12. Dezember 2016

Österreich, das familienfreundlichste Land? Noch lange nicht!

2016-12-12T12:22:10+01:0012.12.16, 12:02 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

Es ist auch aus der Ferne phantastisch zu sehen, wie mein Enkel sich entwickelt. Meiner ist bald vier Jahre alt, die ersten drei Jahre wuchs er in Hamburg auf und konnte dort ab dem ersten Geburtstag eine KindertagesstÀtte (Kita) besuchen.

In Hamburg hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zur Einschulung – unabhĂ€ngig von der BerufstĂ€tigkeit der Eltern – einen Rechtsanspruch auf eine fĂŒnfstĂŒndige beitragsfreie Betreuung pro Tag mit Mittagessen.

Davon können Eltern in Österreich nur trĂ€umen. Im Gegenteil: Immer wieder wird mir bei entsprechenden Diskussionen im Nationalrat unterstellt, wir wollten die Familien „zerstören“.

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Mein Enkel ist ein Beleg fĂŒr das Gegenteil: Er ist tĂ€glich mit einer riesigen Freude in die Kita gegangen, und er hat jeden Tag spielerisch ein StĂŒck dazugelernt: in seiner Sprachentwicklung, in seinem Verhalten anderen gegenĂŒber, und – der beste Beweis! – auch politisch ist er schon 1A …

7. Dezember 2016

Die FPÖ und ihr Bildungsproblem: Gute Nacht!

2016-12-07T12:47:42+01:0007.12.16, 12:39 |Kategorien: Bildung, Gesellschaft|Tags: , |

DisziplinUnerfreulich sind die gestern prÀsentierten Ergebnisse aus der letzten PISA-Untersuchung allemal. Da ist dem freiheitlichen Bildungssprecher Walter Rosenkranz zuzustimmen. Aber hier ist die Schnittmenge zwischen Rosenkranz und mir auch schon zu Ende.

„Zu den heute veröffentlichten katastrophalen Ergebnissen der letzten PISA-Studie meint FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz: ‚Wenn es nicht bald gelingt, Schulen zu Bildungseinrichtungen zu machen, die sich an den Kriterien Anstrengung, Leistung und Disziplin orientieren, dann ‚Gute Nacht‘ fĂŒr Österreichs Kinder! Schulen sind primĂ€r Bildungs- und nicht Sozialeinrichtungen.’“ *

„Anstrengung, Leistung und Disziplin“, das ist also das Rezept der FPÖ, um unsere Kinder bildungsmĂ€ĂŸig nach vorne zu bringen. Wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen suggeriert die FPÖ, dass es irgendwann einmal besser war, dass es irgendwann eine heile Zeit gegeben hĂ€tte. Aber gerade im Bildungswesen liegt die FPÖ fundamental daneben. Manche von uns erinnern sich an Zeiten, wo die blauen Bildungswerte tatsĂ€chlich noch GĂŒltigkeit hatten, wo der Weg von Kindern ausschließlich durch die Herkunft gezeichnet und ein Aufstieg in der Regel unmöglich war. TrĂ€umt Rosenkranz tatsĂ€chlich von „Seinerzeit“, als der eigenstĂ€ndige Wille von Kindern durch „Disziplin und Ordnung“ schon in der Volksschule gebrochen wurde und nur eine schmale, durch das soziale System vorbestimmte Elite den Weg durchs Gymnasium geschafft hatte?

Eine der grĂ¶ĂŸten Leistungen von Bruno Kreisky war, das österreichische Bildungswesen zu öffnen: durch viele kostenlose Leistungen, durch Minimierung der EingangshĂŒrden, indem etwa Gymnasien am Land eröffnet und die AufnahmeprĂŒfungen eliminiert wurden und wesentlich auch durch die Etablierung von demokratischeren Strukturen in der Schulwelt. Die PrĂŒgelstrafe in Schulen wurde 1974 verboten, spĂ€ter folgte das Verbot von jeder Form von physischer und psychischer Gewalt. Profitiert haben davon viele, aber der von Kreisky eingeschlagene Weg ist nicht mehr fortgesetzt worden. Diesen Preis bezahlen nun wir – das heißt, unsere Kinder.

Was will die FPÖ also, wenn sie „Anstrengung, Leistung und Disziplin“ einfordert? Der Blick in blaue Wahlprogramme und auf Maßnahmen, wie sie etwa in Oberösterreich gesetzt bzw. gefordert wurden, lohnt sich: Die Forderung nach Sprachverboten („Pausensprache Deutsch“) und nach einem verpflichtend vorgegebenen patriotischer Gedichte- und Liederkanon zum Auswendiglernen gingen durch die Medien – alles freilich von jenen abgelehnt, die wenigstens einen blassen Schimmer von pĂ€dagogischen und methodischen Grundkenntnissen aufweisen können. Die seit Herbst 2015 in Wels regierende FPÖ hat fĂŒr ihre bildungspolitischen Maßnahmen, die zu KĂŒrzungen in den stĂ€dtischen KindergĂ€rten gefĂŒhrt haben, am Sonntag ihre Rechnung bekommen: 56% haben fĂŒr Alexander Van der Bellen und damit gegen den blauen PrĂ€sidentschaftskandidaten gestimmt. Dumm gelaufen: Das Volk, das die FPÖ so gerne beschwört, ist in ganz Oberösterreich mehrheitlich nicht der blauen Regierungspartei gefolgt.

