15. Februar 2014

Schulnoten sind ungerecht!

2014-02-15T10:24:00+01:0015.02.14, 10:24 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Kann man diese Behauptung wirklich so plakativ aufstellen? Ja, leider, man kann. Dazu habe ich heute im Ö1-Morgenjournal Stellung genommen (Gymnasium: Grüne gegen Auslese über Noten)

Die Zeitschrift „Erziehung und Unterricht“ hat jüngst eine Studie zu den Ziffernnoten in der Volksschule präsentiert („Schlechte Zensuren für Ziffernnoten“). Das erschütternde Ergebnis: Was in der einen Klasse noch zu einem Sehr gut reicht, kann in einer anderen zu einem Genügend führen. Das eine Kind kann in die AHS, das andere …

Auch das BIFIE (Notengerechtigkeit bei der Risiko- und Spitzengruppe) warnt: In der Volksschule gibt es in vielen Klassen nur Sehr gut und Gut, die meisten Lehrkräfte geben auch Befriedigend und fast niemand nutzt die gesamte Notenskala von 1 bis 5. Kommen SpitzenschülerInnen in eine Klassen mit einem hohen Leistungsniveau haben sie Pech gehabt, denn die Wahrscheinlichkeit die sehr gute Leistung auch mit Sehr gut benotet zu bekommen, sinkt dort um zehn Prozent.

Die Neue Mittelschule – so wurde versprochen – werde den Kindern und ihren Eltern viel Druck nehmen. Und wie schaut es heute aus? Der Koordinator für die Neue Mittelschule in Vorarlberg sagt, „das Ziel des Schulversuchs Neue Mittelschule, den Selektionsdruck auf die Volksschulen zu senken“, sei nicht erreicht worden: „Der Notendruck in den Volksschulen ist nicht gesunken.“

Ungerecht und verwirrend geht es mit dem Notensystem in der Neuen Mittelschule weiter: Die Notenskala in der „vertieften Bildung“ in der NMS mit dem Bildungsziel der AHS-Unterstufe reicht von 1 bis 4, denn ein Fünfer entspricht einem Dreier nach „grundlegender Bildung“ mit gleichen Inhalten (!). Daraus ergibt sich eine Beurteilungsskala mit den sieben Noten 1, 2, 3, 4, 3g, 4g, 5g. Verstanden? Macht nichts: Das geht den meisten so.

Warum das ungerecht ist? Ein Genügend in der „vertieften Bildung“ entspricht einem Gut im grundlegenden Bereich – oder anders ausgedrückt: Man kann sich von einem Befriedigend auf ein Genügend verbessern! Während man aber mit einem „Befriedigend“ in „grundlegenden Bereich“ keine Chance auf eine weiterführende Schule hat und die Note unveränderlich feststeht, kann der AHS-Schüler mit einem gleichwertigen (!) Nicht genügend eine Wiederholungsprüfung machen. Ob das alle Lehrherren und -frauen auch wissen?

Und schon vor dieser komplizierten „Reform“ waren die Noten ungerecht. Ich zitiere aus der BIFIE-Studie:

• „Mehr als 70 der Schüler/innen mit der Note Befriedigend haben bei PIRLS eine Leseleistung erzielt, wie sie auch bei Schülerinnen und Schülern mit der Note Gut vorkommen. Etwa 50 der Schüler/innen mit Befriedigend haben sogar Testwerte, die auch bei Schülerinnen und Schülern mit der Note Sehr Gut zu finden sind.“

• „Die 20 schlechtesten Schüler/innen mit der Deutschnote Sehr Gut haben dieselbe Testleistung erzielt wie die besten Schüler/innen mit einem Nicht Genügend.“

Ein Mutter hat mir nach einem harten Kampf um einen Schulplatz für ihre Tochter geschrieben: „Mir fiel auf, dass es ein 2-Klassen Schulsystem gibt, das schon am Ende der Volksschule beginnt.“

Was wollen die Grünen? Ein Ende des Ziffernnotensystems bis zur Sekundarstufe. Das aber ist nur in einer Gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr möglich.

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

13. Februar 2014

Neue Mittelschule: Blindflug beenden!

