27. Februar 2009

Chaos in der Bildungspolitik!

2009-02-27T17:28:00+01:0027.02.09, 17:28 |Kategorien: Bildung|

Schön langsam ist die Vorgangsweise von Ministerin Claudia Schmied nicht mehr nachvollziehbar.

Einerseits werden in Ho-Ruck-Manier gravierende Maßnahmen über die Schlechterstellung aller LehrerInnen per E-Mail öffentlich gemacht. Zwei Stunden mehr für alle – weil die LehrerInnen einen Solidarbeitrag zahlen sollen. Okay! Dann aber bitte auch MinisterInnen, BankmanagerInnen – oder alle anderen Beamten, und die Bankangestellten und und und. Der Vorschlag von Ministerin Schmied ist Populismus pur, unterstellt LehrerInnen generell, sie arbeiteten zu wenig und erinnert stark an die Gehrer-Ära.

Andererseits das Chaos in Sachen Neue Mittelschule: Inzwischen rücken immer mehr von diesem Schulversuch ab, Stellungnahmen wie jene der Wirtschaftskammer nähern sich immer mehr der Position der Grünen an. Erst wenn das Ziel der Reform klar ist, können auch zielgerichtete Maßnahmen in diese Richtung gesetzt werden. Das leuchtet wohl jedem ein. Das Ziel von Landesrat Stemer dürfte aber ein deutlich anderes sein als jenes von Mnisterin Schmied: nur sagen sie es beide nicht. Daraus resultiert das derzeitige Chaos: Es gibt nicht einen Versuch, sondern in jedem Bundsland ein eigenes Modell, innerhalb der BUndesländer – besnders krass in Vorarlberg – hat noch dazu fast jeder Standort ein anderes Modell. Was soll da evaluiert werden?

Übrigens: Die heutige Nacht im Parlament hatte es in sich. Nachdem die FPÖ uns Grünen vorwarf, wir würden in Tirol gemeinsame Sache mit den Faschisten machen, wenn es nur gegen Andreas Hofer und die „traditionellen Werte“ ginge, habe ich mich in eine scharfe, aber lustvolle parlamentarische Auseinandersetzung mit einigen Radikalinskis aus der blauen Riege (Königshofer und Neubauer) eingelassen. Gegen zwei Uhr früh (!) musste ich im Parlament dann noch gegen eine weitere populistische Attacke gegen LehrerInnen Stellung beziehen: Das BZÖ brachte einen Antrag ein, der die LehrerInnen in den letzten drei Ferienwochen zu unentgeltlicher Nachhilfe verpflichten möchte. Die orangen Herrschaften nennen das in ihrem Antrag selbst eine „unkonventionelle Idee“. Präziser wäre wohl, sie als „Schnapsidee“ zu bezeichnen.

Dabei ist das Problem bei jährlich etwa 50.000 SchülerInnen mit einem oder mehreren „Nicht Genügend“ im Jahreszeugnis durchaus real. Statt aber auf Ursachenforschung zu gehen, wird versucht, mit untauglichen Mitteln Symptome zu kurieren. Derzeit organisieren viele Eltern schon für die VolksschülerInnen bezahlte Nachhilfe (laut einer AK-Studie sind es acht Prozent!).

26. Februar 2009

Schmied auf Gehrers Spuren

2009-02-26T00:21:00+01:0026.02.09, 0:21 |Kategorien: Bildung|

Man fühlt sich wirklich zurückerinnert an die unseligen Zeiten, in denen Elisabeth Gehrer das Bildungssystem kaputt gespart hat – durch Streichung von Klassenvorstandsstunden, Erhöhung der Arbeitszeit mittels Supplierverpflichtung, Streichung von Unterrichtsstunden und anderen Sparmaßnahmen. Schmied betreibt nun weitere Verschlechterungen für die Schulen. Wenn ihre Pläne konsequent durchgezogen würden, bedeutet das den Arbeitsplatzverlust für 10-12.000 LehrerInnen.

War da nicht die Rede von Bildunsgoffensive, von Reformen, von Ausbauprogrammen für die Ganztagsschule, Teamteaching? Und was ist mit jenen StudentInnen und JunglehrerInnen, die derzeit das Probejahr machen oder ihr Studium abschließen und auf eine Anstellung hoffen? Sie müssen jetzt wohl mit einem Aufnahmestopp rechnen.

In Krisenzeiten Geld bei Schule und Ausbildung zu sparen, ist grob fahrlässig und vernichtet die Chancen unserer Kinder. Die Bildung braucht gerade in Krisenzeiten mehr Geld. Um die besten LehrerInnen zu gewinnen, brauchen wir eine neues Dienst- und Besoldungsrecht und keine radikalen Sparmaßnahmen! Die geplante Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung verschlechtert die Situation für die LehrerInnen gravierend. Gefordert sind Maßnahmen, die sie fit machen für die Schule der Zukunft, wie Schmied immer so schön formuliert.

Die LehrerInnen leiden bereits jetzt unter äußerst schwierigen Arbeitsbedingen. Burn-out, Krankenstände und stressbedingte psychische Erkrankungen nehmen laufend zu. Für LehrerInnen gibt es keine geeigneten Arbeitsplätze an Schulen, sie übernehmen immer mehr Erziehungs- und Sozialarbeit. Wenn Schmied international übliche Verhältnisse herstellen will, dann muss sie die Qualität der Arbeitsplätze erhöhen, Supervision anbieten und SozialarbeiterInnen sowie SchulpsychologInnen an allen Schulen bereitstellen. Und was macht sie? Populäres LehrerInnen-Bashing wie zu Gehrers Zeiten!

25. Februar 2009

Skandal: kritischer Islamlehrer entlassen!

2009-02-25T09:34:00+01:0025.02.09, 9:34 |Kategorien: Bildung|

So schnell geht´s: Heute Nacht habe ich noch einen Blog-Eintrag geschrieben, schon ist er überholt! Die Islamische Glaubensgemeinschaft entlässt einen kritischen Religionslehrer!

Die Vorgeschichte: Aly El Goubashy hat im gestrigen Standard eine kritischen Artikel über den Zustand des islamischen Religionsunterrichts geschrieben („Lernen für das Leben in der Isolation„) – und wurde postwendend durch den Leiter des Schulamtes bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft Anas Schakfeh gekündigt. Wörtlich heißt es im Schreiben des Schulamtes: „Durch Ihre Behauptungen und Beschuldigungen in Ihrem heutigen Gastkommentar haben Sie jede Grenze des Zumutbaren und Tolerierbaren überschritten. Aufgrund dessen sieht sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich veranlasst, Ihre Lehrermächtigung für den islamischen Religionsunterricht mit sofortiger Wirkung zu entziehen.“

Das ist nicht nachvollziehbar: Sachlich argumentierenden Kritikern mit fundiertem Wissen wird mit sofortiger Wirkung die Lehrermächtigung entzogen, Lehrer ohne Ausbildung und mit oft sehr problematischem Verhältnis zur Demokratie und den Menschenrechten werden gedeckt, das ist inakzeptabel!

Der Fall empört mich auch aus persönlichen Gründen: Aly El Ghoubashy ist Religionslehrer an meinem Gymnasium. Ich habe seine Arbeit mitverfolgt und ihn auch bei Maturaprüfungen beobachtet. Er unterrichtet aufgeschlossen und sehr zeitgemäß.

Ich fordere die sofortige Rücknahme des Entzugs der Lehrermächtigung und Konsequenzen für den Leiter des Schulamtes: Anas Schakfeh ist nach dieser Aktion nicht mehr tragbar!

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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