Wer braucht diese EU?

2016-06-24T10:49:09+02:0024.06.16, 10:45 |Kategorien: Allgemein|Tags: , |

Europa_Oesterreich_FahneDie ErschĂŒtterung ist nachhaltig spĂŒrbar und wird andauern. Was die Briten gestern gemacht haben, hat historische Dimensionen.

Die Ursachenforschung muss aber grĂŒndlich betrieben werden. Ja, die Migrationsbewegung hat den EU-KritikerInnen geholfen – nein, sie ist nicht die Ursache fĂŒr das Ergebnis. EU-Kritik hat es im Königreich ebenso wie im ĂŒbrigen Europa lange davor gegeben. Ja, das Organisationsmodell der EU ist alles andere als optimal und trĂ€gt zum Frust bei vielen Menschen bei – nein, die Skepsis bei vielen „einfachen“ Leuten geht viel tiefer.

Und dieses Misstrauen ist verstĂ€ndlich, zurĂŒckzufĂŒhren aber auf die UntĂ€tigkeit der politischen Eliten auf die immerstĂ€rker aufgehende Schere zwischen Reichen und Armen, auf steigende Arbeitslosenzahlen. Der globalisierte Kapitalismus hat in RaubtiermentalitĂ€t die soziale Ordnung erschĂŒttert und Begriffe wie „SolidaritĂ€t“ in Misskredit gebracht. Wer die EU retten will, muss Antworten auf die sozialen Probleme finden.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist der Kommentar von Jakob Augstein im „Spiegel“: „Kampf gegen Rechtspopulisten: Last Exit“

Er geht noch einen Schritt weiter und sieht gleich das ganze demokratische System auf der Kippe: „Wer die liberale Demokratie retten will, muss die Rechten stoppen. Wer die Rechten stoppen will, muss das System Ă€ndern, das sie erzeugt. Es gibt jetzt einen unlösbaren Zusammenhang: Europa muss sowohl stĂ€rker als auch sozialer werden.“

Wer die EU so braucht, wie sie jetzt ist, das sind Spekulanten, Großbanken und Konzerne. Diejenigen, die jetzt scharenweise dem rechtspopulistischen und -extremen Lager zulaufen, sehen davon keinen Profit. Dennoch benötigen auch sie die EU, denn zu glauben, dass auch nur irgendein relevantes Problem national gelöst werden könnte, ist ein fataler Irrtum.