Reiche zahlen zu wenig!
Reiche Eltern fĂŒr alle – das geht sich leider nicht aus. Mehr Gerechtigkeit aber schon: GroĂe Erbschaften und Vermögen mĂŒssen in Ăsterreich endlich ordentlich besteuert werden, wenn wir den sozialen Frieden in unserem Land absichern wollen. Dazu habe ich unter dem Titel âSozialstaat sichern!â in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst. Hier zum Nachlesen:
Eine gerade publik gewordene Studie im Auftrag der âBertelsmann-Stiftungâ zeigt, dass in Deutschland eine breite Mehrheit fĂŒr eine höhere Besteuerung von Reichen und Superreichen ist. Beteiligt war auch das wirtschaftsnahe MĂŒnchner Wirtschaftsforschungsinstitut, das â wie die SĂŒddeutschen Zeitung sĂŒffisant feststellt â ânicht im Verdacht linker Umtriebe stehtâ.
In Ăsterreich ist die Situation Ă€hnlich. Die Diskussionen ĂŒber die diversen Krisen von Corona bis zum immer offensichtlicher werdenden Klima-Desaster verdecken allerdings derzeit den Blick auf die Frage, wer kĂŒnftig die steigenden staatlichen Ausgaben zur BewĂ€ltigung all dieser Krisen bei gleichzeitiger Sicherung des Sozialstaats bezahlen soll und kann. Eines ist klar: Der Anteil der Reichen und Superreichen am Steueraufkommen muss steigen.
Reich und Arm
Kaum beachtet wurde leider ein Nationalbank-Bericht ĂŒber die Vermögensungleichheit. Die Studie hat es in sich. Sie zeigt, wie sich in der Pandemie die Kluft zwischen Arm und Reich vergröĂert hat. Die Kernbotschaft: Das reichste Prozent â und somit Menschen, die auf ĂŒber zwei Millionen Euro zurĂŒckgreifen können â besitzt bis zu 50 Prozent des Gesamtvermögens, die reichsten zehn Prozent gar bis zu 75 Prozent.
Wie wird man so reich? Arbeiten allein wird nicht ausreichen. Die Autoren der Studie haben daher geschaut, wie die Menschen zu ihrem Reichtum gekommen sind. Und das Ergebnis ist eindeutig: hauptsÀchlich durch Erbschaften.
Wir stehen vor riesigen Herausforderungen â weit ĂŒber die Auswirkungen der Corona-Pandemie hinaus. Eine Pflegereform mit finanzieller Besserstellung des Personals steht ebenso an wie eine Bildungsreform und der ökologische Umbau der Infrastruktur. Zudem steht der Sozialstaat vor groĂen Herausforderungen.
Gerechteres Steuersystem
Auf unser Pensionssystem können wir ebenso stolz sein wie auf die Krankenversorgung in unserem Land â trotz aller neoliberalen Polemik dagegen. Aber auch ein funktionierendes öffentliches Bildungssystem, bezahlbare und gut ausgebaute Verkehrsmittel sind unabdingbar. Das alles bringt Sicherheit vor allem fĂŒr Menschen am unteren Ende der Einkommensskala.
Ein intakter Sozialstaat ist auch im Interesse der Wohlhabenden. Auch sie verlieren an LebensqualitĂ€t, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht und sich ZustĂ€nde breit machen wie in vielen anderen Regionen der Welt: âGated Communitiesâ beispielsweise, also durch ZĂ€une abgesicherte und von Sicherheitspersonal bewachte eigene Wohnviertel fĂŒr die Reichen. In den USA leben inzwischen 3,2 Prozent der Bevölkerung in solchen Siedlungen.
Wer sich heute gegen eine gerechte Besteuerung von Vermögen und Erbschaften strĂ€ubt und eine entsprechende Steuerreform verhindert, riskiert soziale Unruhen und heftige VerteilungskĂ€mpfe. Das kann kein vernĂŒnftiger Mensch wollen.
Konservative reden ja gerne davon, sie seien fĂŒr das âLeistungsprinzipâ. Abgesehen davon, dass uns die Pandemie wieder gelehrt hat, dass die âLeistungstrĂ€ger_innenâ vor allem in KrankenhĂ€usern, Altersheimen usw. zu finden sind, besteht diese Aussage auch beim Steuersystem die Nagelprobe nicht. Ăsterreich ist in Bezug auf vermögensbezogene Steuern im europĂ€ischen Hintertreffen. Unter dem Titel â