28. Januar 2013

Wasser ist ein Menschenrecht!

2013-01-28T12:30:00+01:0028.01.13, 12:30 |Kategorien: Klima und Umwelt|

Im Rahmen einer Pressekonferenz habe ich heute in Vorarlberg zur drohenden Privatisierung der Wasserversorgung Stellung bezogen. London, Paris und Berlin haben diesen Weg beschritten und rudern jetzt zurĂŒck. Die Gefahr ist real und droht von zwei Seiten:

‱ KrisenlĂ€nder brauchen Geld, deshalb zwingt die Troika in BrĂŒssel sie jetzt klammheimlich, ihre Wasserversorger zu verkaufen. Das ARD-Magazin MONITOR berichtet ĂŒber den ihm vorliegenden Anhang der Troika-VertrĂ€ge: In Griechenland sollen die Wasserwerke von Athen und Thessaloniki verkauft werden. Zu Portugal heißt es: Die Privatisierung der nationalen Wasserbetriebe „Aguas de Portugal“ soll vorangetrieben werden.

‱ Die geplante EU-Richtlinie hĂ€tte katastrophale Auswirkungen, weil damit die Vergabe an öffentliche Unternehmen, wie sie heute gĂ€ngige Praxis ist, so nicht mehr möglich wĂ€re, es mĂŒsste europaweit ausgeschrieben werden. Die Gemeinden hĂ€tten laut der EU-Richtlinie zwar das Recht, die Wasserversorgung selbst zu ĂŒbernehmen. Doch sind viele finanziell ĂŒberfordert und ĂŒbertragen diese Aufgabe hĂ€ufig an nicht gewinnorientierte WasserverbĂ€nde oder Wassergenossenschaften.

FĂŒr uns GrĂŒne ist klar: Wir wollen von der EuropĂ€ischen Kommission einen Gesetzesvorschlag, der das Menschenrecht auf Wasser und sanitĂ€re Grundversorgung entsprechend der Resolution der Vereinten Nationen durchsetzt und eine funktionierende Wasser- und Abwasserwirtschaft als existenzsichernde öffentliche Dienstleistung fĂŒr alle Menschen fördert. Immerhin hat ja schon der Petitionsausschuss des EuropĂ€ischen Parlaments klargestellt, dass Wasser „keine Profitquelle sein sollte“.

Unsere deutsche Kollegin Heide RĂŒhle hat schon lĂ€nger vor einer „Wasserprivatisierung durch die HintertĂŒr“ gewarnt. Die EU-Kommission verschafft den Großkonzernen Suez, Violia und RWE durch eine HintertĂŒre, die sich Konzessionsrichtlinie nennt, einen Zugang zum Trinkwasser.

Allerdings sei darauf hingewiesen, dass bei uns in Österreich schon jetzt munter privatisiert wird. Die Stadt Hohenems beispielsweise musste die gegen den Widerstand der GrĂŒnen beschlossene Auslagerung der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Ende 2011 erst nach einem vernichtenden Rechnungshofbericht um teures Geld wieder zurĂŒcknehmen. Wenn Landeshauptmann Markus Wallner meint, ein Privatisierungsverbot sei „denkbar“, ist das zu wenig: ein Verbot muss in die Verfassung!

Wir GrĂŒne rufen alle ÖsterreicherInnen dazu auf, die Petition der EuropĂ€ischen BĂŒrgerinitiative zu unterschreiben: „Wasser ist ein Menschenrecht“

Es muss endlich Schluss sein mit der Verteufelung der öffentlichen Hand. Der Privatisierungswahn aus der Ära SchĂŒssel-Haider muss ein Ende haben!

6. Juli 2012

Fukushima: „Desaster von Menschenhand!“

2012-07-06T09:44:00+02:0006.07.12, 9:44 |Kategorien: Klima und Umwelt|

Nein, das sagen jetzt nicht die GrĂŒnen oder andere AKW-GegnerInnen: „Fukushima – Desaster von Menschenhand!“

Das steht heute in fast allen Tageszeitungen und ist auch auf der ORF-Homepage nachlesbar. Inhaltlich muss man das gar nicht weiter kommentieren. Es spricht fĂŒr sich selbst. Und die Schlussfolgerung in Japan? Auch die spricht fĂŒr sich: „Japan produziert wieder Atomstrom“!

Und das obwohl folgende Fakten von japanischen ExpertInnen festgestellt wurden: Laut Abschlussbericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Japan ĂŒber die Katastrophe im AKW Fukushima I im MĂ€rz 2011 war der Unfall vermeidbar und vorhersehbar: „Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand.“ Wirkliche Konsequenzen zog die Regierung offenbar nicht aus dem Atomunfall. Denn am Donnerstag begann Japan im AKW Oi wieder mit der Erzeugung von Atomstrom – trotz anhaltender Kritik an nachlĂ€ssigen Sicherheitsstandards.

In Europa ist es nicht viel, immerhin aber ein bisschen besser. Das Bild bezieht sich ĂŒbrigens auf das in einem Erdbebengebiet gelegenen Kernkraftwerk Fessenheim, einer französischen Nuklearanlage aus den 1970er Jahren. Es besteht aus zwei Druckwasserreaktoren und ist das derzeit Ă€lteste französische Kernkraftwerk.

