âZerbröseltâ die EU?
Was hat das vor allem von Deutscland, aber auch von Ăsterreich verursachte Scheitern der sogenannten âEU-Lieferkettenrichtlinieâ am vergangenen Freitag mit dem Vorarlberger WĂ€scheherstellers Huber Holding AG zu tun? Mehr als man glaubt. Zudem ist es verantwortungslos, dass LĂ€nder wie Deutschland und Ăsterreich mit falschen Argumenten die EU vor gewaltige Probleme stellen. Unter dem Titel â’Zerbröselt‘ die EU?â habe ich dazu in einem Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten Stellung bezogen. Hier zum Nachlesen:
FĂŒr ĂŒberzeugte EuropĂ€er war das vergangene Wochenende frustrierend. In populistischer Manier wurde wieder einmal eine wichtige MaĂnahme zu Fall gebracht â die sogenannte âLieferkettenrichtlinieâ. Der Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, einerseits weil nicht die âĂŒblichen VerdĂ€chtigenâ wie Viktor OrbĂĄn als Blockierer unterwegs waren, sondern LĂ€nder wie Deutschland und leider auch Ăsterreich. Andererseits wegen des Inhalts der Richtlinie, deren Bedeutung ja nicht zuletzt die aktuelle Meldung rund um den Vorarlberger WĂ€schehersteller Huber Holding AG zeigt.
Ungeregelte Lieferketten
Die Lieferkettenrichtlinie soll dafĂŒr sorgen, dass bei internationalen Handelsbeziehungen Umweltstandards und Menschenrechte eingehalten werden. Gleiche Spielregeln fĂŒr alle liegen eigentlich auch im Interesse der Firmen, denn immer wieder haben in der Vergangenheit Skandale ĂŒber unmenschliche Arbeitsbedingungen in den HerkunftslĂ€ndern bestimmter Zulieferer zutage gefördert und groĂe Konzerne in Schwierigkeiten gebracht.
Man denke etwa an die verheerende Brandkatastrophe vor eineinhalb Jahren in einer Fabrik in Bangladesch mit fast 50 Toten und etwa 200 zum Teil schwer verletzten Menschen. Dabei gelangten hochgiftige Chemikalien in die GewÀsser und vergifteten die Umwelt. Daraufhin wurden unmenschliche Arbeitsbedingungen publik und europÀische Konzerne wie Benetton oder Kik erlitten gewaltige Imageverluste.
Es braucht Regeln
Schon damals war klar: Es braucht Regeln, an die sich alle halten mĂŒssen. In der EU begannen mĂŒhsame Verhandlungen, die mit sachlich tragbaren Kompromissen endeten.
Doch kurz vor der geplanten Beschlussfassung am letzten Freitag war die notwendige Mehrheit plötzlich infrage gestellt, denn vor allem Deutschland â aber eben auch Ăsterreich â wollten nicht mehr zustimmen. Der deutsche Finanzminister Christian Lindner ortete auf einmal âunverhĂ€ltnismĂ€Ăige BĂŒrokratieâ.
Das ist Populismus pur, denn es braucht bĂŒrokratische Kontrollen, etwa wenn es um den Schutz von Mensch und Umwelt vor gefĂ€hrlicher Profitgier geht. Oder bezweifelt heute noch jemand, dass beispielsweise die Fahrzeiten fĂŒr Bus- oder LKW-Chauffeure begrenzt und kontrolliert werden mĂŒssen? Ăhnliches gilt fĂŒr die Lebensmittelkontrolle oder generell fĂŒr den Arbeits- und Verbraucherschutz.
âGerman Voteâ
Der RĂŒckzieher am Freitag war nicht der erste Querschuss des nördlichen Nachbarn. In der EU gibt schon einen Begriff fĂŒr deutsche UnverlĂ€sslichkeit bei Abstimmungen: âGerman Voteâ. Was denken sich da jene Staaten, die zuvor eigene Interessen zurĂŒckgestellt und zu Kompromissen bereit waren? Wie werden sie kĂŒnftig bei Verhandlungen agieren?
Wer innerhalb der EU handelt wie zuletzt Deutschland und Ăsterreich schwĂ€cht die EU zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich gestĂ€rkt werden sollte. Wir brauchen in dieser schwierigen Zeit ein starkes und einheitliches statt eines âzerbröselndenâ Europa. Ein verlĂ€ssliches Deutschland ist da unabdingbar!

