Der „Plan A“ von Christian Kern: Fehlt da nicht etwas?

2017-01-12T18:31:09+01:0012.01.17, 15:32 |Kategorien: Bildung|Tags: , , , , |

plana_kernViele Superlative finden sich im Bildungskapitel in dem von Bundeskanzler Christian Kern gestern vorgestellten „Plan A“ der SPÖ: Da ist von der besten Ausbildung die Rede, die Kinder erhalten sollen, die besten LehrerInnen sollen unterrichten, die besten Köpfe sollen in die Schulen geholt werden, und es soll ĂŒberhaupt die besten Bedingungen geben. Wir könnten jedoch in einem ersten und zweiten Schritt schon einmal damit zufrieden sein, wenn es in der österreichischen Bildung nur einmal besser wĂŒrde. Das mag zwar nicht so populĂ€r klingen, ist aber unter realistischer Betrachtung der derzeitigen Situation nicht anders möglich.

Eines vorweg: Dass Bundeskanzler Kern das Ziel der Gemeinsamen Schule weder in seiner Rede noch im Papier zum „Plan A“ erwĂ€hnt hat, zeigt, wie mutlos die SPÖ inzwischen gerade in bildungspolitischen Fragen geworden ist. Die Gemeinsame Schule ist wohl die entscheidende Voraussetzung fĂŒr mehr Bildungsgerechtigkeit. Es ist mir daher rĂ€tselhaft, warum die SPÖ nun auf ihre einstige Kernforderung, die 2008 vor den Wahlen sogar noch als Koalitionsbedingung formuliert wurde, verzichtet und ohne diese zentrale Maßnahme in die weiteren Verhandlungen ĂŒber die Schulreform geht, aber zugleich volle Chancengerechtigkeit herstellen will.

In seinem „Plan A“ spricht Bundeskanzler Kern zudem von einem „modernen MĂ€rchen“ in der Bildung, das in der nahem Zukunft zu einer Tatsachenbeschreibung werden solle. Ein MĂ€rchen könnte es aber wirklich bleiben. Kern sichert kostenlose KindergartenplĂ€tze, beste LehrkrĂ€fte, Chancengleichheit, Digitalisierung samt Tablets und Laptops, ja sogar den kostenlosen FĂŒhrerschein fĂŒr Lehrlinge zu, ohne aber zu erwĂ€hnen, wie denn das schöne BildungsmĂ€rchen finanziert werden soll. Erst vor wenigen Wochen hat die SPÖ im Parlament einem Budget zugestimmt, bei dem im Bildungsressort schon jetzt eine LĂŒcke in Höhe von 191 Millionen Euro klafft.

Im „Plan A“ finden SchĂŒlerInnen mit Behinderungen samt Realisierung von Inklusion nicht einmal ErwĂ€hnung, auch die Suche nach der von Bildungsministerin Hammerschmid angekĂŒndigten Abschaffung der Sonderschulen verlĂ€uft ergebnislos. Wer aber von Chancengerechtigkeit redet, sollte auch daran denken, dass es Kinder mit körperlichen oder psychischen BeeintrĂ€chtigungen gibt, die schon an den Grundvorausssetzungen in unserem Bildungswesen scheitern oder es zumindest sehr schwer haben mit einer annĂ€hernd vollen Teilhabe in unserer Gesellschaft.

Wo Kern mit uns als BĂŒndnispartner jedoch sicher rechnen kann, ist die möglichst schnelle EinfĂŒhrung des „Chancenindex“ in der Schulfinanzierung, die Garantie, auf einen einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kindergartenplatz fĂŒr Kinder ab dem ersten Geburtstag und die schon lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Schaffung eines bundeseinheitlichen QualitĂ€tsrahmens in den KindergĂ€rten.

Worauf wir nun sehr gespannt sind: auf konkrete VorschlĂ€ge, wie sich die einzelnen Ziele umsetzen lassen und wie die avisierten Förderungen und Mehrausgaben angesichts der permanenten Unterfinanzierung des Bildungsressorts bezahlt werden können. Floskeln wie jene der „besten Bildung“ in Österreich hören wir nun nĂ€mlich schon seit Elisabeth Gehrer. Aber wer Superlative verspricht, jedoch nicht einmal die Zwischenschritte dazu einhalten kann oder will, macht sich unglaubwĂŒrdig. Dann kann sich die SPÖ schon jetzt an die Formulierung eines Planes B, C und D machen.