30 Staaten der Erde betreiben Atomkraftwerke, innerhalb der EuropĂ€ischen Union sind das Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweden, Spanien, Belgien, Finnland und die Niederlande.

Immerhin: Einen vollstĂ€ndigen Ausstieg aus der Erzeugung von Atomenergie hat nach der Katastrophe im AKW Fukushima bisher Italien durchgefĂŒhrt, weitere Staaten wie Deutschland, Belgien und die Schweiz haben einen Atomausstieg angekĂŒndigt bzw. ihn in die Wege geleitet, weitere Staaten haben zum Teil weit vorangeschrittene Nuklearprogramme abgebrochen. In den Niederlanden und Großbritannien gibt es keine politische Beschlusslage zum Atomausstieg, Investoren ziehen jedoch aus wirtschaftlichen ErwĂ€gungen ihre PlĂ€ne fĂŒr den Neubau von Kernkraftwerken in letzter Zeit teilweise zurĂŒck.

Allerdings: Eine kĂŒrzlich veröffentlichte Untersuchung des Max-Planck-Instituts fĂŒr Chemie in Mainz kommt zum Schluss, dass eine Kernschmelze einmal alle 10 bis 20 Jahren auftreten können („Der nĂ€chste GAU in Westeuropa?“). Die WissenschaftlerInnen stellen fest, dass die höchste GefĂ€hrdung in Europa besteht, speziell am Rhein (siehe Fessenheim) und in Baden-WĂŒrttemberg.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze zu ermitteln, stellten die Mainzer Forscher eine einfache Rechnung an: Sie teilten die Laufzeit aller Kernreaktoren weltweit von der Inbetriebnahme des ersten zivilen Reaktors bis heute durch die Zahl der bisherigen Kernschmelzen. Die Laufzeit der Reaktoren summiert sich auf 14.500 Jahre; die Zahl der Kernschmelzen betrĂ€gt vier – eine in Tschernobyl und drei in Fukushima. Daraus ergibt sich, dass es in 3.625 Reaktorjahren zu einem GAU kommt, dem grĂ¶ĂŸten anzunehmenden Unfall wie ihn die Internationalen Bewertungsskala fĂŒr nukleare Ereignisse (International Nuclear Event Scale, INES) definiert. Selbst wenn man dieses Ergebnis auf einen GAU in 5.000 Reaktorjahren aufrundet, um das Risiko konservativ abzuschĂ€tzen, liegt das Risiko 200mal höher als SchĂ€tzungen der US-amerikanischen Zulassungskommission fĂŒr Kernreaktoren im Jahr 1990 ergaben.

8. Juni 2012

Propaganda fĂŒr Atomkraft in österreichischem Schulbuch!

2012-06-08T11:08:00+02:0008.06.12, 11:08 |Kategorien: Klima und Umwelt|

„. . . dass Kernkraftwerke im störungsfreien Normalbetrieb zusammen mit den Wasserkraftwerken zu den umweltfreundlichsten Kraftwerken zĂ€hlen.“

Das steht nicht in einer WerbebroschĂŒre der Atomlobby aus lĂ€ngst vergangenen Zeiten, sondern das steht im Jahr 2012 in einem österreichischen Schulbuch. Eine empörte Mutter hat mich darauf hingewiesen und ich habe den Fall in Form einer parlamentarischen Anfrage in den Nationalrat gebracht. Die „Salzburger Nachrichten“ berichten heute darĂŒber („UngesĂ€uberte SchulbĂŒcher“): „Einem beispiellosen Skandal ist der grĂŒne Bildungssprecher Harald Walser auf die Spur gekommen. “

Der Satz findet sich im Physik-Buch („Energie- und Klimatechnik“) der Maturaklasse der HTL Hollabrunn. Dort ist auch auf 16 Seiten (!) ein Lobgesang auf die Atomenergie nachzulesen.

Was heute selbstverstĂ€ndlich ist, findet in dem genannten Buch nicht einmal ErwĂ€hnung. LĂ€ngst werden HĂ€user und Betriebsanlagen nach Niedrigenergie- und Passivhausstandards errichtet und saniert. Das Lehrbuch kennt diese Begriffe, die maßgeblich sind fĂŒr die Frage, wie viel Energie bereitgestellt werden muss, nicht.

Das berufsbildende höhere Schulwesen in Österreich ist zu Recht einer der GrĂŒnde fĂŒr die niedrige Jugendarbeitslosigkeit und hervorragend ausgebildete FachkrĂ€fte in Österreich. Allerdings kann dieser Standard nur aufrechterhalten werden, wenn die LehrplĂ€ne und BĂŒcher auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik sind.

Angesichts dieser Fakten fordere ich nun das Unterrichtsministerium zum Eingreifen auf. Ministerin Claudia Schmied soll klĂ€ren, warum das Lehrbuch immer noch im Unterricht verwendet wird und ob es keine BĂŒcher gibt, die dem aktuellen Stand des Umweltschutzes entsprechen.

FĂŒr die „GrĂŒne Schule“ gilt: „Kein Kind zurĂŒcklassen!“

WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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