Aber wo ortet Rosenkranz die Schuldigen? „Die linke Bildungspolitik sei völlig am Holzweg. Mit PISA sei nun ein weiteres Mal ihr Totalversagen bestĂ€tigt worden. ‚Gott sei Dank fĂŒr Van der Bellen wurde dieses Ergebnis erst heute bekannt und nicht schon vor seiner Wahl, denn sĂ€mtliche seiner UnterstĂŒtzer sind an dieser Misere schuld’, so Rosenkranz.“ Ah, die Van der Bellen-UnterstĂŒtzerInnen sind also verantwortlich, „sĂ€mtliche“ wohlgemerkt! Nicht etwa die FPÖ, die ihre AnhĂ€ngerInnen durch eine Unzahl von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien in teilweise schon als paranoid zu bezeichnende ZustĂ€nde treibt und bei denen jegliche AufklĂ€rungsversuche, die auf Vernunft setzen, mit dem Hinweis aufs „System“ und die „LĂŒgenmedien“ abgeschmettert werden. Wollte die FPÖ tatsĂ€chlich etwas fĂŒr die Bildung tun, wĂ€re ihr dringend anzuraten, mit der eigenen Verdummungspolitik aufzuhören.

Ich bleibe bei meiner Linie: Der Erfolg einer Gesellschaft misst sich wesentlich darin, wie viele Chancen sie ihren Mitgliedern bietet. Bildungseinrichtungen sind natĂŒrlich auch soziale Einrichtungen, die durch gezielte Förderung gerade jenen Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen, die Bildung nicht durch Wohlstand des Elternhauses automatisch vererbt bekommen. Unsere zentralen LösungsvorschlĂ€ge dafĂŒr liegen seit langem auf dem Tisch: ein Ende des Systems, das Kinder viel zu frĂŒh „ausmistet“ und Geld dorthin, wo es ganz besonders benötigt wird. Blau-Ă€ugig, mit eingelegtem RĂŒckwĂ€rtsgang wĂŒrden wir den gegenteiligen Weg einschlagen. Aber wer weiß: Vielleicht will das die FPÖ? Dann heißt’s jedoch wirklich: „Gute Nacht!“

 

*http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20161206_OTS0076/fpoe-bildungssprecher-walter-rosenkranz-pisa-studie-zeigt-linke-bildungspolitik-hat-total-versagt

28. November 2016

„Gottlose“ Alternativschulen ziehen vor Gericht

2016-11-28T12:43:33+01:0028.11.16, 10:13 |Kategorien: Bildung|Tags: , |

kindergruppe

Nach wie vor blockieren die Regierungsparteien die ĂŒberfĂ€llige Gleichstellung nichtkonfessioneller Privatschulen mit den konfessionellen. Seit acht Jahren bin ich Bildungssprecher der GrĂŒnen, seit dieser Zeit kĂ€mpfe ich diesbezĂŒglich fĂŒr faire Bedingungen („Gottlose“ Privatschulen haben finanziell das Nachsehen). Auch letzte Woche im Parlament haben nur wir GrĂŒne und die Neos dafĂŒr gestimmt.

UrsprĂŒnglich war ĂŒbrigens geplant, dass Matthias Strolz und ich den Antrag gemeinsam einbringen. Wir waren zwar ĂŒber den Antragstext einig, nicht aber mit der BegrĂŒndung: Wir wollen zur Finanzierung der Gleichstellung „frisches Geld“, die Neos wollen einerseits Geld aus dem Topf fĂŒr Teamteaching an den Neuen Mittelschulen abziehen und andererseits Gelder aus der geplanten Offensive zum Ausbau der Ganztagsschulen verwenden. Das ist fĂŒr mich nicht nachvollziehbar: Geld aus öffentlichen Schulen abzuziehen und an die Alternativschulen weiterzugeben, wĂŒrde zu heftigen Reaktionen in öffentlichen Schulen und bei den betroffenen Eltern fĂŒhren.

Wichtiger erscheint mir derzeit zudem, den politischen Druck auf die Regierung zu erhöhen. Die Ministerin hat mir im Ausschuss bestĂ€tigt, dass fĂŒr eine Gleichstellung der nichtkonfessionellen Schulen gut 20 bis maximal 30 Millionen Euro nötig wĂ€ren, das sind etwa 0,2 bis maximal 0,3 Prozent des Unterrichtsbudgets. Das soll nicht aufzubringen sein, wenn gleichzeitig eine höchst umstrittene „Sicherheitsmilliarde“ fĂŒr das Bundesheer bereitgestellt werden kann?

In einigen BundeslĂ€ndern bereiten die GrĂŒnen Fraktionen daher AntrĂ€ge im Sinne der Alternativschulen vor. Bereits gestern war das in der Steiermark der Fall, andere Landtage werden folgen.

Ich unterstĂŒtze ausdrĂŒcklich die von den betroffenen Eltern und Schulen eingebrachte Verfassungsklage gegen die jahrelange Diskriminierung und habe das nach Einbringung der Klage auch ausdrĂŒcklich betont: „Faire Bedingungen fĂŒr freie Schulen“.

NatĂŒrlich sehe ich meine Hauptaufgabe darin, das öffentliche Schulwesen weiterzuentwickeln. Aber die sogenannten „alternativen Privatschulen“ sind so etwas wie das Salz in der pĂ€dagogischen Suppe. Heute gibt es kaum eine öffentliche Schule, die nicht von ihren Erfahrungen profitiert, angefangen mit ganztĂ€gigen Schulformen, Montessori- oder Waldorf- PĂ€dagogik ĂŒber alternative Beurteilungen bis zu neuen Modellen der Gruppenbildung in Mehrstufenklassen. Diese Schulen brauchen genauso wie staatliche oder konfessionelle Planungssicherheit und eine langfristig garantierte solide Finanzierung. Es wĂ€re daher wichtig, dass sie vor dem Verfassungsgerichtshof Erfolg haben !

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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