2014-02-13T13:03:00+01:0013.02.14, 13:03 |Kategorien: Bildung|Tags: |

Mit welchen Hoffnungen haben engagierte Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern und vor allem die Kinder das Projekt „Neue Mittelschule“ (NMS) begonnen! Die SPÖ hat zu Beginn im Jahr 2007 versprochen, es handle sich um „Modellversuche zur gemeinsamen Schule der 10-14-Jährigen“. So noch heute nachlesbar auf der Homepage des Bildungsministeriums. Und natürlich – so hieß es – werde nach vier Jahren und somit im Jahr 2013 zuerst einmal evaluiert: „Die Modellprojekte werden auf Basis der bundesweiten Kriterien des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Bildungswesens (Bifie) wissenschaftlich begleitet und evaluiert.“

Die Realität war anders: Schon vor (!) Abschluss der ersten Modellversuche wurde die NMS im Frühjahr 2012 zur Regelschule – gegen den Widerstand von uns Grünen. Die ernüchternden Ergebnisse der Standards-Testungen und die Rückmeldungen engagierter Lehrkräfte aus der NMS bestätigen nun leider meine damaligen Befürchtungen. In einer Pressekonferenz habe ich heute daher ein Ende des bildungspolitischen Blindflugs und die sofortige Evaluierung der NMS gefordert.

Ministerin Heinisch-Hosek hingegen sieht die Sache weniger dramatisch, spricht nur von „Kinderkrankheiten“ und kündigt die Evaluierung erst für Mai 2015 an.

Ich erinnere an das Ergebnis der Rechnungshof-Überprüfung, der ein vernichtendes Urteil über NMS gefällt hat. Die NMS sei „entgegen der gesetzlichen Vorgabe zur verpflichtenden wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der NMS-Modellversuche“ im Regelschulwesen eingeführt worden. „Eine zentrale Entscheidungsgrundlage für diese wichtige bildungspolitische Maßnahme mit weitreichenden finanziellen Auswirkungen lag nicht vor.“

Laut Rechnungshof belaufen sich die Kosten für Lehrkräfte pro SchülerIn in Österreich in der NMS auf 7.180 €, in der Hauptschule auf 6.557 € und in der AHS auf 4.698 €.

„Wo verschwindet denn das Geld?“, werden sich da die Lehrkräfte an den Pflichtschulen fragen: An ihrem Gehalt kann es nicht liegen!

Der Rechnungshof gibt eine Vielzahl von Antworten, die allesamt auf eines hinauslaufen: überbordende Bürokratie, nutzlose Propaganda etc.!

Reicht das? Mir schon. Der bildungspolitische Blindflug muss beendet werden!

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

8. Februar 2014

Politische Bildung, Dollfuß und die Demokratie

2014-02-08T18:55:00+01:0008.02.14, 18:55 |Kategorien: Bildung|

Bundeskanzler Werner Faymann hat heute gemeint, das Bild von Engelbert Dollfuß gehöre nicht ins Parlament. Richtig! Das Bild des austrofaschistischen Führers hängt bekanntlich noch immer im ÖVP-Klub. Da wäre ein bisschen Politische Bildung und Geschichtsunterricht nicht schlecht.

Dazu passt eine andere Meldung: Der Vorarlberger Zeithistoriker Werner Bundschuh hat heute in einem Interview mit dem ORF zurecht gefordert, Politische Bildung zum Pflichtfach zu machen. Aus seiner Sicht wäre das ein wichtiger Beitrag zu Schutz der österreichischen Demokratie vor autoritären Tendenzen (Politische Bildung als Schutz für die Demokratie).

Im Wahlkampf waren bei sämtlichen Diskussionen alle Parteien dafür – jetzt schaut die Sache leider schon wieder anders aus. Mehrfach habe ich mich auf diesem Blog dafür ausgesprochen, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und die Versprechungen einzulösen. Der damalige Staatssekretär und heutige Außenminister Sebastian Kurz hat damals groß verkündet, er sehe einen „großen Bedarf an Wertevermittlung“ an unseren Schulen und er wolle deshalb ein zusätzliches Pflichtfach „Staatskunde“ ab der fünften Schulstufe: „Viele, die hier geboren sind, haben dennoch wenig Bezug zu diesem Land.“ Ich möchte nur ganz bescheiden darauf hinweisen, dass das nicht nur für Kinder und Jugendliche mit migrantischem Hintergrund gilt! Schon mal was von rechtsextremen Jugendlichen gehört? Von Gewaltbereitschaft? Ist der Uraltbegriff „Staatskunde“ statt „Politische Bildung“ ein Signal? Wir wollen es nicht hoffen!

Für die „Grüne Schule“ gilt: „Kein Kind zurücklassen!“

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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