen für mehr Demokratie) hat in einer Aussendung Klartext geredet und fordert von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) Streikmaßnahmen: „Keine Arbeitszeiterhöhung! Arbeitsbelastung reduzieren! Keine Gehaltskürzung, keine Abwertung von Bildungsarbeit! Arbeitsplätze für JunglehrerInnen sichern und ausbauen!“ Streik ist sicher das härteste Mittel in einem Arbeitskampf und muss daher mit Bedacht eingesetzt werden. Der Stimmung an den Schulen dürfte diese Forderung aber sicher entsprechen.

Um ein Argument der ÖLI-UG wird die Ministerin nicht herumkommen: Die LehrerInnen haben ihren Solidarbeitrag wie alle SteuerzahlerInnen für die verfehlte Wirtschaftspolitik bereits über die diversen Rettungspakete bezahlt. Ich kann mich der Ablehnung des „Schmied-Pakets“ daher nur anschließen, zumal die Proteste der ÖLI-UG nicht nur standespolitische Aspekte haben. Die Forderung nach kinder- und menschenfreundlichen, weltoffenen Schulen beispielsweise ist gerade in Zeiten wie diesen wichtig: Schulen müssen ein Lern- und Lebensraum ohne Angst und Überbelastung sein. Wir brauchen eine Schule, die es Kindern ermöglicht, selbstbewusste und selbstbestimmte Menschen zu werden. Die angekündigten Sparmaßnahmen leisten dazu nicht nur keinen Beitrag, sondern sind sogar kontraproduktiv.

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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